Fachseminar Deutsch

 

Unterrichtsentwurf: Anlage einer „schriftlichen Planung des Unterrichts“ - Typus „erarbeitender Unterricht

 

Diese Hinweise für den Stundenentwurf folgen dem Konzept, dass geplante Stunden zu einem in sich schlüssigen, vertretbaren, ggf. allerdings in der unterrichtlichen Realisierung dann modifizierten Ergebnis kommen müssen, damit die Schülerinnen und Schüler Lernfortschritte erleben.

Stundenentwürfe sind während der Ausbildung ein Lerninstrument, damit die Planungs- und Umsetzungsverfahren erprobt, eingeübt und zur Routine entwickelt werden.

Dabei werden pragmatisch die tatsächlichen Anforderungen in der gegenwärtigen Schulpraxis (Zeitraster, Stundenfolge, Klassenarbeitstermine etc. der einzelnen Ausbildungsschule) sowie die Vorgabe für die unterrichtspraktische Prüfung im Zweiten Staatsexamen berücksichtigt:

 

Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Staatsprüfung - OVP - Vom 10. April 2011  (GV. NRW. S. 218)

 

§ 11 (3) … Unterrichtsbesuche […], zu denen die Lehramtsanwärterin oder der Lehramtsanwärter eine kurzgefasste Pla­nung vorzulegen hat.

 

§ 32 (5) Vor Beginn der Prüfung legt der Prüfling den Mitgliedern des Prüfungsausschusses für jedes Fach eine Schriftliche Arbeit vor. Diese umfasst eine schriftliche Planung des Unterrichts, (insbesondere: Ziele, ein oder mehrere didaktische Schwerpunkte und  geplanter Verlauf des Unterrichts einschließlich der jeweiligen Begründungszusammenhänge) und eine Darstellung der zugehörigen längerfristigen Unterrichtszusammenhänge, in die die Unterrichtsstunde der Unterrichtspraktischen Prüfung eingebunden ist. Der Umfang der Schriftlichen Arbeit soll zehn Seiten nicht überschreiten, davon soll auf die Planung der Stunde und auf die längerfristigen Unterrichtszusammenhänge jeweils etwa die Hälfte entfallen. Das Prüfungsamt kann von den Prüflingen eine schriftliche Versicherung an Eides statt verlangen und abnehmen, dass die Prüfungsleistung von ihnen selbstständig erbracht worden ist.

(9) Die Schriftlichen Arbeiten nach Absatz 5 werden unter Berücksichtigung des Grades der selbständigen Leistung, des sachlichen Gehalts, der Einbindung der Unterrichtspraktischen Prüfung in die längerfristigen Unterrichtszusammenhänge und der sprachlichen Form mit einer eigenen Note bewertet. Absatz 8 Satz 2 gilt entsprechend. Die wesentlichen Begründungen für die Bewertung werden in die Niederschrift nach Absatz 10 aufgenommen.

  

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Im 1. Ausbildungshalbjahr, spätestens vor dem Examen, sollte jeder mindestens einmal den interdependenten  Begründungszusammenhang ausformulieren und dabei auf Antizipation und Konkretisierung achten.

 

► Für die kurzgefasste Planung bei den Unterrichtsbesuchen (OVP § 11.3) geht es also i.d.R. um den Teil B im folgenden Planungskonzept.

► Für die Schriftliche Arbeit im Staatsexamen (OVP § 32.5) geht es um die Teile A+B.

 

Schriftliche Planung des Unterrichts des/der StRef.’ (Name) - Schule - Datum - Raum - Kurs/Klasse - Fachlehrer/in

 

A) Längerfristige Unterrichtszusammenhänge -  Reihenzusammenhang (= 1. Hälfte der Schriftlichen Planung,  max. 5 Seiten):  

Mit OVP 2011 ist dieDarstellung der zugehörigen längerfristigen Unterrichtszusammenhänge, in die die Unterrichtsstunde der Unterrichtspraktischen Prüfung eingebunden ist,“ auszuführen! Dabei sollte ein Überblick mit Begründungen über die vorausgegangenen und die noch geplanten Stunden der Unterrichtsreihe (ca. 10-15 Stunden) gegeben werden, so dass der Sitz der aktuellen Stunde im Reihenkontext deutlich wird:

-   Thema und Ziel der Unterrichtsreihe - Umfang

-   Anschlüsse an Vorwissen - frühere Lernsituationen / Halbjahresplanung / Sequenzplanung - Vernetzungen

-   ggf. Planungsbeteiligung der SuS

-   Lernbereiche - ggf. Integration der Lernbereiche - Einordnung gem. Lehrplan - gem. Schulcurriculum

