Beispiel für einen Unterrichtsentwurf mit

Integration von Zeichensetzung + Literatur + Sprachreflexion

 

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5. Unterrichtsentwurf der StRef.’ Angela Franke

 

I. Datenvorspann

Datum: 02.04.2004

Schule: Städt. Gymnasium

Fach: Deutsch

Kurs/Klasse: 6

Zeit: 9.40-10.25 Uhr (3. Std.)

Raum:

Fachlehrer:

 

II. Thematik

 

Thema der Reihe: Regeln der Zeichensetzung bei wörtlicher Rede, Satzverbindungen und Aufzählungen und ihre Funktion in literarischen Texten

 

Thema der Stunde: Die Funktion der Zeichensetzung in Josef Redings Gedicht „Hast du ’ne Macke?“ unter der Perspektive der Erarbeitung eines Sprechvortrags

 

Thema der vorausgegangenen Stunde: Satzzeichen im literarischen Text: Die Funktion von wörtlicher Rede und Redebegleitsatz zur Gestaltung der Fabel „Die anderen haben’s besser“

 

Thema der nachfolgenden Stunde: Kurzzeichen zur Markierung eines Sprechvortrags unter Berücksichtigung der Funktion von Satzzeichen

 

Hausaufgabe zu dieser Stunde: Wiederholung der Satzverbindungs- und Satzschlusszeichen anhand eines Arbeitsblattes zur späteren Erarbeitung einer Legende der Kurzzeichen zur Markierung eines Sprechvortrags (vgl. AB 1 im Anhang)

 

III. Didaktische Schwerpunktsetzung

-      Die Reihekonzeption

Die Wiederholung und Aneignung der Regeln der Zeichensetzung knüpft an die Problemlage der Klasse an, diese nicht in zufriedenstellendem Maß zu beherrschen. Ein Teil der Lerngruppe hat Schwierigkeiten bei der Identifikation von Haupt- und Nebensatz, dem korrekten Einsatz der richtigen Satzzeichen und dem nachhaltigen Lernen von Regeln. Insofern wurde vor der von mir unterrichteten Reihe von dem Fachlehrer die Unterscheidung von Haupt- und Nebensätzen durch die Position der Personalform des Verbs und der untergeordneten Konjunktion und des Relativpronomens wiederholend eingeübt.

Ich unterrichte die Klasse 6D seit nunmehr 7 Unterrichtsstunden im Ausbildungsunterricht. Die von mir unterrichtete Reihe „Regeln der Zeichensetzung bei wörtlicher Rede, Satzverbindungen und Aufzählungen und deren Funktion in literarischen Texten“ basiert auf dem Kapitel Satzzeichen setzen" des eingeführten Lehrbuchs (1) und ist eingebettet in den inhaltlichen Schwerpunkt „Lesen und Schreiben im alten Rom“. Zunächst wurden hier anhand der Textsorten Dialog, Erzählung und Bericht die Satzschlusszeichen, die Kennzeichnung der wörtlichen Rede und die Zeichensetzung bei wörtlicher Rede, Satzverbindungen und Aufzählungen beobachtet. Aus den Beobachtungen heraus wurden induktiv Regeln wiederholt bzw. erarbeitet. Die Funktion der Zeichensetzung wurde anschließend in Rückbindung an Textsorte und zu vermittelnden Inhalt reflektiert. Die Reflexion über Sprache, hier die der Zeichensetzung sowie der Satzverbindungen, ging somit einher mit dem Lernbereich Umgang mit Texten". Zu dem Zeitpunkt der Lehrprobe sind oben benannte Regeln der Zeichensetzung bereits induktiv erarbeitet und geübt worden.

Aufgrund der benannten Problemlage der Klasse soll nun ein anderer Lernzugang zum Thema Zeichensetzung eingeführt werden. Im Rahmen der Beschäftigung mit der Funktion der Zeichensetzung in literarischen Texten wird jetzt verstärkt der Inhalt des Textes und hiermit einhergehend die Reflexion über die gewählten Satzzeichen in den Blick genommen. Dies wurde bereits begonnen, indem in der Unterrichtsstunde unmittelbar vor der Lehrprobe die Funktion der wörtlichen Rede in der Fabel „Die anderen haben’s besser“  untersucht wurde.(2) In der Lehrprobe wie in den darauf folgenden Unterrichtstunden soll dann zugleich die Funktion der Satzzeichen für den Sprechvortrag untersucht werden. Hierdurch wird nicht nur die Reflexion über Sprache an die Textaussagen zurückgebunden, sondern zugleich auch das Hör- und Sprachverstehen der Lerngruppe geschult. Die SchülerInnen, denen die kognitive Regelaneignung und -anwendung schwer fällt, erhalten zugleich die Möglichkeit, die Satzzeichen aus ihrem Text- und Hörverstehen abzuleiten.

