Standards im Fach Deutsch - Reflexion über Sprache

 

Entwicklungen in der Sprachdidaktik:

 

Im Lernbereich Reflexion über Sprache...

 

von der Fixierung auf den Grammatikunterricht

 

hin zur Entwicklung von Sprachbewusstheit

 

 

     „Unsere sprachlichen Operationen brauchen keine Beschreibungen, das ‚Monitoring’ wird von praktischen Gesichtspunkten geleitet. ... reflexive Tätigkeiten [können] die Entfaltung der kommunikativen Kompetenzen ermöglichen, steuern, kontrollieren und auswerten.“ (Ingendahl 1999)

     „Ohne eine Beschreibungssprache stößt aber der metasprachliche Diskurs ... schnell an seine Grenzen“. (G. Voigt 2001)

 

 

 

Entwicklung in Richtlinien und Lehrplan Deutsch Gymnasium NW Sek. II:

 

von der Überbetonung des Literaturunterrichts (seit 1982)

 

     mit mehr als 70 Prozent der Stunden

hin zur Gleichgewichtigkeit der Arbeitsfelder (1999)

 

     Sprechen und Schreiben

     Umgang mit Texten und Medien

     Reflexion über Sprache 

     Methoden

 

Denn:

     „Viele Untersuchungen der Unterrichtsforscher bestätigen die Vermutung, dass die angezielten ‚Qualifikationen’ enger mit ‚Sprache’ als Gegenstandsfeld als mit ‚Literatur’ korrelieren.“  (Fingerhut, Bonn 2000)

 

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Standards im Fach Deutsch - Reflexion über Sprache (Fachleitertagung Bensberg)

 

1.                  Mit welchem Wissen kommen die Referendare von den Universitäten in die Fachseminare?

 

Kenntnisse vor allem:

 

- je nach Hochschule und Prof. individuell / beliebig !!

- neuerdings mit 2 sprachdidaktischen Pflichtveranstaltungen (Aachen 2000):

 

   Sprachwandel

   Sprachvarietäten (Jugendsprache, Denglisch)

   Sprechakttheorie

   Kommunikationstheorie

   ausgewählte Probleme der nhd. Grammatik, z.B.: Der Satz

   ausgewählte Probleme der Semantik: z.B. Mehrdeutigkeit - Metapher

 

Lücken vor allem:

 

   grammatisches Grundwissen (Umfang KMK-Liste)

   Kenntnisse der wichtigsten grammatischen Verfahren (Inversion, Kongruenz...)

   Kenntnis des Nutzens der operationalen Verfahren (Umstellprobe, Ersatzprobe...)

   Sicherheit in sprachlichen Normen / Spielräume

   stilistisches Beurteilungsvermögen

   sprachlich orientierte Textanalyse

   sprachorientierte Schreibberatung

   Sprache von Textsorten, die nicht auf Literatur bezogen sind (Stellungnahme, Beurteilung, Gutachten, Exzerpt, Bericht...)

 

2.                  Über welches Wissen und welche Fähigkeiten müssen künftige Deutschlehrer am Ende ihrer Ausbildung verfügen? - fachdidaktische Standards

 

     Basiswissen zur Schulgrammatik

 

     Basiswissen zu sprachlichen und stilistischen Normen und Spielräumen

 

     Kenntnisse über die Rolle des Wissens:

-         des Sachwissens: Strukturierung und Vernetzung des Wissens

-         des prozeduralen Wissens: induktive und deduktive Verfahren, Begriffsbildung, Alltagstransfer, Textüberarbeitungsverfahren, Sprachanalyseverfahren

-         des kognitives Lernens: Reflexion als „Nachdenken“ mussmuß diskursiv umgesetzt werden — die Initiierung der Reflexion und die Präsentation der Reflexionsergebnisse sind auch handlungs- und produktionsorientiert  möglich

-         des spielerischen und experimentellen Handelns mit Sprache

 

     Kenntnisse zur funktionalen Grammatik: selbständige Aufarbeitung der syntaktischen, semantischen, pragmatischen, stilistischen, kontextuellen und kommunikativen Funktionen am Beispiel einzelner gram. Phänomene in Texten - textsortenspezifische Sprachen

 

     Kenntnisse zu fachdidaktischen Positionen: integrierte Grammatik — formalistische Grammatik; textorientierte Sprachreflexion - sprachlich orientierte Textanalyse; sprachlich orientierte Schreibberatung; Sprachbewusstheit und Sprachkritik

 

3. In welchem Rahmen sollen dieses Wissen und die Fähigkeiten im Fachseminar angesprochen werden?

 

       Vermittlungsstandards im Fachseminar

 

     exemplarische Arbeit zur Integration:

 

-         Entwicklung einer Unterrichtssequenz zur Sprachreflexion/Grammatik in der Sek. I: Verknüpfung der Teilbereiche ‑ Fokussierung auf die sprachliche Ebene aus den anderen Lernbereichen heraus

-         Entwicklung eines Unterrichtsvorhabens in der Sek. II:  explizites Vorhaben zu einem sprachlichen Thema

-         Hochplanung eines zu integrierenden sprachlichen Themas in der Sek. II: Verknüpfung über mehrere Halbjahre hinweg, z.B. „Sprache der Gefühle“ oder „Sprache der Medien“[1]

-         Vorbereitung auf eine Lernsequenz im Rahmen des selbstständigen Unterrichts:  integrierter Grammatikunterricht

 

     exemplarische Bewertung der Darstellungsleistung / der sprachlichen Leistung in Klausuren und Klassenarbeiten

 

     eigene Versuche zu einer „Grammatikwerkstatt“

 

     Erprobung des prozeduralen Umgangs mit Sprache im Selbstversuch (Schreiben und Textrevision: Proben)

 

     Erhöhung der eigenen Sprachbewusstheit durch ein langfristiges Projekt: Sammlung sprachlicher Auffälligkeiten in Medien, Politik und Öffentlichkeit

 

     Vorgänge der Adaption eines Sprachbuchkapitels: Einsatzmöglichkeiten eines Lehrmittels - Kombination verschiedener Lehrmittel; Ergänzung, Kürzung, Umgestaltung

 

     fachübergreifende Sammlung von Ideen zur Förderung der sprachlichen Kompetenz / Ausdrucksfähigkeit in allen Fächern (s. Erlass NW 24.6.99 „Förderung in der deutschen Sprache...“)

 

     interkulturelle Sprachaufmerksamkeit - Beispiele des “international classroom

 

 

[Vgl. Günther Einecke: Reflexion über Sprache in der Sekundarstufe II - drei Unterrichtswege. In: Fachverband Deutsch im Deutschen Germanistenverband LV NRW (Hrsg.): Der Deutschunterricht auf der gymnasialen Oberstufe nach dem neuen Lehrplan. Tagungsbericht. Bonn 2000, 68-98]

 

© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de

 



[1]  s. Günther Einecke: Reflexion über Sprache in der Sekundarstufe II - drei Unterrichtswege. In: Fachverband Deutsch im Deutschen Germanistenverband LV NRW (Hrsg.): Der Deutschunterricht auf der gymnasialen Oberstufe nach dem neuen Lehrplan. Tagungsbericht. Bonn 2000, 68-98