Planung von Deutschunterricht: Literatur- und Sprachunterricht

 

 

Fachliche Zielsetzung

 

 

literarische und mediale

 

Texte

  verstehen    +    verfassen 

 

fiktionale und nichtfiktionale

 

 

 

Sachanalyse (Analyse des Unterrichtsgegenstandes)

 

                    Wir haben es im Deutschunterricht mit Gegenständen auf der fachlichen Ebene zu tun:    Sprache, sprachliche, rhetorische, stilistische Mittel ... - Literatur und Medien, Textsorten, Genres, textgestaltende Mittel ... - geschichtliche Prozesse, Wahrnehmungsmuster, ... - Methoden und Begriffe

 

                    Und wir haben es mit Gegenständen auf der allgemein-inhaltlichen Ebene zu tun:  menschliche und gesellschaftliche Vorgänge - grundlegende Probleme aus Alltags- und Welterfahrung: Ich - Mitmenschen - Natur - Kultur - Technik ... (s. „Schlüsselprobleme“ in den Lehrplänen)

 

 

A) Zu einer Stunde bedarf es einer doppelten Thema-Analyse:

 
Beispiel-Thema: Kaufhausdiebstahl - Die Funktion der Zeitstufen in mündlichen und schriftlichen Berichten
 
1. Vorzubereiten ist der im Thema enthaltene inhaltliche Komplex:
Wo liegen die Probleme heutiger Jugendlicher in der Kleinkriminalität? Ursachen? Rolle der Peer-Groups? Warenangebot? Zugänglichkeit? Sanktionierung? etc.
- z.B. in soziologischer, politischer, ökonomischer, historischer, philosophischer, persönlicher ... Perspektive
- Wie betrifft es die Schülerinnen und Schüler? Wie reduziere ich auf das Verarbeitungsniveau eines Jahrgangs? ...

 

2. Vorzubereiten ist der im Thema enthaltene fachliche Komplex:
Welche Rolle spielen die berichtenden Textsorten im „Fall Kaufhausdiebstahl“: Zeugenaussagen, Bericht, Protokoll...? Welche Formulierungsanforderungen sind damit verbunden? ...  - Welche Rolle spielen die sprachlichen Formen: die verschiedenen Zeitstufen, insbesondere der Unterschied von Perfekt und Präteritum als Wiedergabeformen für Vergangenes? Wie sind diese grammatischen Phänomene beschaffen? Welche Formen und Funktionen sind wichtig? etc.

 

 

B) Und es bedarf der konkreten Text- und Materialanalyse:

 

Eine genaue Analyse des für die Stunde vorgesehenen Textes, der Medien oder Materialien, die eingesetzt werden sollen:

 

1. Wie kommt im Text die inhaltliche Problematik vor? Welche Inhaltsaspekte fallen auf? Welche Teilthemen sind relevant? Wie sind Text- und Leserhorizont in der Inhaltseben aufeinander bezogen? etc.

 

2. Welche fachlichen Beobachtungen mache ich am Text? Was ist die Struktur des Textes? Welche sprachlichen und literarische Formaspekte sind relevant? Welche Gestaltungsmittel prägen den Text?
 
3. Welche Funktionen haben die eingesetzten Mittel? Wie hängen sie mit den Aussagen des Textes zusammen? - Zu welchen Deutungen und Wertungen komme ich in einer Interpretation - auch im Vergleich mit anderen? - Welche meiner Untersuchungsergebnisse sind im Unterricht unbedingt anzustreben, soll der Text nicht verfehlt werden? In welchen Portionen kann ich das alles im Unterricht verhandeln? etc.

 

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Analyse der Sachstruktur - zum Beispiel:

 

Tempora im Deutschen

 

Tempus, Tempora

Zeitformen

gram. Kategorie

 

Präsens, Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt, Futur ...

 

Zeiten

Zeitstufen

Anschauungskategorie:

zeitliche Sprecher-/Schreiberperspektive

 

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

 

 

 

Zeitfolge

Zeitverhältnisse

syntaktische Funktion

 

Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit, Nachzeitigkeit

 

normativ nur: „nachdem“-Sätze (Gliedsatz Hauptsatz)

Plusquamperfekt Präteritum  /  Perfekt Präsens

 

 

speziell: Perfekt - Präteritum

 

Zeitaspekte 

semantische Funktion

(Bezug zum Vorgang):

 

Perfekt         -        Abgeschlossenheit eines Vorgangs (perfektiv)

Präteritum -          Dauer, Andauern, Unabgeschlossenheit (imperfektiv),

in der Vergangenheit ablaufend

 

↕ ?

 

traditionell:     

Perfekt   =       Nähe des Geschehens zur Sprechergegenwart

Präteritum =   Distanz zur Sprechergegenwart

 

 

Funktionen der Tempora

kontextuelle und pragmatische Funktion

 

Perfekt        =       Vergangenheitstempus der Mündlichkeit:

mündliches Erzählen, narrative Dialogpassagen,

Erlebniserzählung - eher Ich-Form

Präteritum =         Vergangenheitstempus der Schriftlichkeit:

schriftliches Erzählen - eher Er-Form,

                            Bericht, Protokoll (soweit nicht im Präsens)

(z.T. nach: Menzel. In: PD SH Grammatik 1995)

 

 

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Material zur Einheit:

 

Die Funktion der Zeitstufen in mündlichen und schriftlichen Berichten (W. Greiß)

 

(1) Zeugenaussage der Hausfrau Martha 0.:

. . . „Erst haben sie in den Kassetten rumgewühlt. Dann haben sie leise miteinander geredet. Was, habe ich nicht verstanden. Der eine hat sich so halb vor den andern gestellt. Aber ich habe doch gesehen, wie der Kleinere zwei Kassetten unter den Pullover gesteckt hat. Und da ist dann dieser Herr gekommen ...“

 

(2) Aus dem schriftlichen Bericht des Hausdetektivs an die Leitung der Firma:

Am 14.1.2003 bemerkte ich um 10.00 Uhr zwei etwa vierzehn und sechszehn Jahre alte Jungen in der Musikabteilung des Kaufhofs an Stand 3, deren Verhalten mir auffällig erschien. Ich beobachtete, wie der Ältere auf den Jüngeren einredete und sich hinter ihn stellte; er deckte ihn so gegen Sicht, während der Jüngere sich an den Kassetten zu schaffen machte. ....

 

(3) Aus der Vernehmung des Peter Mohr (14 Jahre):

... „und da habe ich die zwei irren Hits in dem Stapel gefunden und habe mein Geld gezählt. Aber das hat nicht gereicht. Da hat der Udo auch noch zu mir gesagt, er hat mal im Fernsehen gesehen, wie zwei Jungen sowas gedreht haben ...“

 

(4) Aus der Fortsetzung des schriftlichen Berichts des Hausdetektivs:

Als der Jüngere zwei Kassetten unter seinen Pullover gesteckt hatte, begab ich mich sofort dorthin. Nachdem ich bei ihnen angelangt war, stellte ich sie zur Rede. Sie gaben den Diebstahl sofort zu. ....

 

(5)

 

 

 

 

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