Didaktisierung für ein Jugendtheaterstück zum Thema „Medien“

Beispiel "Creeps"

 

1. Sachanalyse und Ideenfindung für eine Bearbeitung in Jg. 9 - 11 

 

Creeps-Textbuch direkt bei: Hartmann und Stauffacher Theaterverlag, Bismarckstr. 36, 50672 Köln, Tel. 0221 - 51 30 79; 

zum Inhalt

 

CREEPS
von Lutz Hübner - Stück in 2 Akten - 

UA: 1.4.2000, Deutsches Schauspielhaus, Hamburg
INHALT
Ein Musiksender hat ein Casting für einen Moderatoren-Job in der Sendung "Creeps" ausgeschrieben. Diese soll, wie könnte es anders sein, das neue Lifestylemagazin für junge, hippe Menschen werden, was die Aussicht, dort vielleicht moderieren zu dürfen, umso attraktiver macht. Die Schülerinnen Lilly, Maren und Petra sind bis in die Endrunde gekommen und müssen nun voreinander und vor der Testkamera ihr Können in den verschiedensten "Disziplinen" unter Beweis stellen. Die Konkurrenzsituation zehrt an ihren Nerven, denn alle drei haben ihr kleines Geheimnis, das einen möglichen Misserfolg bei diesem Casting zur Horrorvision werden lässt. Und während sie versuchen, sich gegenseitig zu übertrumpfen, auszutricksen und manchmal richtig fertig zu machen, merken sie nicht, dass sich hinter den Kulissen etwas zusammenbraut, das sie nur gemeinsam bewältigen können.
www.hsverlag.com

Bild: M. Doering, B. Ratschew (Foto: David Baltzer/ZENIT) in: http://www.grips-theater.de/repertoire/creeps_01.php

 

 

zum Autor: http://www.goethe.de/kug/pro/stuecke/huebner.htm

 

 

2. didaktische Schwerpunktsetzung, Ziele und Methodisierung:

 


 

Aufführungspraxis und Presse:

 

1. Grips-Theater Berlin 2002

Creeps - wie man ein Fernsehstar wird

Regie:    Jürgen Zielinski

Premiere am 11. April 2002 um 19:30 Uhr im GRIPS Theater - Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren
Spielort: GRIPS Theater 2002
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten (keine Pause)

http://www.grips-theater.de/repertoire/creeps_01.php

 

Presse: http://www.grips-theater.de/repertoire/creeps_21.php

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2. Comedia-Theater (Ömmes & Oimel) in Köln 2001

Creeps 

Inszenierung: Andrea Gronemeyer
Bühnenbild & Kostüme: Petra Buchholz
Videoproduktion: Winfried Kaute
Darsteller: Beatrice Jean-Philipp Helga Reichert Tina Seydel Klaus Schweizer
2001

"Creeps" wurde mit dem Preis des Festivals THEATERZWANG für Freie Theater NRW ausgezeichnet.

(Foto in: http://www.petra-buchholz.de/bio.htm > Creeps)

 

Presse-Stimmen:
„Andrea Gronemeyer führt die Fäden der Regie so souverän, dass sie nie zu sehen sind. Und die höchst aufwendige Produktion, mit echten Glanzleistungen in den Sparten Bühne (Petra Buchholz), Video (Wilfried Kaute) und Musik (Patrick Ehinger), gibt „Creeps" jene optische Brillanz, die das Thema fordert." (Kölner Stadt-Anzeiger)

Hinweis: 'Creeps' ist eingeladen zum 18. Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW und dem Oberösterreichischen Kinder- und Jugendtheaterfestival "Schaexpir"

 

Presse (Kölner Stadtanzeiger und FAZ): http://www.petra-buchholz.de/presse/presse-5.htm

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3. BlueBox - Theaterjugendclub des Staatstheaters Nürnberg 2002

zur Inszenierung und Presse - zu Fernsehformaten und Rollenkommentaren der Schauspielerinnen: 

http://www.generation-dolly.de/creeps.htm

  

 

(Bild: http://www.generation-dolly.de/creeps-fotos.htm)

 

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4. Schauspielhaus Chemnitz 2001

 

Lutz Hübner hat den Nagel der VIVA-Generation auf den Kopf getroffen, deren überspitzte Hochkultur täglich im Fernsehen zu bestaunen ist. Doch er ist weit davon entfernt, sie zu denunzieren. Mit viel Sympathie und warmherzig-bissigem Humor setzt er seine Protagonistinnen dieser ebenso faszinierenden wie abstoßenden Welt aus. ...