Didaktisch-methodisch ist die dargestellte Reihe somit auf zwei Ebenen konzipiert: Erstens die systematische Erarbeitung des Regelwerks der Zeichensetzung auf der Basis von Textbeobachtung und -reflexion. Zweitens die Schulung des Hörverstehens als Hinweis auf Zeichensetzung auf Basis der Erarbeitung von Sprechvorträgen.(3) Somit ist der Wechsel von Situationsorientierung (1 Phase UE) zur Spielorientierung anhand des Experiments mit Sprache (2 Phase UE) in der Reihe selbst angelegt. Der Spielorientierung kann später durch die gestische und mimische Ausgestaltung des Sprechvortrags noch mehr Raum gegeben werden.

 

-      Sachanalytische Reflexion und Argumentation

Das Gedicht „Hast du ’ne Macke?“ von Josef Reding überrascht durch die Umdeutung der alltagssprachlichen Redewendung Eine Macke haben". Während hierunter gemeinhin verstanden wird, dass jemand einen Makel, einen Fehler hat oder eben „spinnt", wertet Reding dies in seinem Gedicht um. Der Autor legt am Beispiel einer Puppe argumentativ dar, dass eben gerade der Fehler oder der Makel, den jeder von uns hat, uns zu einem besonderen, zu einem individuellen Menschen macht. Und gerade deshalb sollen wir, der/die LeserIn ist hier unmittelbar angesprochen, uns nicht ärgern, sondern vielmehr froh über unsere uns auszeichnenden Mängel sein. So lautet dann auch die allgemeine Lehre, die am Ende des Gedichtes gezogen wird.

Wie sich zeigt, knüpft das Gedicht schon thematisch an Entwicklungsaufgaben und -probleme von SchülerInnen der Jahrgangsstufe 6 an: Der vor allem durch die Medien vermittelte Anspruch an Makellosigkeit des Menschen ist, gerade in der Entwicklung des Selbstbildes in der beginnenden Pubertät, von besonderer Wirksamkeit und zugleich Problem der Unerreichbarkeit. Eben dies wird in dem Gedicht in Frage gestellt und auf humoristische Art ins Gegenteil verkehrt. Zugleich werden Moralkategorien vermittelt, die als Entwicklungshilfe in der Ausbildung von Ich-Identität hilfreich sind. Die Belehrung erfolgt aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern überraschend durch den Titel, der eine andere Aussage erwarten lässt, und in humoristische (Erzähl)Weise. Hierdurch ist den SchülerInnen die Annahme der Lehre möglich, ohne sich reglementiert und verbessert zu fühlen. Zugleich ist das Gedicht durch die gewählte Sprachvariante (überwiegend Alltagssprache, z.T. auch mündlicher Sprachgebrauch) leicht zugänglich, sodass Inhalt und Aussage des Gedichts schnell erschlossen werden können.

Argumentativ ist das Gedicht dreigeteilt. Zunächst wird der Sachverhalt geschildert (die Puppe fällt und hat nun eine Macke) und dem Ärger Ausdruck verliehen (V.1-4). Dann folgt am exemplarischen Beispiel der Puppe die Erläuterung, warum man sich über eine Macke nicht ärgern soll (diese erhält erst durch ihre Macken Besonderheit und Wert; V. 5-15). Schließlich wird die allgemeine Lehre gezogen: Jeder Mensch ist erst durch seine Fehler unverwechselbar und somit individuell (V.16-19). Die gewählten Satzzeichen, aber auch die Semantik des Textes sowie die Klanggestalt insgesamt, unterstützen die jeweiligen inhaltlichen Aussagen und die dreigeteilte Argumentation. Zunächst wird in Aussagesätzen der Sachverhalt geschildert (V. 1-2) und dem Ärger über die zerstörte Makellosigkeit der Puppe durch wörtliche Rede und Ausrufezeichen Ausdruck verliehen (V. 3-4). Der umgangsprachliche Begriff „Kacke" (V. 3) sowie die Redewendung „Aus ist's" (V. 4) untermauern den Ausdruck des Ärgers. Der Beginn des nächsten Abschnitts ist gekennzeichnet durch die Folge von drei Gedankenstrichen, die eine längere Gedankenpause markieren. Dem folgt die Auforderung, eine andere Perspektive einzunehmen, die mit einem Ausrufezeichen unterstützt wird (V. 5). Aufzählungen von möglichen Makeln einer Puppe rhythmisieren nun den Text und stellen die geringe Bedeutung der einzelnen Fehler auch in der Klanggestalt dar. Unterstützt wird dies durch die Kommasetzung (V. 6-8) und ist eingebettet in den Imperativ, diese Macken nicht zu betrauern (V. 6-9). Nun folgen als Schlussfolgerung zwei aufeinander-folgenden Aussagesätzen: Makellose Puppen sind austauschbar, wogegen die beschädigte Puppe durch ihre Mängel ihren Eigenwert erhält (V. 10-15). Im zweiten Aussagesatz ist erneut eine durch Kommata und Konjunktionen rhythmisierte Aufzählung möglicher Stellen der Verletzungen eingebettet, die deren Unwichtigkeit klanggestaltlich verdeutlicht (V. 13-14). Schließlich folgt, angekündigt durch einen Doppelpunkt, die allgemeine Lehre (V. 16). Der Aufforderung, froh über seine Fehler zu sein, folgt das Resümee, dass hierdurch erst die Unverwechselbarkeit des Einzelnen hergestellt ist. Diese Lehre wird durch ein Ausrufezeichen unterstrichen (V. 19).

