ERÖRTERUNG

 

neu! Abitur-Aufgabenstellungen in: 

 

 

I. Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife

(Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 18.10.2012)

www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_10_18-Bildungsstandards-Deutsch-Abi.pdf

 

Ab dem Schuljahr 2016/2017 sollen die Abiturprüfungen in allen Ländern auf den Bildungsstandards basieren.

S. 31 - Die in der folgenden Tabelle aufgeführten sechs Aufgabenarten stellen Grundmuster dar, die miteinander kombinierbar sind. Bei Mischformen ist grundsätzlich darauf zu achten, dass für Schülerinnen und Schüler in der Aufgabenstellung erkennbar ist, welche der genannten Schreibformen den Schwerpunkt bildet. Grundsätzlich müssen alle Teilaufgaben ein sinnvolles zusammenhängendes Ganzes ergeben und in der Bearbeitung einen komplexen Gesamtzusammenhang eröffnen.

 

 

Textbezogernes Schreiben

Materialgestütztes Schreiben

    Aufgabenart  

 

Interpretation

literarischer

Texte

Analyse

pragmatischer

Texte

Erörterung

literarischer

Texte

Erörterung

pragmatischer

Texte

Materialgestütztes

Verfassen

informierender

Texte

Materialgestütztes

Verfassen

argumentierender

Texte

Die von den Schülerinnen und Schülern in der schriftlichen Abiturprüfung zu erstellenden konkreten Texte (z. B. Erörterung, Interpretation, Rezension, Lexikonartikel, Essay) sind den Aufgabenarten in angemessener Weise zuzuordnen.

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S. 32 ff.

Erörterung literarischer Texte

Ziel einer Erörterung literarischer Texte ist im Kern die argumentative Auseinandersetzung mit dem literarischen Text und den in ihm enthaltenen Herausforderungen und Fremdheitserfahrungen (vgl. Abschnitt 2.4.1 der Bildungsstandards: „Sich mit literarischen Texten auseinandersetzen“). Gegenstand sind literarische Texte, an denen zum Beispiel Fragen der literaturgeschichtlichen Einordnung von Texten, deren Rezeption und Wertung oder Aspekte und Probleme des literarischen Lebens erörtert werden können. Es gehört zu den Bestandteilen einer literarischen Erörterung, dass die jeweiligen Befunde auf der Grundlage der im Unterricht erworbenen Kenntnisse in Beziehung zu Wertvorstellungen, Welt- und Selbstkonzepten gesetzt werden. Der dabei entstehende Text besteht schwerpunktmäßig aus einer Argumentation. In diese müssen Befunde der Analyse und Interpretation des Ausgangstextes im Rahmen der Aufgabenstellung einbezogen werden. Literarische Erörterungen enthalten auch erklärende und informierende Anteile (vgl. Abschnitt 2.2.2: „In unterschiedlichen Textformen schreiben“). Ergänzende Grundlage der Erörterung kann auch ein audiovisueller Text sein, zum Beispiel ein Ausschnitt aus einer Theaterinszenierung.

Beispiel (S.78 f.):

Aufgabe

Erörtern Sie, auch vor dem Hintergrund Ihres literaturhistorischen Wissens, den Interpretationsansatz des Regisseurs Michael Thalheimer zu Schillers „Kabale und Liebe“, indem Sie die beiden folgenden Teilaufgaben in einem strukturierten zusammenhängenden Text bearbeiten.

[01] Stellen Sie die Interpretationsthesen Thalheimers dar, die er in einem Interview (Textvorlage) anlässlich seiner Inszenierung am Thalia-Theater ausführt.

[02] Überprüfen Sie mithilfe einer Analyse der Szene III, 4 aus „Kabale und Liebe“ (vgl. Anhang), inwieweit die Thesen Thalheimers zutreffen.