Premiere: 28.09.2001

 


Petra
Ich bin Petra aus Chemnitz oder, wie die richtigen Insider sagen aus KMStadt, kultig und modern. Die heißeste Stadt im wilden Osten. Hier ist die Miss Big Appel, jetzt für ganz Deutschland, ich und die Jungs hier präsentieren euch die neuesten Megatrends, alles was läuft, hier ist immer was los bei Creeps, und ich sage euch, bleibt dran ...

Maren
Je, Hallo Leute, hier ist wieder eure Maren, der megageile Kotzbrocken. Kleiner Scherz. Okay, ich hab hier eigentlich einen Studiogast, eine Hamburger Deern, die euch mal erklären wollte, wie man einen Batzen Geld für zwei T-Shirts anlegt, ohne dafür in ein Irrenhaus eingeliefert zu werden. Aber gerade klingelte ihr Handy, Mami fragt, welche Farbe das Taxi haben soll, das sie gleich zur Kosmetikberatung bringen soll.

Lilly
He, du, ja du, ich rede mit dir. Leg die Fernbedienung weg. Du bist genau da, wo du hinwolltest. Du bist bei CREEPS! Du wolltest doch in die high energy zone, wo du dir die Charts und die wirklichen News runterladen kannst. Hör genau zu, wir sagen dir, wo es langgeht. Ich bin Lilly, merk dir mein Gesicht, und wenn du morgen in einen Club gehst, und ich bin nicht da, dann weißt du, daß der Laden out ist.

Presse:

'Creeps' oder was junge Mädchen nicht alles für den Ruhm opfern
"Zur Premiere des Stückes 'Creeps' von Lutz Hübner wurde gezeigt, wie leicht sich junge Menschen durch Glanz und Ruhm verführen lassen. [...] Die Charaktere, die dabei aufeinander aufeinander prallen, könnten unterschiedlicher nicht sein. [...] Es beginnt ein Existenzkampf, der den drei Schauspielerinnen die gesamte Gefühlspalette abverlangt. [...] Begeisterter Applaus vom Publikum."
Nadin Schreiber, Chemnitzer Morgenpost, 1.10.2001

Geplatzte Träume von der Gllitzerwelt. Jugendstück "Creeps" auf der Hinterbühne des Chemnitzer Schauspielhauses
"Eine wirkliche Chance hatten sie nicht. Maren, Petra und Lilly, die in ein Studio kommen und glauben, den heißbegehrten Moderatorenjob für eine Lifestyle-Musik-Show anzutreten. Lutz Hübners Jugend-Stück hatte am Freitagabend im Chemnitzer Schauspielhaus Premiere. [...] Glücklicherweise stellt Regisseurin Katka Schroth die Moral nicht allzu bedeutungsschwer aus, sondern vertraut dem Spiel der drei Darstellerinnen, die es [...] schaffen, die freilich ziemlich typisierten Lebenslinien der Teenager mehr als nur anzureißen und die zwangsläufig entbrennende Konkurrenzsituation in dem Trio glaubhaft zu machen."
Uta Trinks, Freie Presse, 1.10. 2001

 

http://www.theater-chemnitz.de/php/spielplan/details.php3?id=205&ort=2&seite=schau&monindex=2

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5. schauspielhannover beim 6. Deutschen Kinder- und Jugendtheater-Treffen Berlin 2001 

 

creeps

Autor: Lutz Hübner

Übernahme vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg

Regie: Sabine Boss

Darsteller: Franziska Henschel, Joanna Kitzl, Juliane Niemann und Oliver Masucci

Bühne: Dorothee Curio

Kostüme: Dorothee Curio

Dramaturgie: Robert Koall / Barbara Kantel

Video: Vera Berg, Stefan Corinth, Alexander Grasseck, Torge Möller, Frank Papenbroock

Musik: William Minke

Sprache: deutsch

ab 12 Jahre

Dauer: 75 Minuten

Rechte: Hartmann & Stauffacher GmbH, Köln

 