Die im Titel des Gedichts formulierte Frage erweist sich demnach als mehrdeutig: Zunächst wird der/die Leser/in unmittelbar angesprochen. Negative Konnotationen im umgangssprachlichen Sinne gehen hiermit einher, ggf. fühlt man sich sogar unmittelbar in Frage gestellt. Nach der Lektüre kann man die Frage beruhigt positiv beantworten, da ja der Autor selbst Fehler als Teil der Individualität vorführt. Darüber hinaus kann aber auch gefolgert werden, dass der/die LeserIn, der/die der Lehre des Gedichts nicht folgt, einen falschen Blick auf die Welt hat. Die Vieldeutigkeit des Titels kommt auch durch die Umformung von Aussage- in Fragesatz zu Stande.

Wie sich zeigt, sind Inhalt und Zeichensetzung in dem vorliegenden Gedicht eng verzahnt und unterstützen einander. Dies wird durch die gewählte Semantik untermauert. Nach einer Erstrezeption und dem Festhalten der zentralen Aussage des Gedichtes ist es demnach gut möglich, den Aussagegehalt der einzelnen Textpassagen kontextuiert mit der Zeichensetzung zunächst analytisch zu erschließen. Eine hierauf aufbauende Aufbereitung des Gedichts als Sprechvortrag nimmt dann erweiternd die Funktion der Satzzeichen für die Betonung der zentralen Aussagen in den Blick. Die Klangprobe zur Bestimmung der Satzgrenzen und Erprobung verschiedener Lesarten eines Textes dient somit auch als operationales Verfahren. Die Semantik des Textes bietet für die SchülerInnen hierbei eine gute Hilfestellung. (4)

Eine Sensibilisierung für die Funktion und Wirkung der sprachlichen Mittel wie auch eine Schulung des Hörverstehens geht mit der Aufbereitung des Textes für einen Sprechvortrag folglich einher.

 

-      Das Neue, der Lernzuwachs

Im Lernbereich „Umgang mit Texten" und „Reflexion über Sprache" ist der Lernzuwachs zunächst gegeben, da die SchülerInnen die Inhalte des Gedichtes kontextuiert mit der Funktion der Zeichensetzung komprimiert in den Blick nehmen. Während im Vorfeld der Lehrprobe überwiegend andere Textsorten zur Debatte standen, lernen sie nun Zeichensetzung auch als Teil literarischer Gestaltung(smittel) kennen.

Hinsichtlich des Wissenserwerbs um die korrekte Anwendung der Zeichensetzung im Text allgemein erlernen die SchülerInnen darüber hinaus auf der Basis ihres Hörverstehens die Wahrnehmung von Satzzeichen. Hierdurch wird ein zweiter Zugang zur Aneignung grammatischen Wissens geschaffen und das Textverstehen auf der Hörverstehensebene geschult.

Zugleich bildet die Unterrichtstunde einen Auftakt des Vermittlungsschwerpunktes „Sprechen und Schreiben“. Im Rahmen dieser und der folgenden Stunden sollen die SchülerInnen das gestaltende Sprechen eines literarischen Textes erlernen und hierdurch ihren Sprechausdruck schulen. Methodisch eignen sich die SchülerInnen die Textmarkierung für den gestaltenden Sprechvortrag an. Die als Lehrprobe anberaumte Unterrichtsstunde soll anknüpfend an das Vorwissen der SchülerInnen dafür eine Basis legen.