Textvorlage: „Take it or leave it“. Ein Gespräch mit Michael Thalheimer (*1965) zu „Kabale und Liebe“ (Auszug)

 

Erörterung pragmatischer Texte

Ziel einer Erörterung pragmatischer Texte ist im Kern die argumentative Auseinandersetzung mit Problemgehalten pragmatischer Texte, nicht aber die detaillierte, umfassende Analyse dieser Texte. Der jeweils vorgelegte Text ist Grundlage und Ausgangspunkt für eine Erörterung darin enthaltener Auffassungen, Meinungen und Urteile (vgl. Abschnitt 2.4.2: „Sich mit pragmatischen Texten auseinandersetzen“). Voraussetzung ist, dass die Textvorlage etwas Strittiges behandelt und dies von den Prüflingen erkannt wird. Es gehört zu den Bestandteilen einer Texterörterung, die thematisierte Problemstellung erklärend und argumentierend zu entwickeln und die Prämissen der eigenen Argumentation zu reflektieren (vgl. Abschnitt 2.2.2: „Erklärend und argumentierend schreiben“). Der dabei entstehende Text besteht schwerpunktmäßig aus einer strukturiert entfalteten begründeten Stellungnahme. Texterörterungen enthalten auch informierende Anteile (vgl. Abschnitt 2.2.2: „Informierend schreiben“).

Beispiel (S.132 ff.):

Aufgabe

Erörtern Sie – ausgehend von den beiden vorliegenden Beiträgen (Textvorlage 1 und Textvorlage 2) – in einem strukturierten zusammenhängenden Text, wie der aktuelle Sprachwandel zu bewerten ist. Gehen Sie dabei folgendermaßen vor:

[01] Arbeiten Sie die wichtigsten Argumente der Autoren Wolf Schneider und Rudi Keller heraus und vergleichen Sie ihre zentralen Positionen zum Sprachwandel und zum gegenwärtigen Zustand der Sprache.

[02] Überprüfen Sie die Stichhaltigkeit der vorgestellten Positionen und der Argumentation beider Autoren.

[03] Stellen Sie begründet Ihren Standpunkt zu der Fragestellung dar, ob die aktuellen Veränderungen eher als Gefahr oder als Bereicherung für unsere Sprache zu betrachten sind. Beziehen Sie dabei auch Ihre Erfahrungen und Ihr Vorwissen ein.

Textvorlage 1 Wolf Schneider: 10 Ich habe einen Traum1

Textvorlage 2 Rudi Keller: 11 Ist die deutsche Sprache vom Verfall bedroht?

 

Materialgestütztes Verfassen argumentierender Texte

Das materialgestützte Verfassen argumentierender Texte besteht im Kern darin, zu strittigen oder erklärungsbedürftigen Fragen, Sachverhalten und Texten differenzierte Argumentationen zu entwickeln und diese strukturiert zu entfalten (vgl. Abschnitt 2.2.2: „Erklärend und argumentierend schreiben“). Dabei nutzen die Schülerinnen und Schüler die vorgegebenen Materialien und die Ergebnisse eigener Analysen, Vergleiche und Untersuchungen ebenso wie eigene Wissensbestände und geeignete Argumentationsstrategien. Der dabei entstehende Text soll die Kontroverse sowie die Argumentation und die vom Prüfling eingenommene Position für den Adressaten des Textes nachvollziehbar machen. Argumentierende Texte enthalten immer auch erklärende und informierende Anteile (vgl. Abschnitt 2.2.2: „Informierend schreiben“).

Beispiel (S.145 ff.):

Thema: Analphabetismus

Aufgabe

Verfassen Sie auf der Basis der Materialien 1 – 4 einen Informationstext über Analphabetismus. Der Text soll sich an junge Erwachsene ohne spezielle Vorkenntnisse richten.

Dabei soll zum einen über Art und Umfang des Analphabetismus informiert werden. Zum anderen sollen mögliche Ursachen sowie Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung der Betroffenen erklärt werden. Sie können eigenes Wissen über Sprache, Kommunikation und Denken sowie eigene Beispiele einsetzen, um Zusammenhänge zu verdeutlichen.

Verweisen Sie in Ihrem Text auf die Quellen, denen Ihre Informationen entstammen.

Vorlagen: 4 Materialien aus linearen und nichtlinearen Texten.

