Typologie didaktischer Filmanalyse

 

Typus

Methoden

Didaktische Funktionen

Komplementärsichtung

Zeigen eines Films/einer Verfilmung im ganzen im Anschluss an eine Unterrichtseinheit "Literatur" oder ähnliches ohne weitere Diskussion

Veranschaulichung/Enrichment; keine medienanalytische Funktion

Sequenzauftakt

Zeigen eines Films/einer Verfilmung oder Teilen davon als Auftakt einer Unterrichtseinheit ’Literatur’ oder ähnliches ohne medienspezifische Diskussion

Motivation

Film im kulturellen Gespräch ("Kulturplausch")

Zeigen und spontanes Sprechen über einen Film im thematischen Kontext einer Unterrichtseinheit

Kennenlernen von Film als Teil des kulturellen Lebens

Handlungsverlaufsübung

Film bis zu einem dramaturgisch relevanten Punkt zeigen und dann vorerst abbrechen: Weiteren Handlungsverlauf in Gruppenarbeit skizzieren, mit dem professionellen Verlauf vergleichen

Sensibilisierung für Makrostruktur eines Films: Handlungsverlauf, Erzählstruktur, Dramaturgie

Sequenzen-Montage

Eigene Herstellung einer Filmmontage aus ausgewählten Sequenzen eines Films, geordnet nach Untersuchungsaspekten (Rollenbilder von Figuren, Motiv-Variationen, Gewalt/ Liebesdarstellungen und ähnliches) mit Präsentation und Diskussion

Medienpraktische Arbeit als Teil der Filmanalyse; Sensibilisierung für die Makrostruktur eines Films und thematisch-inhaltliche Gestaltung

Thematische Sequenzen

Sichtung einer/weniger ausgewählten Sequenz(en) zu einem wichtigen Problembereich der literarischen Vorlage

Film als Teil der Rezeptionsgeschichte eines literarischen Textes kennen lernen

Fokussierte Inhaltsanalyse

Angeleitete Rezeption etwa mit Hilfe eines Beobachtungsbogens, der sich filmsprachlicher und dramaturgischer Aspekte bedienen kann (evtl. in Gruppen mit unterschiedlichen Beobachtungsaufgaben) Zusammentragen der Ergebnisse im Plenum

Kennenlernen und Anwenden wichtiger Verstehensdimensionen; Erfahrung der semantischen Mehrdeutigkeit von Film

Transkription

Erarbeitung einer wichtigen Einstellung/Einstellungsfolge in den zentralen Zeichenebenen; Diskussion des Bedeutungs- und Wirkungspotentials als Folge der eingesetzten filmischen Mittel

Sensibilisierung für die Mikrostruktur filmischer Gestaltung; Zwang zum sehr genauen Sehen

Einfrieren 1

Einfrieren wichtiger einzelner Einstellungen im Rahmen einer genauer analysierten Sequenz; gemeinsame Betrachtung des Einzelbildes ohne analytische Diskussion evtl. spontane Wahrnehmungsäußerungen

Sensibilisierung; Schärfung des Sehens visueller Gestaltungsmittel

Einfrieren 2

Einfrieren wichtiger Einstellungen im Rahmen einer gemeinsamen Analyse der "mise-en-scène" des Einzelbildes im Hinblick auf wichtige filmsprachliche Dimensionen und semantische Aspekte

Sehübung: Genaue Erfassung der mikroanalytischen Struktur eines Filmbildes

Analytische Montage

Zusammenschneiden einzelner Einstellungen durch die Schüler als Mittel der Analyse; Ausdruck der Einstellungen durch Videoprinter oder Aufbereitung des Einzelbildes auf dem PC per Videokarte; Einzelausdruck und Zusammenstellung von Bildern

Sensibilisierung für die Mittel des Films durch Arbeiten am Filmmaterial

Sequenzplan

Herstellen/Besorgen des Sequenzplanes eines Films; Auswertung des Aufbaus, der Handlungsführung, der Personenkonstellation

Erkennen der Makrostruktur eines Films: der Erzählstruktur, der Handlungsführung, usw.

Synopse

Synoptische Darstellung von Sequenzplan des Films und Szenografie der literarischen Vorlage; Vergleich

Erkennen des Verfilmungskonzepts/des Adaptionstypus

Mehrfach-Adaption

Bei Vorliegen verschiedener Verfilmungen einer Vorlage: Zusammenschneiden gleicher Sequenzen der unterschiedlichen Adaptionen; Vergleich mit literarischem Vorlagetext

Erkennen der unterschiedlichen filmischen Interpretationen der Vorlage und ihrer Gründe (Regie, gesellschaftlich-politischer Kontext, Produktionsbedingungen, Rezeptionsaspekte)

Filmsequenz-Produktion

Einzelne Szenen, ausgehend von Drehbuchbildern oder literarischer Vorlagenteile, als Filmsequenz entwerfen und selbst spielen; Alternativen probieren: mit Kamera/Camcorder aufnehmen, Aussage- und Wirkungsmöglichkeiten diskutieren; mit professionellen Sequenzen dann vergleichen

Sensibilisierung für filmsprachliche Gestaltung und ihre Wirkungsmöglichkeiten über eigenes medienpraktisches Handeln

Produktion nach Film

Ausgehend von einer inhaltlich wichtigen Filmsequenz einen Erzähltext/Erzähltexte schreiben; Rezeption beider "Texte" durch einen kleinen Rezeptionstest auf Aussage und Wirkung hin überprüfen

Sensibilisierung für die unterschiedlichen Zeichensysteme von Film und Buch und deren jeweilige Leistung für Rezeption und Wirkung

Filmsprachliche Segmentierung 1

(Mehrfaches) Zeigen einer ausgewählten Filmsequenz ohne Ton; Erarbeitung des Sinns, der visuellen Gestaltung der Sequenz; Mehrdeutigkeit der Bilder überprüfen; Vergleich der Semantik von Filmsequenz ohne und mit Ton

Sensibilisierung für die Komplementarität der Zeichensysteme im Film und seiner "zusammengesetzten" Semantik

Filmsprachliche Segmentierung 2

(Mehrfaches) Zeigen einer begründet ausgewählten Filmsequenz ohne Bild: Erkennen der semantischen Funktion des Tons (Sprache, Musik, Geräusche) im bezug auf das Bild

Sensibilisierung für die Komplementarität der Zeichensysteme im Film und seiner "zusammengesetzten" Semantik

Filmproduktion nach Text

Kleiner lyrischer/epischer Text als Ausgangspunkt für selbst hergestellte filmische Adaption: Herstellen von Idee Story board, Drehbuch, verschiedene Produktionsphasen (evtl. bis zum fertigen Film)

Medienpraxis als Form der Analyse; sinnliche Erfahrung der filmischen Produktionsschritte

Bild-Ton-Montage

Steuerung der Wahrnehmung von Bildern durch Ton analysieren; ausgewählte Sequenzen mit neuem Ton (Geräusche, Musik) versehen und dessen Wirkung bestimmen; mit Originalton vergleichen

Sensibilisierung für Funktionen des Tons:

-          semantische Aufladung der Bilder

-          (emotionale) Wahrnehmungsleitung der Perspektive

 

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http://www.bildung.hessen.de/mversuch/tv-weiser/lex_sprache/fl_typologie.htm