Insgesamt werden somit inhaltliche wie auch methodische Kompetenzen der SchülerInnen gestärkt, indem sie auf inhaltlicher Ebene die Funktion von Satzzeichen an eine Textaussage zurückbinden und methodisch in der Vorbereitung und Durchführung eines gelungenen Sprechvortrags geschult werden. Zu verstehen ist dies als Teil der Förderung der Verstehens- und Verständigungsfähigkeit und der intentionsgerichtete Kommunikationskompetenz.

 

-      Lernvoraussetzung, Antizipation der erwarteten Schwierigkeiten Maßnahmen und Hilfen

Die Lerngruppe 6 D besteht aus 30 SchülerInnen. Wie in der Darstellung der Reihe deutlich wurde, verfügen die SchülerInnen zum Zeitpunkt der Lehrprobe über ein ausreichendes Wissen hinsichtlich der Zeichensetzung. Zugleich aber erwies sich im Verlauf des Schuljahres die Aneignung und Anwendung von Regelwissen insofern als problematisch, als das Regelwissen meist nicht nachhaltig erlernt wird. Der Umgang mit (literarischen) Texten, so der Fachlehrer, fällt der Klasse wesentlich leichter. Die SchülerInnen sind hier motiviert.

Ein aktuelles Problem der Lerngruppe ist die nicht ausgebildete Vortragskompetenz. So zeigte sich in der Vorbereitung auf den Lesewettbewerb, dass zwar das flüssige Lesen, nicht aber der betonte und lebendige Vortrag beherrscht wird. Diese Beobachtungen teilen auch KollegInnen anderer Fächer. Im Englischunterricht der Klasse steigerte sich dies sogar zu einer gruppendynamischen Schwierigkeit, als eine Schülerin, nachdem sie einen Text vortrug, ausgelacht wurde. Aus meinen eigenen Beobachtungen kann ich hinzufügen, dass ich die Lerngruppe als verhältnismäßig schüchtern erlebe.

Das in der Lehrprobe geplante Unterrichtskonzept sowie die Folgestunden knüpfen unmittelbar an die benannten Problemlagen an: Der Schwierigkeit bei der kognitiv-analytischen Anwendung und Speicherung von Regeln soll durch das Angebot eines weiteren Lernzugangs begegnet werden. Das methodische Erlernen und Einüben des mündlichen Vortrags ist in dieser und den folgenden Stunden selbst Lernstoff. Die Stoffauswahl eines literarischen Textes soll den Zugang erleichtern, indem an die Bedürfnisse und Neigungen der Klasse angeknüpft wird.

Das methodische Verfahren der Textmarkierung und der darauf folgenden Bestimmung der Satzart ist der Klasse vertraut, ebenso die gewählten Sozialformen der Einzel- und Partnerarbeit. Der SchülerInnenvortrag als Sprechvortrag tritt im Sinne des Anliegens der Unterrichtstunde als neue Sozialform hinzu. Hier ist zu erwarten, dass die Lerngruppe Schwierigkeiten zeigt. Diesem wird einerseits durch die Vorbereitung des Sprechvortrags durch Kurzeichenmarkierungen und das Einüben in Partnerarbeit entgegengewirkt. Zum anderen sollen die von der Lerngruppe beobachteten Problemlagen beim Sprechvortrag Stoff der nächsten Unterrichtstunden sein. Insofern ist hier die Problementwicklung für den weiteren Reihenverlauf immanent enthalten. Entsprechend kommt es mir bei dem die Stunde abschließenden Sprechvortrag nicht auf Perfektion, sondern auf eine erste Sensibilisierung an, die in den folgenden Stunden ausgebaut und geschult werden soll.

 

-      Aufbereitung der einzelnen Lernphasen Lernprogression

Die vorbereitende Hausaufgabe dient der Wiederholung und Bereitstellung von grundlegendem Fachwissen der Zeichensetzung und deren fachbegriffliche Benennung (Satzendzeichen, wörtliche Rede und Kommata zur Kennzeichnung von Satzgrenzen und Aufzählungen). Zugleich wird mit dem tabellarischen Eintrag eine Legende zur Verallgemeinerung der in dieser Stunde eingeführten Kurzzeichen zur Markierung eines Sprechvortrags vorbereitet, die in den nachfolgenden Stunden erstellt werden soll.

