Strukturanalyse: Äquivalenz und Opposition

 

 

„Präsentation von semantischen Anomalien (oder Alternativen) bei formaler Kohärenz und hochkomplexer Prägnanz, die die übliche Ordnung der Rede zugleich überbietet und unterläuft (Helmstetter)  

www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/hmeyer/witz/stzwtz1.htm

 

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Isotopie

„Wir wollen solche homogenen semantischen Ebenen, die Texte durchziehen, in Zukunft Isotopien nennen [Isotopie (gr.) = gleiche Ebene]. Solche Isotopien werden in kohärenten Texten durch Wörter konstituiert, die über ein dominant gesetztes Sem miteinander verbunden sind.“ (Schulte-Sasse)

 

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Anwendung:

 

Struktur von Äquivalenz und Opposition

 

Viele literarische, poetische Texte weisen neben charakteristischen Merkmalen wie der Bildsprache eine Struktur von Äquivalenzen (Übereinstimmungen) und Oppositionen (Gegensätzen) auf.

 

Als Verfahren der Textanalyse kann vermittelt werden:

          die Rekonstruktion der Struktur von Äquivalenz und Opposition.

Man beobachtet im Text gegensätzliche semantische Felder und hält die einander ähnlichen Elemente in jedem Feld fest. Von daher leitet man die durch diese Struktur hervorgehobenen inhaltlichen Aspekte für die Interpretation ab.

 

Dies lässt sich gut in einem Koordinatensystem veranschaulichen:

 

z.B. in  Herbert Grönemeyers „Männer“:

 

Ähnlichkeit

Äquivalenz

„schwach“

weinen, verletzlich,

einsam, dünnes Haar,

haben’s schwer ...

„stark“

rackern, stehen unter Strom,

unersetzlich, furchtbar stark,

können alles, machen alles ...

                                                             

Gegensatz

Opposition

 

Herbert Grönemeyer:

MÄNNER

 

Männer nehmen in den Arm

Männer geben Geborgenheit

Männer weinen heimlich

Männer brauchen viel Zärtlichkeit

Männer sind so verletzlich

Männer sind auf dieser Welt unersetzlich

 

Männer kaufen Frauen

Männer stehen ständig unter Strom

Männer rackern wie blöde

Männer lügen gern am Telefon

Männer sind allzeit bereit

Männer sind's durch ihr Geld und ihre Lässigkeit

 

Refrain:

Männer haben's schwer, nehmen's leicht

Außen hart und innen ganz weich

Sind als Kind schon auf Mann geeicht ‑

(dreimal:)

Wann ist ein Mann ein Mann ...

 

Männer haben Muskeln

Männer sind furchtbar stark

Männer können alles

Männer kriegen gern 'nen Herzinfarkt

Oh, Männer sind einsame Streiter

Müssen durch jede Wand, müssen immer weiter

 

Refrain

 

Männer führen Kriege

Männer sind schon als Baby blau

Männer

 

[Beispiel in: G. Einecke: Unterrichtsideen Textanalyse und Grammatik. Vorschläge für den integrierten Grammatikunterricht.

5. - 10. Schuljahr. (Hauptband u. Materialien). Stuttgart: Klett (1993) 31995; Hauptband, 151]