Die Aufgabe „Analphabetismus“ illustriert in kombinierter Form die Aufgabenarten „Materialgestütztes Verfassen informierender Texte“ und „Materialgestütztes Verfassen argumentierender Texte“. Von den Schülerinnen und Schülern wird ein „Informationstext“ verlangt, der umfangreiche erklärende Passagen enthalten soll. Das erklärende Schreiben, das im Fokus der Gesamtaufgabe steht, kann Bestandteil beider materialgestützter Aufgabenarten sein, da sowohl informierende als auch argumentierende Texte erklärende Anteile haben können (vgl. Grafik und Aufgabendefinitionen in Abschnitt 3.2.1.1)17. Gemäß der Aufgabenstellung – explizite Forderung eines Informationstextes – wird die gesamte Aufgabe schwerpunktmäßig dem „Materialgestützten Verfassen informierender Texte“ zugeordnet; argumentierende Elemente stehen hier im Dienst des zentralen Informationsauftrags.

 

Mischformen (S. 112): 2 Teilaufgaben

Teilaufgabe 1: Analyse eines pragmatischen Textes

Teilaufgabe 2: Erörterung auf der Basis dieser Analyse - Bearbeitung in einem zusammenhängenden Text  


II. Kernlehrplan für die Sekundarstufe II Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen – Deutsch - 2014

 Erlass vom 14.8.2013

S. 39

kontroverse Positionen der Medientheorie zum gesellschaftlichen Einfluss medialer Angebote (Film, Fernsehen, Internet) vergleichen und diese vor dem Hintergrund der eigenen Medienerfahrung erörtern.

 

Überprüfungsformen

Die Kompetenzerwartungen des Kernlehrplans ermöglichen eine Vielzahl von Überprüfungsformen.

S. 44

ARGUMENTATION

 

Stellungnahme zu einer These oder einem Sachverhalt, auch unter Nutzung spezifischer Textsorten

Situations- und adressatenbezogene Darstellung des eigenen Standpunktes – z.B. Rezension, Leserbrief, schriftliche oder mündliche Stellungnahme, Diskussionsbeitrag

Erörterung einer These oder eines fachbezogenen Sachverhalts

Prüfung von Pro- und Contra-Argumenten unter Einbezug von Fachwissen und Vertreten des eigenen, begründeten Standpunktes – z.B. Erörterung einer poetologischen These, einer sprachkritischen These, einer literaturwissenschaftlichen These

Erörterung eines Sachtextes

Ermittlung der Position des Textes, Beurteilung der Argumente und (ggf. mit Bezug auf einen literarischen Text) Vertreten des eigenen, begründeten Standpunktes – z.B. Erörterung einer Rezension, eines Essays

Argumentation auf der Basis von vorgegebenen Materialien

Vertreten des eigenen, begründeten Standpunktes unter Verarbeitung des Materials – z.B. Argumentation auf der Grundlage divergierender Informationen und Standpunkte

Argumentation in einer vorstrukturierten

Kommunikationssituation

Situations- und adressatengerechtes Vertreten der eigenen, begründeten Position – z.B. Debatte, Podiumsdiskussion

 

 

 Schriftliche Abiturprüfung

S. 47

Für die schriftliche Abiturprüfung im Fach Deutsch sind folgende Aufgabenarten vorgesehen:

Aufgabenart I:  a. Analyse eines literarischen Textes (ggf. mit weiterführendem Schreibauftrag)

b. Vergleichende Analyse literarischer Texte

Aufgabenart II: a. Analyse eines Sachtextes (ggf. mit weiterführendem Schreibauftrag)

b. Vergleichende Analyse von Sachtexten

Aufgabenart III: a. Erörterung von Sachtexten

b. Erörterung von Sachtexten mit Bezug auf einen literarischen Text .