Den Einstieg der Unterrichtstunde bildet ein Tafelimpuls, indem die alltagssprachliche Redewendung „Du hast 'ne Macke." auf der Tafel notiert wird. Die SchülerInnen sollen sich nun in einem Brainstorming der Bedeutung der Redewendung als abwertende Kennzeichnung eines Fehlers oder Ticks des Angesprochenen bewusst werden (Tafelprotokoll vgl. Anhang). Hierdurch wird die Rezeption des Gedichtes von Reding insofern vorbereitet, als die Lerngruppe sich der Funktion der Redensart für Titel und Kernaussage sowie des Überraschungseffektes des Gedichtes bewusst wird. Die Erstrezeption des Gedichtes erfolgt dann über einen Lehrerinnenvortrag. Durch diesen rezeptionsorientierten Zugriff wird aufbauend auf die Eröffnungsphase die Kernaussage und die humoristische Darstellungsweise fokussiert. Nach dem Vortrag sollen die SchülerInnen ihre Rezeptionserfahrung versprachlichen, wobei sie den alltagssprachlichen Gebrauch der Redensart mit der Sichtweise Redings im Unterrichtsgespräch vergleichen. Dies wird im Tafelbild vergleichend visualisiert (vgl. Anhang). Durch die Umwertung der gemeinhin als negativ diffamierten Macke zum Individuellen und Besonderen eines jeden Menschen kann so die Kernaussage des Gedichtes erschlossen und der Text als humoristisch mit zugleich ernstem Inhalt identifiziert werden.

Indem die SchülerInnen nun den Unterschied zwischen Redensart und Titel des Gedichtes in Rückbindung an den Inhalt im fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch reflektieren, wird der Blick dann themaentwickelnd auf die Funktion von Satzart (Aussage vs. Frage) und hiermit einhergehende Satzzeichen gelenkt. Auf diese Beobachtung aufbauend erhalten die SchülerInnen nun den Arbeitsauftrag, die Satzzeichen im Gedicht zu markieren, die Satzart (Aussage, Ausruf, Frage etc.) bzw. Funktion der Satzzeichen (Aufzählung etc.) daneben zu notieren und deren Funktion in Rückbezug auf den Inhalt zu bedenken. In einem ergebnisabsichernden Unterrichtsgespräch auf Basis eines SchülerInnenvortrags wird dies besprochen und an die Inhalte des Gedichts zurückgebunden. Hierdurch werden der Inhalt vertiefend erschlossen, die Satzarten an die jeweils inhaltlichen Aussagen zurückgebunden, sowie die Argumentationsstrategie des Autors und ggf. die Dreigliedrigkeit des Gedichtes erkannt (Sicherung im Folienprotokoll vgl. Anhang).

Ausgehend von der inhaltlichen Aussage und den Hinweisen durch die Satzzeichen soll von der Lerngruppe nun erschlossen werden, wie ein solches Gedicht sinnvoll und pointiert vorgetragen werden kann. Eingeleitet wird dies durch eine gemeinsame beispielhafte Erprobung der ersten vier Verse und der Reflexion des Gehörten im Unterrichtsgespräch. Im Rahmen der Ergebnissicherung auf Folie werden hierbei die Kurzzeichen für die Markierungen für einen Sprechvortrag eingeführt (vgl. Folienprotokoll sowie AB 1 im Anhang). Die weiteren Verse sollen die SchülerInnen in arbeitsteiliger Partnerarbeit nach dem eingeführten Verfahren markieren und den Sprechvortrag einüben. Das Gedicht wird hierfür in drei Abschnitte unterteilt: V. 5-9, V. 10-15, V. 16-19. Je zehn SchülerInnen beschäftigen sich demnach mit einem Auszug. In dieser Phase soll die Lerngruppe sich insgesamt der Bedeutung der einzelnen inhaltlichen Aussagen und der damit kontextuierten Zeichensetzung des Gedichtes für den Sprechvortrag bewusst werden. Zugleich üben die SchülerInnen eine Methode der Vortragsvorbereitung ein. Die gewählte Sozialform der Partnerarbeit gibt ihnen hierbei Rückmeldung und Sicherheit. Die Entscheidung für eine arbeitsteilige Bearbeitung des Gedichts, die in dieser Phase des Unterrichts eine Fragmentarisierung des Textes mit sich bringt, ist darin begründet, dass die SchülerInnen so zunächst gezwungen werden, den einzelnen Satz zu fokussieren. Hierdurch wird die Bedeutung der einzelnen Satzzeichen für den Sprechvortrag stärker in den Blick genommen.