-   Gegenstands-/Stoffauswahl - Medien - Einsatz der eingeführten Lehrwerke

-   Themenfolge der Stunden - Unterrichtsgegenstände/Stoffe, Ziele + Kompetenzaufbau, methodische Variation, Hausaufgaben

-   Lernerfolgssicherung (Sonstige Mitarbeit - Klassenarbeit)

-   Anschlussüberlegungen für ein Spiralcurriculum - Vernetzungen

 

B) Planung der Stunde - x. Stundenentwurf

(= 2. Hälfte der Schriftlichen Planung, max. 5 Seiten, ggf. 6, wenn bei A nur 4 Seiten)

 

1.  Thema der Stunde:

Ein Thema nennt den Lerngegenstand, z.B. Text, Szene, Gedicht, Aufsatz etc. und den konkreten Betrach­tungsaspekt der Sache gegenüber, z.B. ein problemorientierter oder inhaltlicher, formaler, methodenorien­tier­ter ... Schwerpunkt. - Das Thema nennt noch nicht die Methode.

Beispiele: Semantische Analyse am Beispiel des Gedichts „Der Arbeits­mann“ von R. Dehmel  / Kommunikationsstörungen in der Erzählung von H. Bender: Fondue oder der Freitisch  /  Wort­schatzarbeit zur Vorbereitung einer Vorgangsbeschreibung „Montage eines Elektro­steckers“  /  H. von Moltke: Der Ara­ber und sein Ross - die Gliederung nach Handlungsschritten - Wiederho­lung und Anwendung / Die Dauer der Liebe – in Ulla Hahns Gedicht „Irrtum“ (1988)

 

 

 

2.  Bedingungen der Stunde (nur knapp vertextet, auch als Liste): 2.1 Lernstand der Klasse im Reihenzusammenhang für den heutigen Tag (Vorwissen, Kenntnisse und Fertigkeiten) - 2.2 besondere Bedingungen der Klasse und des Tages – 2.3 Hausaufgabe zur Stunde

 

3.  Didaktische Schwerpunktsetzung (vertextet, z.T. auch mit Spiegelstrichen): 3.1 die sachlogische, didaktische und methodische Schwerpunktsetzung - 3.2 die Lernphasen und die Progression im Lernweg - 3.3 das Neue, das zu Lernende oder/und zu Übende, das Spezifische dieser Stunde

 

4.    Kompetenzen (gemäß Kernlehrplan des Jahrgangs/schuleigenen Curriculums), denen diese Stunde mit ihren Lernzielen im Rahmen der Unterrichtsreihe langfristig zuarbeitet:

z.B. Jg. 9/10

- Sprechen und Zuhören  - Gestaltend sprechen / szenisch spielen: „12. Sie vertreten in Rollenspielen ihre eigene Position (z. B. im Bewerbungsgespräch). Sie verknüpfen in freier Rede Argumentation und Appell. (Redestrategien einsetzen: z. B. Fünfsatz, Anknüpfungen formulieren, rhetorische Mittel verwenden und ihre Wirkung beachten)“             und:

- Schreiben - Texte schreiben: „4. Sie verfassen unter Beachtung unterschiedlicher Formen schriftlicher Erörterung argumentative Texte. (Thesen entwickeln, Argumente sammeln, nach Gewichtigkeit ordnen; korrekt zitiert belegen, Argumente durch Beispiele veranschaulichen, Schlussfolgerungen ziehen; den Argumentationsgang einer Vorlage zusammenfassen; für eine eigene Auffassung mithilfe wertender Akzentuierung argumentieren, Argumente überlegt anordnen; Gegenargumente zurückweisen- z. B. in einem Leserbrief, einer Resolution, einer Rede) Schwerpunkt der unterrichtlichen Arbeit

 

5.  Ziele der Stunde (als Liste)

5.1 Stundenziel /Intention: (am Ende der Stunde soll fachlich erreicht sein...)

5.2 Teilziele / Lehr-, Lernzielkomplexe: Die Schüler/innen sollen ... 1. ... 2. ... 3. ... etc.  (i.d.R. ca. 5 - 7 Ziele)

 Ein Lernziel nennt die Ergebnislage nach einer bestimmten Phase des Umgangs mit der Sache:

- Es soll konkre­tisiert sein und sich insofern von den Arbeitsaufträgen unterscheiden: also was genau ist am Ende der Arbeitsphase erkannt, produ­ziert, erörtert...?