Aufgabenart IV:  Materialgestütztes Verfassen eines Textes mit fachspezifischem Bezug

 

In Aufgabenart III fordert die Erörterung eigenständige Verstehens- und Argumentationsleistungen, wobei der zentrale Bezugspunkt die möglichst differenzierte Erfassung der Inhalte und der Argumentationsstruktur eines Sachtextes (ggf. verschiedener kurzer Sachtexte) bleibt. - Aufgabentyp III b verknüpft diese Bezugsbasis zusätzlich mit Deutungswissen zu einem literarischen Werk.

 

Die in Aufgabenart IV geforderte materialgestützte Textproduktion basiert auf der Nutzung verschiedener Informationsquellen und zeichnet sich durch einen spezifischen Adressatenbezug aus. Sie kann einen überwiegend erklärenden (Sachverhalte klären) oder argumentativen Charakter (einen Standpunkt einnehmen) haben und enthält jeweils Elemente informierenden Schreibens. Thematisch muss eine Verknüpfung mit im Unterricht erarbeitetem Fachwissen möglich sein.

 

Mündliche Abiturprüfung

S. 49

Aufgabenart III:        a. Erörterung eines Sachtextes

b. Erörterung eines Sachtextes mit Bezug auf einen literarischen Text

 

 

 

Progressionstabelle zu den übergeordneten Kompetenzerwartungen

           

Einführungsphase

Grundkurs

Leistungskurs

■ eigene und fremde Beiträge und Standpunkte überprüfen und kriteriengeleitet beurteilen.

■ selbstständig eigene und fremde Beiträge und Standpunkte fachlich kompetent überprüfen und kriteriengeleitet beurteilen.

■ selbstständig eigene und fremde Beiträge und Standpunkte fachlich kompetent überprüfen und differenziert beurteilen.

■ eigene Positionen zu fachspezifischen Sachverhalten entwickeln und argumentativ vertreten,

■ eigene Positionen zu fachspezifischen Sachverhalten vor dem Hintergrund ihres Fachwissens formulieren und argumentativ vertreten,

■ eigene Positionen zu fachspezifischen Sachverhalten vor dem Hintergrund ihres Fachwissens und theoretischer Bezüge formulieren und argumentativ vertreten,

 

 


Beispiel:

Vorbereitung zur Texterörterung:

Beispiel: Literaturtheoretische Texte zum Thema

Bedeutung der Literatur - Aufgaben und Ziele der Schriftsteller


In einer Sequenz an  Sachtexten die Textanalyse von Sachtexten zu einem übergreifenden Thema üben  und die darin enthaltenen Positionen erörtern lassen.

 

In die Erörterung kann/soll je nach Aufgabenstellung auch Wissen aus dem Unterricht, insbes. aus der Besprechung/dem Umgang mit einer Lektüre (wie Homo faber) einbezogen werden.  

Die eigene Erörterung hat mehr Gewicht als die vorausgehende Erfassung der Argumentation des Sachtextes.

 

Das Thema kann über die Oberstufe hinweg spiralartig beibehalten und entwickelt werden.

(s. Material A = Textpool: Texte von Autoren 348 v.Chr.-2010)

(s. Material D = Methoden)

 

Vorbereitung zur Literarischen Erörterung

Beispiel Frisch: Homo faber

Es bieten sich verschiedene aus dem literar. Text stammende Themenkreise an, die mit einem längeren Textausschnitt präsentiert werden können:

-   Verhältnis Mensch (Faber) – Technik

-   Verhältnis Mensch (Faber) – Natur

-   Problem Abtreibung

-   Problem Techniker-Typus und Gefühle

-   Private Beziehungskonflikte und professionelle Distanz des Technikers

-   Geschlechterdualismus - Rollenklischees

 

Die Themen sollten an anderen Texten in der Oberstufe und auch bei der Erarbeitung der zugrunde liegenden Lektüre bereits angesprochen sein – der Textausschnitt muss im Abitur neu sein. Das Thema sollte im Unterricht mit Sachtexten im Hintergrund unterfüttert sein, so dass die Erörterung über den Bezug zum vorliegenden literarischen Text hinaus auch wissensgestützt erfolgen kann. (Material B)



 

 

 

Materialsammlung zur Erörterung mit Texten im internen Ordner - Benutzername und Passwort auf Anfrage unter

 

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