Votum für den Jugenttheater-Preis:
"Du bist zwischen 16 und 19 und immer noch kein Star im Fernsehen? Bewirb Dich!" - Drei Mädchen sind zum Casting um die Moderatorinnenstelle des trendigen Lifestyle-Magazins "creeps" in das Fernsehstudio eines TV-Musikmagazins eingeladen. Da ist Maren, das verkrampfte, naturtrübe Kelly-Kind, eine Ökotussi mit selbstgehäkeltem Schal, verkorkstem Elternhaus und Dauerabonnement auf der Psychologencouch, da ist Petra, das authentische, ehrliche Ossi-Mädel mit einem Herz aus Gold, das auf Freunde in "KM-Stadt", also Chemnitz, setzt und das sexy Karriere-Girl Lilly, die zu wissen meint, wie der Hase läuft und doch ein dickes Problem hat mit ihrem im Hintergrund agierenden Medien-Papi. Aus dem Off heizt die unsichtbare Stimme des Aufnahmeleiters Arno in denglischem Pseudo-Jugendslang die Akteurinnen an: Ansagen, Interviews, Selbstdarstellungen sollen improvisiert werden. Jede der drei versucht die anderen beiden zu übertrumpfen, es entbrennt ein gnadenloser Konkurrenzkampf - bis Tränen fließen, Studiomöbel durch die Luft fliegen, Hände und Nägel in Haut und Haar der Konkurrentinnen fahren. Zu spät erkennen die Kandidatinnen, daß ihr Zwist von den Produzenten geschickt kalkuliert und initiiert wurde: Er dient nur als Material für einen Trailer der Show, die schon längst eine Moderatorin hat. Da gelingt es den dreien sogar, eine Allianz zu schmieden und den Aufstand gegen den TV-Gott hinter den Kulissen zu proben.
Das klingt klischeehaft, und das ist es auch, aber die Regisseurin Sabine Boss und ihre drei Darstellerinnen gehen mit den Vorgaben äußerst souverän um. Wenn nötig, werden die Klischees bis zum äußersten ausgereizt und dann gekonnt ins Ironische gewendet, was angesichts des pointenreichen Textes von Lutz Hübner leicht und gut gelingt.
Bemerkenswert die Präsenz, Glaubwürdigkeit und Präzision, mit der die drei blutjungen Schauspielerinnen Franziska Henschel, Joanna Kitzl und Juliane Niemann ihre Rollen gestalten und sich mutig exponieren, wie die ebenfalls junge Regisseurin Sabine Boss temporeich und ohne Schnick-Schnack das Medium Video bedeutend, aber keineswegs aufdringlich in die Inszenierung einarbeitet.
Entstanden war "creeps" vor etwas mehr als einem Jahr als Auftragsarbeit des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, wo man anläßlich des 100-jährigen Bestehens des "schönsten und größten Schauspielhauses Deutschlands" (Frank Baumbauer) 100 Tage Theater für Kinder und Jugendliche präsentierte. Lutz Hübner, Träger des Deutschen Jugendtheaterpreises 1998 für "Das Herz eines Boxers", hat als rare Ausnahme im deutschen Jugendtheater einen gegenwarts- und realitätsnahen Stoff pfiffig und kritisch und doch ohne vordergründige Medienschelte zu Papier gebracht. Mit "creeps" ist Lutz Hübner und dem Ensemble eine energiegeladene, künstlerisch niveauvolle Weiterentwicklung dessen gelungen, was man schwammig mit "Grips-und-Grütze"-Stil umschreiben könnte: polarisierendes, parteiisches Jugendtheater, das es schafft, die (zeitlosen) Träume und Sehnsüchte junger Menschen vor deren heutiger Realität mit punktgenauen inszenatorischen Mitteln auf die Bühne zu bringen: selten zuvor hat man sich so unterhaltsam moralischen Unterricht erteilen lassen (müssen). Wenn der zynische Moderator am Ende selbst die Bühne betritt - im grauen Outfit eines uncoolen Buchhalters übrigens - möchte ich nicht in des Schauspielers Haut stecken: Das überzeugende Spiel der Darsteller könnte durchaus dazu führen, daß aufgebrachte Jugendliche die Bühne stürmen, um den "Oberarsch" zu vermöbeln ...