- Und es soll operationalisiert sein und durch entsprechende Verben (= Operatoren) die beabsichtigten Aktivitäten / Operationen der Schülerinnen und Schüler angeben. Also wie sollen sie vorgehen: sollen sie untersuchen, erör­tern, vergleichen, erschließen, bewerten, vortragen etc.? -

Ziele lassen sich gruppieren nach unterschiedlichen Zieldimensionen: kognitive, affektive, instrumentelle und soziale Ziele  -  und/oder nach der Chronologie der Stunde und der Lernprogression: Pha­senziele, die sich i.d.R. nach der Anforderungshöhe unterscheiden: Reproduktion - Reorganisation - Transfer - Pro­blem­lösung - Bewertung.

 

 

 

6.  Geplanter Verlauf

 

Phase, Zeit, Teilziel

Unterrichtsschritte / Unterrichtsinhalte

 

(konkret: spezifisch für diese Stunde!)

Unterrichtsformen / Methoden, Medien

(als Liste)       oder

Didaktisch-methodischer Kommentar (knapp vertextet)

Aufbau der Lernsi­tuation

 

z.B. (!!)

ca. 4' (Dauer)

 

TZ 1

(Teilziel 1 s.o.)

z.B.(!) Brücke zum letzten Thema; Wiederholung der Lernergebnisse der letzten  Stunde; Einbringen / Kontrolle der Hausaufgaben (ggf. später funktional einbeziehen) – pre-reading activities; explizite Motivation nötig?

 

Präsentation eines Textes, eines  Problems, einer Folie; Hinlenkung zu einem sprachli­chen Phänomen; Information zur Stunde; informierender Unterrichtseinstieg; Erläuterung des Themas; etc.

T = Text     

OHP = Overheadprojektor/Folie  

PC

etc.

 

I = Impuls    

F = Frage      

At = Arbeitsauftrag

 

LV = Lehrervortrag

SV = Schülervortrag

EA = Einzelarbeit 

P = Präsentation

PA = Partnerarbeit

StA = Stillarbeit

GA = Gruppenarbeit:

           at. = arbeitsteilig

           ag. = arbeitsgleich

auch andere schülerorientierte  

Formen einsetzbar!

 

UG = Unterrichtsgespräch:

   gel. = gelenktes,

   f.-e. = fragend-entwickeln­des,

   imp. = impulsgesteuertes

   offen = offenes UG, offen für

   The­men- / Zielentwicklung und

   Schülerplanung

   mod. = moderiertes Gespräch

KG = Kettengespräch

RG = Rundgespräch (im Kreis)

Disk = Diskussion nach best. Regeln: mit Leiter,

     in Pro-und-Kontra-Form

 

Tf = Tafeltext/-bild / Grafik

   begl. = den Gedankengang

   beglei­tend

   res. = Ergebnisse resümierend,

   sichernd

   strukt. = die Struktur eines 

   Themas grafisch darstellend

ggf. Spontanphase

   5'

z.B. Ersteindrücke, Fragen, Ideen

Problemeröffnung / Zielausrichtung

   3'

TZ 2

 

i.d.R. explizite Eröffnung des Themas, Problems; Überlegungen zum Ar­beitsschwer­punkt; Erstellen eines Erkenntnis­interesses; Entwicklung einer Arbeitsfrage, einer Suchrichtung; Konzentration auf entscheidende Fragen und Aufgabenstellungen, Formulierung von Verstehens­ansätzen, Deutungshypothesen;

ggf. Methoden­reflexion zum Vorgehen

Erarbeitung

 

   10'

TZ 3

 

   5'

TZ 4

konkrete Angaben zu:

Untersuchungs- oder Produktionskomplexe;

Arbeitsaufträge, Arbeitsgrundlagen und zen­trale Impulse für die Schüler;

Arbeit am Text, Ausschnitt, Material;

alleine, mit anderen, im Unterrichtsgespräch mit allen (s. 3. Spalte);

unter Anwendung von Methoden; Zeitrahmen …

Verarbeitung / Integration / Ergebnissichtung /

Ergebnissicherung

   10'

TZ 5

Vermittlung und Sichtung des Erarbeiteten; ggf. Formen einer Präsentation;

Verarbeitende Gesprächsformen: Verknüpfung der Aspekte,  Zusammenhang der Teile, Zwischenergebnisse

 

→ Teilthemen zur inhaltlichen Strukturie­rung dieser zentralen Gesprächs­phase („Themeninseln“)

Vertiefung / Anwendung /

Transfer

Kontrolle

    5'

TZ 6

Vertiefung a) in der Problemebene oder/und b) der Textebene, c) der Methodenebene, d) der wertenden Auseinandersetzung –

 exemplarische Textvertiefung…;

Erweiterung der Fragestellung; Teilthemen s.o.;

Rückbezug zum Ausgangspunkt, zur Problem­stellung, zum Arbeitsziel;

Verallgemeinerung;

Bezug zu den Schülern, zur Lebenspraxis etc.

zum Sequenzverlauf

 

→ Teilthemen zur inhaltlichen Strukturie­rung dieser zentralen Gesprächs­phase („Themeninseln“)

Hausaufgabe / ggf. Perspektivbildung

   3'

Herausbildung einer nächsten Problemstel­lung, der folgenden Fragestellung etc.;

Hausaufgabe (mit konkreter Operation: etw. schreiben, für den mündl. Vortrag vorbereiten; eine Grafik entwerfen etc.)

