„Charakteristik“ - Sekundarstufe I/II (G. Einecke)

 

das Individuelle, der „Charakter“ ↔ das Typische, das „Charakteristische“

 

1. Personenbeschreibung

2. Verhaltensanalyse - Motivanalyse

3. Bedingungsanalyse - Ursachenanalyse

4. Beurteilung von Personen - Anlegen 

    eines Maßstabs - Wirkungsanalyse

 

 

langfristiger Aufbau der analytisch - synthetischen Textsorte „literarische Charakteristik“:

analytisch: beobachten – untersuchen (elementhaft)

synthetisch: erklären – zusammenschauen – beurteilen → „charakterisieren (ganzheitlich)

 

Spiralcurriculum: „Umgang mit Personen“

Jg. 5/6

•   von anderen Personen erzählen / berichten

•   eine Person beschreiben /  Motive für das Verhalten in Texten finden

•   das Verhalten und die Ent­scheidung von Personen begründen

Jg. 7/8

•   über Personen interesse­weckend bzw. stellungneh­mend berichten

•   sich literarische Figuren durch sprecherische und mimisch-ge­stische Mittel erschließen

•   das Verhalten von Personen in Gele­senem / Gesehenem erklären, z.B. in einer Film­szene

•   fremde Gespräche untersuchen: rollentypisches Denken und Verhalten

 

•   das Verhalten einer fiktiven Figur aus einem Drama, einer Erzählung oder einem Film wertend kommentieren

Jg. 9/10

•   Empfindungen und Gefühle von Personen in Konfliktsituationen im szenischen Sprechen darstellen

•   eine Person aus der Perspektive einer anderen Figur darstellen

•   Personen so beschreiben, dass die Perspektive des Beschrei­benden deutlich wird (Sympathie, Antipa­thie, Fremdheit, Karika­tur...)

•   Personen, Handlungen, Kon­flikte einer Textvorlage im  Zusammenspiel darstellen, z.B. im Standbild

•   mit eigener Stellungnahme

•   mit Argumenten in einer Textvorlage umgehen: eine lite­rarische Figur für oder gegen eine andere Figur argumen­tieren lassen

 

•   Entstehung und Entwicklung von Konflikten erklären

Hinführung zur literarischen Charakteristik

Jg. 11/12

Literarische Charakteristik

 

1. Es geht um die Wesensschilderung einer Textfigur, gestützt auf Textinformatio­nen zu

       Verhalten und Handeln

       Äußerungen

       Einstellungen.

2. Es kommt darauf an, nicht alles Mögliche, sondern nur das Bezeichnende, also das Individuelle, das diese Person von anderen unterscheiden lässt, hervorzu­heben. Dabei geht es nicht um die Etikettierung von „Charaktermerkmalen“ durch  wertende Adjektive wie „fleißig, feige...“, sondern um die Analyse der Figur in verschiedenen Hinsichten und Situationen.

3. Und es geht um das Typische dieser Person, d.h. um die Darstellung dessen, was man an verschiedenen Stellen und in verschiedenen Situationen gleichsam als durchgehendes Verhaltensmerkmal, als sich wiederholende Einstellung im Überblick über einen größeren Zeitraum (und Text) zusammenfassend sagen und am Text belegen kann.

4. Über die Beschreibung einer Person hinaus ist ihre Prägung durch Anlage und Umwelt zu ermitteln, ihre Entwicklung zu rekonstruieren, ihr Zusammenspiel mit anderen Figuren in der Personenkonstellation heranzuziehen.

5. Die Einschätzung der Figur durch andere Figuren im Text kritisch einarbeiten.

6. Die Perspektive des Textes (des Erzählers, Lyrischen Ichs/Lyrikers, Dramatikers) relativierend einbeziehen: die literarische Gestaltung der Verteilung von Sympathie und Antipathie, von Hervorhebung oder Zurücksetzung, von Lob und Kritik, von Identifizierung und Distanz etc.

7. In historisch-kritischer Sicht die Mentalität und Normen einer Epoche zur Zeit der Entstehung eines Textes von heutigen und eigenen Wertvorstellungen unterscheiden: Was heißt „tyrannisch“ bei einem Herrscher im Absolutismus und bei einem 16jährigen Bruder heute?!

Literarische Charakteristik also… 

a) als Ergebnis einer Textanalyse - mit Blick auf die literarische Gestaltung einer Figur

b) an einem gewählten Textausschnitt - eine Szene, eine Episode

c) im Überblick - gestützt auf die Textanalyse

d) vom Eindruck über die Analyse zur Synthese

e) Deutung und Beurteilung der Figur nur mit Textargumenten

f) bei der Beurteilung Reflexion des eigenen Maßstabs zu Verhaltensnormen, Werten, Konventionen - d.h. der „historischen Differenz“

 

►Daher nicht immer: „charakterisiere X.Y.“, sondern einen differenzierten Auftrag erteilen, Teilverfahren einführen, die aufeinander aufbauen!

 

►Aufträge: beschreibe das Aussehen der Person - beschreibe deinen Eindruck von ihrem Verhalten - untersuche ihr Handeln in der Situation  - beschreibe ihre Art zu argumentieren - bewerte ihren Standpunkt in dem Dialog - erkläre, wie das Verhalten der Person und ihre soziale Herkunft zusammenhängen - untersuche, wie andere Personen im Text diese Figur einschätzen - vergleiche das Handeln und die Äußerungen der Person - zeichne die Entwicklung der Figur nach - stelle die Person für andere Zuhörer vor - gib einen Überblick über die Einstellungen der Figur zum Problem XY. auf der Grundlage verschiedener Textstellen - erkläre den Einfluss der Normen in der damaligen Zeit auf das Verhalten und die Einstellungen der Figur - unterscheide, wie man (nach Auskunft des Textes) das Verhalten der Person damals beurteilte und wie man es heute tun würde -  ...

 

vgl.: Charakterisierungsfalle

vgl.: Charakteristik - problematisiert

→ Spiralcurriculum „Umgang mit Personen“ im Kernlehrplan Deutsch NRW Sek. I Gymnasium (2004):  S. 31, 34, 38, 39-42

 

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