Fokussieren – Von der inhaltlichen Ebene auf die sprachliche Ebene lenken

 

Bei dem induktiven Lernweg in der Einführungsstunde, d.h. bei der Arbeit am „Kerntext“, entsteht der folgende Mikroprozess. Die Lehrkraft muss ihn einfallsreich methodisieren, damit die Schülerinnen und Schüler zu einem Entdecken gelangen.

 

Voraussetzung:  Der Kerntext oder die Sprachverwendungssituation ist so gewählt, dass in ihnen das anstehende grammatische Phänomen  authentisch, stark repräsentiert, also typisch und funktional vor­kommt

 

Induktive Erarbeitung des grammatischen Elements - entdecken­des Lernen

        Erarbeitung an einem Einzeltext (z.B. Gedicht, Kurzgeschichte, Zeitungstext)

        Erarbeitung eines zentralen längeren Textausschnitts (z.B. aus einer Ganzschrift, einem Essay, einer Rede)

        Erarbeitung einer Reihe von Textstellen im Überblick

        Erarbeitung zweier Texte im Kontrast

 

Ablauf:

 

Präsentation von Text / Sprechsituation

Spontanphase: Inhalts- und Sprachbegegnung

Arbeit in der Inhaltsebene des Textes: Inhalte - Ereignisse - Personen - Gefühle -Handlungen - Aussagen - Bilder - Probleme - etc.

 

        den Text und seine Aussage ernst nehmen

        die Motivation der Schüler durch den Text ernst nehmen

 

Fokussierung:     Schwenk von der Inhaltsebene auf die

                           Ebene der Gestaltung, der sprachlichen Mittel

 

Arbeit in der Formebene des Textes:   nun neben literarischen Mitteln die sprachlichen Erscheinungen - grammatische Elemente - stilistische und rhetorische Mittel etc. / Untersuchung der Formen

 

        Fachliche Orientierung der Arbeit am Text

        Wechsel nicht als fauler Trick, sondern transparent für die Schüler: sprachliche Mittel haben Funktion für das 

    Textverständnis und die Erfahrung der Wirkung des Textes oder für das eigene Schreiben

        daher Konzentration auf die verständnissteuernden, konstitutiven und auffälligen Mittel

 

Arbeit an den Funktionen der thematisierten sprachlichen Mittel:

im Satz - im Text - für das Verständnis - für die Wirkung - für die Interpretation etc.

Phase der Rückwendung zum Text

 

 

Varianten des Fokussierens

 

mit offener Fragehaltung / Impuls:

        Auffälligkeiten im Text fixieren

        eine Kumulation sprachlicher Mittel beobachten

        Wiederholungen besonderer Formen aufgreifen

        Variationen einer Form verfolgen

        Ungewohntes aufgreifen

        "irreguläre" oder "anormale" Sprachverwendung feststellen

 

mit gezieltem Auftrag:

        mit der Warum-Frage erarbeiten, warum bestimmte Mittel einge­setzt sind

        zum Experimentieren mit der Textstelle auffordern - umschreiben, um­formen, umstellen, weglassen etc.-, um über

    Formulierungsva­rianten die Funktion und Qualität der Originalfassung zu bestimmen

        die Wirkung einer Textstelle auf den Einsatz bestimmter Mittel zurück­führen

        die "Proben" einsetzen: Ersatzprobe, Weglassprobe, Verschiebepro­be, Ergänzungsprobe, Klangprobe etc.

        Textstellen kontrastieren und die sprachlichen Mittel vergleichen

        die Funktion des grammatischen Elements im Satz, im Text, für das Verständnis, für die Wirkung, für den Inhalt/die

    Aussage bestim­men:

        syntaktische, semantische, pragmatische Funktion

        kommunikative, stilistische, kontextuelle Funktion

 

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