Füllung des Rasters in konzentrierter Auswahl, ggf. mit Varianten, jeweils auf den Schwerpunkt der Phase hin.

 

 

 

7.  Literatur (Printform und Internet - bibliographische Angaben, Internetadressen ...) bei jedem Entwurf!

1. Quellen der Texte und Materialien

2. Lehrwerke und Unterrichtsmaterialien

3. Sekundärliteratur zum Gegenstand

4. Fachdidaktische Literatur

 

Dringend:

Beachten Sie das Urheberrecht und die Normen wissenschaftlichen Schreibens, d.h. genaue Quellenangabe auch für einzelne aus Fremdquellen übernommene Passagen oder Konzepte, auch und erst recht bei Übernahmen aus dem Internet! - Natürlich ist eine Nutzung aus anderen erreichbaren Quellen erlaubt und das Fußen auf der Arbeit von Vorgängern ebenfalls wissenschaftlich. Die Selbstständigkeit liegt dann in einer angemessenen Adaption für die eigene Situation. Aber:

Bei Nichtbeachtung der Vorschrift zur Quellenangabe liegt vollendete Täuschung vor. Im Examen bedeutet dies dann: „nicht bestanden“ (wie 2003 im Seminar Paderborn oder gerade erst im Seminar Düsseldorf 2005 geschehen!).

8. Anhang: die für diese Stunde vorgesehenen Texte, Materialien, Tafelbildentwurf o.ä.

 


 

Denken Sie beim Methodenwechsel an die Grundsätze:

-     in unteren Klassen- in jeder Stunde eine schriftliche Phase - Phasen von kürzerer Dauer - keine 45 Minuten Gesprächsunterricht!!

  - in höheren Klassen: eindeutige Phasen der Eigenaktivität der Schülerinnen und Schüler + Verarbeitung und Vertiefung im Plenum (mit vorgeplanten Aspekten / Teilthemen)!!

► Achten Sie auf Vermeidung der klassischen Fallen im Deutschunterricht!

 

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Selbständiger Unterricht ist in die Unterrichtsbesuche einzubeziehen.

 

In mindestens einem Unterrichtsbesuch soll die sinnvolle und funktionale Nutzung von verschiedenen, vor allem neuen Medien nachgewiesen werden (über den Einsatz von Texten, Arbeitsblättern, Projektionsfolien und der Tafel hinausgehend) - nach den Möglichkeiten im Fach. (Beschluss Jülich 17.12.2003)

 

In den Stunden soll die didaktisch-methodische, die pädagogische, organisatorische, moderierende etc. Qualifikation der Referendarinnen und Referendare offensichtlich werden; d.h. nur das Initiieren einer 40-minütigen Gruppenarbeit wäre für einen Unterrichtsbesuch nicht sinnvoll. Auch 25 Minuten einfachster Aktivitäten wie Heraussuchen aus Zeitschriften und Aufkleben o.ä. sind unpassend; solche leichten Arbeitsformen verlagert man am besten in die vorbereitende Hausaufgabe, damit die knappe kostbare Unterrichtszeit für die Klärung, Auswertung, Verarbeitung und Vertiefung genutzt werden kann.

 

Ebenso hat sich bewährt, bei produktionsorientiertem Unterricht eine Produktion der Schülerinnen und Schüler, die über 10-15 Minuten hinaus dauert, in die Hausaufgabe oder Stunde vor dem Unterrichtsbesuch zu verlagern, damit die Lehrerleistung bei der Verarbeitung der Schülerprodukte ins Zentrum kommt.

 

Nicht in allen Unterrichtsbesuchen muss es sich um den „erarbeitenden Unterricht“ (s.o.) handeln; so sind auch Verarbeitungsstunden im Rahmen des Projektunterrichts oder Anwendungsstunden mit Evaluation der Ergebnisse nach einer Einführung oder spielerische Übungsstunden oder Gestaltungsstunden mit vorheriger Ideenfindung u.a.m. möglich.

 

© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de