In einer abschließenden SchülerInnenpräsentation sollen die Ergebnisse nun gesichert, verglichen und erprobt werden. Hierfür haben jeweils zwei SchülerInnen ihren Vortrag auf Folie vorbereitet und tragen das Gedicht nun abschnittsweise auf Basis dessen vor. Die Lerngruppe soll anschließend gelungene und korrekturbedürftige Passagen des Sprechvortrags kommentieren, ihre Markierungsergebnisse mit denen der vor-tragenden SchülerInnen vergleichen und alternative Markierungen sowie Verbesserungsvorschläge des mündlichen Vortrags erarbeiten bzw. erproben. In dieser Phase kommt es daraus an, sich auf bestimmte Standards (u.a. Pausen bei Kommata und Absatz etc.) zu einigen, zugleich aber auch Freiräume als RezitatorInnen-Interpretation (z.B. Betonung einzelner Worte) kenntlich zu machen. Zugleich sollen Problemstellen von Methode und Vortrag als Perspektivbildungen für die nächsten Stunden in den Blick genommen werden. Das Ende der Stunde soll dann der Gesamtvortrag des für das gestaltende Sprechen vorbereitete Gedicht bilden.

Da die Lehrprobe unmittelbar vor den Osterferien liegt, ist die freiwillige Hausaufgabe dieser Stunde, das Gedicht (auswendig)zulernen und den Vortrag einzuüben. In den auf die Lehrprobe folgenden Stunden sollen nun einerseits die Methoden der Vortragsvorbereitung durch Textmarkierung auf der Basis von Inhalt und Satzzeichen vertieft und zugleich der Vortrag selbst eingeübt werden.

Wie deutlich wurde, wird in der als Lehrprobe anberaumten Unterrichtstunde ein rezeptionsorientierter Einstieg gewählt, der dann an ein sprachanalytisches Vorgehen zurückgebunden und produktionsorientiert vertieft wird.


IV. Ziele

Stundenziel: Die SchülerInnen sollen anhand der Untersuchung der Zeichensetzung im Gedicht „Hast du ’ne Macke“ den Zusammenhang von Form und Inhalt erkennen und ihre Erkenntnisse auf ihr Hörverstehen ausweiten und anwenden, indem sie einen Sprechvortrag erarbeiten.

 

Teilziele:  Die SchülerInnen sollen...

1.            ... anhand der Erklärung der Redewendung „Du hast ’ne Macke.“ die abwertende Bedeutung der Redensart erkennen und versprachlichen.

2.            ... nach dem Hörerleben des Gedichtes „Hast du ’ne Macke?“ die Umwertung der Redewendung in dem Gedicht erkennen (Die „Macke“ steht für etwas Besonderes, was den Einzelnen aus der Masse hervorhebt) und dies funktional durch die Abänderung von einer Aussage in eine Frage erklären.

3.            ... die Funktion der Zeichensetzung in dem Gedicht erkennen, indem sie sie farbig markieren, die Art der Sätze benennen und ihre Beobachtungen im Unterrichtsgespräch an den Inhalt zurückbinden (Ausrufe des Ärgers, Gedankenstriche für Gedankenpause, Aufforderung, den Blick zu ändern, Aufzählung der Macken, Aussagesatz für Feststellung, Doppelpunkt für Ankündigung der allgemeinen Lehre, Aufforderung zur Unterstreichung der Lehre).

4.            ... die Bedeutung der Zeichensetzung für die Betonung erkennen, indem sie im Unterrichtsgespräch den Vortrag des ersten Abschnittes des Gedichts (Vers 1-4) gemeinsam erproben und die Wirkung verschiedener Möglichkeiten des Sprechens in Rückbindung an Zeichensetzung und Inhalt versprachlichen.

5.            ... zugleich Kurzzeichen für die Markierung eines Sprechvortrags kennen lernen ( / ), indem diese durch die Lehrerin resümierend zu den SchülerInnen-Vorschlägen zur Betonung des ersten Abschnitts eingeführt werden.

6.            ... den Sprechvortrag des Gedichtes erarbeiten und einüben, indem sie mit Hilfe von Kurzzeichen Hauptbetonungen, Hebung und Senkung der Stimme sowie Sprechpausen in Rückbindung an Satzzeichen und Inhalt des Gedichtes den Text arbeitsteilig markieren und den so vorbereiteten Text in Partnerarbeit einüben.

7.            ... ihre Ergebnisse präsentieren und abgleichen, indem jeweils zwei SchülerInnen das Gedicht zunächst abschnittsweise auf der Basis ihrer Markierungen vortragen und die Lerngruppe anschließend im Unterrichtsgespräch Vortrag und Textmarkierung auf Richtig- bzw. Möglichkeit hin überprüft.