Tristan Berger (München)

 

Zum Stück:
"creeps" soll es heißen, das neue hippe Lifestyle-Magazin eines TV-Musiksenders, und dafür werden noch junge Moderatorinnen gesucht. Drei haben es geschafft: Lilly, Maren und Petra sind bis in die Endrunde des Castings vorgedrungen. Aber am Ende wird nur eine übrigbleiben - die, die sich beim gemeinsamen Dreh vor der Testkamera am geschicktesten verkauft und die beste Figur macht. Und jede der drei hat einen verdammt guten Grund, warum ausgerechnet sie den Job unbedingt bekommen muß.
Angeheizt von der unsichtbaren Stimme des Aufnahmeleiters hinter der Studioscheibe versuchen die drei jungen Frauen sich gegenseitig zu übertrumpfen und gegeneinander Punkte zu machen. Dabei merken sie in der Hitze des Gefechts zu spät, daß Big Brother auf der anderen Seite der Kamera längst die Spielregeln geändert hat.

 

Offvoice Wir hauen einen kurzen jingle rein, dann legst du los.

Maren   Hallo Leute, ich bin Maren, hallo und willkommen, ich find's klasse, daß ihr dabei seid ... willkommen bei Creeps, der neuen Sendung, ich bin aus Hamm, ich bin siebzehn und Löwe ...

Offvoice Viel besser Maren, viel besser, wir lassen das mal so stehen, okay, ist ja nur die Schnupperrunde.

Maren   Okay

Offvoice Super Bingo und die volle Punktzahl für den Einstieg, relax.

Maren   Ich würde gerne nochmal was probieren.

Offvoice Wir machen noch eine Menge Sachen, Maren. Power dich nicht aus, geh es locker an, okay?


"Es gibt in meinen Stücken keine Figur, die am Reißbrett entsteht. Es gibt immer mehr oder weniger starke Modelle. Meistens zusammengesetzt aus Geschichten, kurzen Beobachtungen oder Aktionen,die man selbst nicht durchzieht." Lutz Hübner

http://www.jugendtheater.net/ereignisse/kjtt6/inszenierungen-inhalte.asp?ID=17

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6. Landestheater Detmold 2001

Y2K - Jugendliche in Deutschland am Beginn eines neuen Jahrtausends

Optimistische Zukunftssicht - aber kein fröhlicher Optimismus

Die Jugendlichen sind heutzutage besser als ihr Ruf: von "Null Bock", von Langeweile oder bloßem Abtauchen in die Fernseh- und Multimediawelt kann keine Rede sein. Nach einer Jugendstudie aus dem Jahre 2000 lässt sich bei den Jugendlichen - vor allem in den alten Bundesländern - im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren eine deutlich gewachsene Zuversicht auf die persönliche wie auf die gesellschaftliche Zukunft feststellen, die Mädchen geben sich hierbei insgesamt noch einmal optimistischer als die Jungen. Das heißt aber nicht, dass die junge Generation nur aus unbekümmerten Optimisten besteht. Sie kennen sehr wohl die Herausforderungen der modernen Gesellschaft, in der sie leben, und sie wissen, dass Anstrengung, Leistungsbereitschaft und Ausdauer zum Erreichen ihrer Ziele erforderlich sind. Gut vorbereitet auf die Zukunft fühlen sich dabei diejenigen, die über gute Voraussetzungen wie Bildung, Unterstützung durch die Eltern, klare Lebensplanung und Selbstvertrauen verfügen.
Trotz andauernder gesellschaftlicher Herausforderungen - hohe Arbeitslosigkeit, Globalisierung und rascher Wandel in allen Lebensbereichen - sind Jugendliche nicht mutlos, verängstigt oder leichtsinnig unbekümmert, sondern entschlossen, Herausforderungen zu meistern. Bisweilen allerdings scheint die Zuversicht angestrengt beibehalten zu werden, um sich nicht durch Irritationen (politische, gesellschaftliche oder private Krisen) erschüttern zu lassen.
Im Vergleich Ost-West fällt auf, dass die Unterschiede immer größer als geringer werden. Jugendliche im Osten erleben ihre Situation noch eher als belastet und bedrückend. Aber andererseits zeigen gerade in den neuen Bundesländern die Mädchen und jungen Frauen unter allen deutschen Jugendlichen den größten Antrieb, ihre Situation selbst in den Griff zu bekommen.
Bei der Berufswahl wünschen sich die Mädchen weit häufiger die Möglichkeit, interessante, kreative, abwechslungsreiche und nützliche Beschäftigungen zu finden, sie möchten stolz auf ihre Tätigkeit sein können und sich weiterentwickeln.
Die Lebensplanung der Jugendlichen schließt politisches Engagement fast vollständig aus - vor allem in den neuen Bundesländern sinkt das Interesse an der Politik rapide und richtet sich verstärkt auf Beruf und Familie.
Im Umgang mit den Medien zeigt sich folgendes Bild: Jugendliche verbringen im Durchschnitt wochentags 2,5 und am Wochenende knapp 4 Stunden vor dem Fernseher. Und hier, im Fernbereich, suchen und finden sie auch ihre Vorbilder, nicht mehr im Nahbereich bei Eltern, Lehrern oder Freunden. Die Vorbilder - Schauspieler, Sänger, Models, Moderatoren - nutzen sie, um sich deren Verhaltensmuster, Sprache oder Mode abzugucken. Gerade durch schlechte Bildung und fehlende materielle Möglichkeiten benachteiligte Jugendliche nehmen anstatt aktiv nur virtuell an der Erfahrenswelt der Privilegierten, der "Schönen und Reichen" teil. Kein Wunder also, dass durch die Aussicht, als Moderatorin von "Creeps" ausgewählt zu werden, der Wunsch entsteht, die Seite zu tauschen und nun anderen Mädchen als Vorbild zu dienen und Selbstbewusstsein, Mode und Glamour zu transportieren.


