Didaktisches Sprechen

 

Methode:  Bei Formen des kommunikativen Lernens kann die Lehrperson nicht auf der Ebene des Unterrichtsgegenstands, der Sach- oder Problemebene, der Ebene des inhaltlichen Fortschritts verbleiben;

vielmehr entwickelt sie gezielt Beiträge auf weiteren Ebenen: explizite Äußerungen der Steuerung, Planung, Kommentierung, Bewertung, Beratung, Metakommunikation.

 

Auf der Inhaltseben von Unterrichtsgesprächen sind zu Beginn ihrer Lehrtätigkeit Referendarinnen und Referendare schon sehr damit beschäftigt, den sachlichen, inhaltlichen Gang aufzubauen, zu verfolgen und abzuschließen. Die Lehrperson ist im Deutschunterricht unmittelbar am Sach- oder Problemgespräch beteiligt.

 

Spezifisch für Unterricht und damit andersartig als das Sprechen im privaten oder öffentlichen Bereich sind die Formen des didaktischen Sprechens. Sie stellen eine hochkomplexe Anforderung an die Lehrperson dar:

 

Auf einer Steuerungsebene von Unterrichtsgesprächen werden die gedankliche Entwicklung und der Arbeitsweg durch Moderation, Impulse, Fragen und Aufträge direkt befördert. Eine explizite Themenführung erfolgt durch Initiieren, Aufgreifen, Verstärken und Bündeln von Aspekten sowie durch Verknüpfung von Beiträgen. Dabei ist der Blick der Lehrperson gerichtet auf die Beziehungen der Schülerinnen und Schüler zum Gegenstand und zu einander. - Die Kunst der Gesprächssteuerung ist insbesondere an den sogenannten Gelenkstellen einzusetzen, wenn es darum geht, die geplante Phasenstruktur umzusetzen: Mit den Schülerinnen und Schülern ist das in der letzten Phase Erreichte zu bilanzieren und/oder zu fixieren - aus dem Bisherigen sind Aspekte für die nächste Phase abzuleiten - ein folgender Themenkomplex oder Arbeitsschritt ist aufzubauen - durch Vorgänge der Fokussierung und Überleitung ist der Wechsel von Teilthema zu Teilthema zu bewältigen, der Sprung von „Themeninsel“ zu „Themeninsel“... - Dabei ist darauf zu achten, dass nicht einfach fremdbestimmende Setzungen durch die Lehrperson erfolgen, sondern der Ausgangspunkt möglichst bei den Zwischenergebnissen, den Fragestellungen und Angeboten der Schülerinnen und Schüler gesucht wird.

 

Auf einer Wertungsebene von Unterrichtsgesprächen kommen Äußerungen der Rückmeldung, der Korrektur, der Bewertung, des Lobs, der Infrage-Stellung, der Zurückweisung oder der Aufforderung zur Präzisierung hinzu.

 

Auf einer Metaebene von Unterrichtsgesprächen muss sich die Lehrperson zusätzlich orientieren und bewegen: Während des laufenden Unterrichts beobachtet sie

       das Arbeits- und Gesprächsverhalten der Schülerinnen und Schüler

       die Nutzung von Fachmethoden und Fachsprache

       die Effizienz des momentanen diskursiven Geschehens

       die Funktionalität und das Funktionieren der eingesetzten Unterrichtsmethoden

       das Gelingen der gewählten Gesprächsvarianten: Plenumsgespräch, Kreisgespräch, offenes Gespräch, moderiertes Gespräch, lehrergesteuertes Gespräch, fragend-entwickelndes Gespräch

       den Stand des Gesprächs im Vergleich zum geplanten Phasenverlauf

       etc.

Zur Optimierung der Unterrichtsgespräche werden didaktische Kommentierungen des Lernstands, des Lernwegs oder des Lernziels, Erläuterungen zum Gesprächsverlauf auf der Metaebene explizit ausformuliert.

In der Metakommunikation kann man den Schülerinnen und Schülern ihre Arbeitsweise, ihr Arbeitsziel, den Gesprächsstand, ihre Beteiligung, ihr Gesprächsverhalten, ihren Arbeitseinsatz rückmelden und spiegeln.

Das Unterrichtsgeschehen wird thematisiert und gemeinsam reflektiert.

In Rückbetrachtungen werden der Arbeitsablauf und die Funktion bestimmter Arbeitsschritte reflektiert. Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere aufmerksam gemacht werden auf die Arbeitsmethoden, damit sie immer mehr an Ablauf- und Gestaltungsentscheidungen - besonders in der Oberstufe - teilnehmen können.

Hilfen auf der Metaebene und didaktisches Sprechen können Tempoveränderungen und deutlichere Zentrierungen bei kontroversen oder unentschiedenen Arbeitslagen bewirken.

Das didaktische Sprechen trägt so zur Transparenz des Unterrichts, des Lern- und Arbeitswegs und der Spielräume für alle Beteiligten bei; es ist zugleich eine Form der Beratung.

 

Andererseits versucht die Lehrperson ihren Anteil an Gesprächen reduziert zu halten, sich nur einzuschalten, wenn der Lern- und Arbeitsprozess ohne ihre Impulse und Kommentare, ihre Aufträge und Wertungen nicht recht gelingen will, in falsche Richtungen verläuft, unökonomisch ist, wenig fachspezifisch ist oder weitsichtige Perspektiven über das momentane Geschehen hinaus vernachlässigt.

 

s. auch:

Unterrichtsgespräch - Formen des kommunikativen Lernens

Dynamisierung von Unterrichtsgesprächen

 

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