 



V. Verlaufsplan

Phase, Zeit, Teilziel

Unterrichtsschritte / Unterrichtsinhalte

Unterrichtsform / Medien

Aufbau der Lern-situation, Spontan-phase zum Titel

 

2’; TZ 1

Alltagsbedeutung der Redewendung „Du hast ’ne Macke.“

 

è Tf-Impuls: „Du hast ’ne Macke.“

è Lf: Was bedeutet die Redewendung in unserer Umgangssprache? [Sicherung in Tf; vgl. Anhang]

 

 

 

Tf , UG

Erarbeitung Inhalt und Themaentwik-klung Zeichen-setzung

6'

TZ 2

Umformung und Umwertung der Redewendung in dem Gedicht „Hast du ’ne Macke?“

 

è LV: Vortrag des Gedichts „Hast du ’ne Macke?“

è Lf; UG: Welchen Sinn erhält die Redewendung im Gedicht? Warum soll man sich über eine „Macke“ freuen?

è Lf: Wie ist die Umwertung der Redewendung schon in der Überschrift erkennbar? [Sicherung in Tf; vgl. Anhang]

 

 

 

LV

Tf, UG

 

Untersuchung und Funktionsbestim-mung der Zeichen-setzung

16'

TZ 3

Zeichensetzung zur Ausgestaltung des Inhalts

 

è Sa, AA: Lektüre des Gedichts und Markierung der Satzzeichen. Bestimmung der Satzart. (1 S auf Folie)

è SV, UG: Präsentation und Diskussion der Ergebnisse unter Rückbindung an den Inhalt [Foliensicherung; vgl. Anhang]

 

 

 

Sa, AB 2

SV, UG, Folie

 

Vertiefung/Transfer: Regeln für einen Sprechvortrag - Einführung von Kurzzeichen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10’

TZ 4,5,6

Funktion der Satzzeichen für den Sprechvortrag

 

è L-Impuls, Brainstorm: Wenn wir das Gedicht nun vortragen wollen: Welche Hinweise geben uns die Satzzeichen? Erprobung anhand Vers 1-4

 

[antizipierte Ergebnisse - Kurzzeichen gesichert in Folienprotokoll vgl. Anhang]

ð                     Titel: Frage: Stimme heben

ð                     V. 1-2: Aussagesatz: Stimme senken

ð                     V. 3, 4: Doppelpunkt: Sprechpause

ð                     V. 3,4: wörtliche Rede: ggf. verstellte Stimme  Farbig en??

ð                     V. 3,4: Ausrufezeichen: Wort- oder Satzteile betonen ___

ð                     [Sprechpausen bei Komma und Absätzen]

ð                     ...

 

è Pa, Aa: arbeitsteilige Vorbereitung eines Sprechvortrags: Textmarkierung nach eingeführten Kurzzeichen und Einüben Sprechvortrag (Arbeitsteilung: V. 5-9; V. 10-15; V. 16-19; je 2 Ss auf Folie)

 

 

 

Folie, UG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AB 2, Pa

 

Ergebissicherung und Perspektiv-bildung: Präsenta-tion und Ersterprob-ung des Sprechvor-trags

 

 

’10

TZ 7

Sprechvorträge des Gedichtes und Ergebnisvergleich

 

è SV, UG: Gedichtsvortrag und Ergebnispräsentation (abschnittsweise)

ad 1) Vortragen des Gedichts

ad 2) Präsentation und Diskussion von Vortrag und Markierung im UG [Folie; vgl. antizipierte Ergebnisse Anhang]

Lf: Was war gut vorgetragen? An welchen Stellen habt ihr Verbesserungsvorschläge bezüglich des Sprechvortrags/ der Markierungen? (jeweils Gegenprobe Sprechvortrag)

 

è SV: Gedichtsvortrag gesamt unter Einbezug der Unterrichtsergebnisse

 

 

 

 

SV

Folie, UG

 

 

 

SV

 

Hausaufgabe:

 

1’

Freiwillige Hausaufgabe

è Gedicht  (auswendig)lernen und Sprechvortrag einüben

 

 

LV


VI. Tafelbild, Arbeitsblatt und Folie – mit antizipierten Ergebnissen

 

1.         AB 1: Textmarkierung für einen Sprechvortrag – Legende für Kurzzeichen (4)

2.         Tf: „Du hast ’ne Macke.“ – „Hast du ’ne Macke?“

3.         AB 2/Folie: „Hast du ’ne Macke?”

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1.         AB 1: Textmarkierung für einen Sprechvortrag – Legende für Kurzzeichen

[mit antizipierten Ergebnissen der Hausaufgabe und der Erarbeitungen der Folgestunde]

 

Einen Text betont sprechen

Beispielsatz

Satzart und Zeichensetzung

Betonung

Kurz-zeichen

Die Puppe ist kaputt.

Ein Punkt kennzeichnet den Schluss eines Aussagesatzes.

Am Ende eines Aussagesatzes wird die Stimme gesenkt.

 

Ist die Puppe kaputt?

Das Fragezeichen setzt das Ende eines Fragesatzes.

Am Ende eines Fragesatzes wird die Stimme gehoben.

 

Die Puppe ist kaputt!

Die Puppe ist kaputt!

Das Ausrufezeichen steht nach Ausrufen, Aufforderungen, Wünschen und Anreden.

Steht ein Ausrufezeichen nach dem Satz, ist etwas von besonderer Bedeutung. Betont wird dann das Wort, das für die Aussage besonders wichtig ist.

 

____

Die Puppe, | die ich so gerne mag, | ist kaputt.

Die Puppe, | das Auto und der Ball sind kaputt.

Ein Komma trennt Teilsätze (Satzreihe, Satzgefüge) und Wortgruppen oder Worte (Aufzählungen).

Bei einem Komma muss immer eine Pause beim Sprechvortrag gemacht werden.

 

Sie sagte: Meine Puppe ist kaputt."

Anführungszeichen geben die wörtliche Rede wieder.

Oft verändert der/die Sprecher/in die Stimme, sodass der Eindruck entsteht, dass nun eine andere Person spreche.

 

Farbig en??

Die Puppe ist kaputt || ich liebte sie sehr.

Gedankenstriche kennzeichnen, dass hier ein erweiternder Gedanke eingeschoben wird.

Bei Gedankenstrichen wird eine längere Pause gemacht.

 

││

 

 

                                                            

2.      Tf: „Du hast ’ne Macke.“ – „Hast du ’ne Macke?“ [mit antizipierten Ergebnissen]

 

Du hast ’ne Macke.

ð                  einen Fehler haben

ð                  spinnen

ð                  doof sein

ð                  ...

 

 

Aussage

 

Hast du ’ne Macke?

ð                    eine Macke haben, ist etwas Besonderes

ð                    man unterscheidet sich von anderen

ð                    Fehler machen unverwechselbar

ð                    hebt den Einzelnen aus der Masse hervor

ð                    ...

 

Frage

 

 

 

 


1.       AB 2/Folie: „Hast du ’ne Macke?” [mit antizipierten Ergebnissen]

 

 

 

 

VII. Materialanhang

VIII. Literatur

-      Quellen der Texte und Materialien

-      Primär

Biermann, H., Schurf, B. (Hrsg.): Deutschbuch. Sprach- und Lesebuch 6. Berlin: Cornelsenverlag 1997, S. 141

Pabst-Weinschenk, M.: Reden im Studium. Ein Trainingsprogramm. Frankfurt a.M.: Cornelsen Skriptor 1995, S. 99

-      Fachdidaktisch

Biermann, H., Schurf, B. (Hrsg.): Deutschbuch. Handbuch für den Unterricht 6. Berlin: Cornelsenverlag 1998, S. 136

Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe I – Gymnasium. Deutsch. Frechen: Ritterbach 1993

Steets, A.: Lernbereich Sprache in der Sekundarstufe I. In: Kämper-van den Boogaart, M. (Hrsg.): Deutsch-Didaktik. Leitfaden für die Sekundarstufe I und II. Berlin: Cornelsen Skriptor 2003, S. 210-230

 

Anmerkungen:

(1) Biermann/Schurf 1997, S. 137-144

(2)  Hierbei lernten die SchülerInnen auch die Lehre als einen möglichen Schluss einer Fabel kennen. Wie sich zeigen wird, ist dies für die als Lehrprobe anberaumte Unterrichtsstunde ein gut nutzbares Vorwissen (Die Fabel als Textsorte war in diesem Schuljahr noch nicht explizit Thema).

(3) Siehe zur lerntheoretischen und didaktischen Begründung auch die Erläuterung zu Lernwegen und Vorschlägen der unterrichtlichen Einbettung zu Lernwegen und –schwierigkeiten bei Steets 2003, S. 230f.

Spezifische Merkmale des lyrischen Textes sollen in dieser Stunde aus zweierlei Gründen nicht thematisiert werden: Zunächst hat die Beschäftigung mit der Textgattung Lyrik in diesem Schuljahr noch nicht stattgefunden, sodass hier nicht auf ein gesichertes Wissen zurückgegriffen werden könnte. Darüber hinaus würde die zusätzliche Reflexion von Reim, Metrum etc. den Blick auf die textstrukturierende Funktion der Satzzeichen verstellen, da die SchülerInnen mit einer Vielzahl der Informationen überfordert wären.

(4) Die Kurzzeichen für die Markierungen eines Sprechvortrags basieren auf den Vorschlägen von Marita Pabst-Weinschenk 1995, S.99

 

 

 

©Angela Franke in: http://www.fachdidaktik-einecke.de