Berufsporträts

 

Moderator

Tätigkeit: Moderatoren arbeiten im Bereich Nachrichten- und Magazinsendungen sowie auf dem Unter-haltungs- und Showsektor. Sie führen bei TV und Hörfunk durch Sendungen, präsentieren Unterhaltungsund Gameshows, leiten Talk- und Diskussionsrunden, sprechen Nachrichten und verlesen Ansagen. Daneben auch Tätigkeit im Veranstaltungs- und Messewesen sowie in den Bereichen Event, Sport, Touristik, Animation und Präsentation.

Arbeitgeber /Auftraggeber: Rundfunk- und Fernsehanstalten, Synchronisationsstudios, Messe-, Kongress-, Sport- und Eventveranstalter und -agenturen. Moderatoren sind zumeist selbstständig.

Ausbildung: T V-Moderatoren sollen nicht nur - wie die Rundfunkmoderatoren auch - schlagfertig sein und über eine wohlklingende Stimme, gute Allgemeinbildung und eine professionelle, klare und flüssige Sprechtechnik verfügen, sondern auch gut aussehen, telegen sein und Ausstrahlung besitzen. Im Nachrichten-und Magazinbereich wird zumeist eine fundierte journalistische Ausbildung (Journalistenschule, Volontariat) verlangt. Auf dem Showsektor haben daneben auch Models, Reporter und Schauspieler mit entsprechender Entertainmentbegabung eine Chance.

In der Regel muss ein Casting bestanden werden, das entweder von Castingredakteuren bei den Sendern selbst oder von Castingagenturen durchgeführt wird. Der Bewerbung um ein Casting muss ein Demoband beigelegt werden. Es kann sehr hilfreich sein, im Vorfeld einer Bewerbung privaten Unterricht bei einem Sprecherzieher bzw. Logopäden zu nehmen.

Im Hörfunk beginnt die Moderatorenkarriere meist über ein Praktikum, die Sender bilden ihren Nachwuchs in der Regel selbst aus.

Einkommen: Angestellte Nachrichtensprecher bei TV-Sendern verdienen zwischen 3000 und 6000 Euro monatlich, Ansager ab 2700 Euro, Talkmoderatoren werden pro Sendung bezahlt - ab 5000 Euro pro Ausstrahlung, bei prominenten Talkern ist auch ein Vielfaches dieser Summe möglich.

 

Caster

Tätigkeit: Entweder als selbstständige Agenten oder als angestellte Castingredakteure Suche nach qualifiziertem Künstlernachwuchs und Talenten für das Showbusiness, für Moderation, Ansage und Darstellung. Daneben auch Kandidatencasting für Talkshows, Gameshows und Unterhaltungssendungen. Des weiteren Modelauswahl für die Werbe- und Modebranche.

Arbeitgeber /Auftraggeber: Sendeanstalten, Casting-, Model- und Werbeagenturen.

Ausbildung: Medienpädagogik, Psychologie, Schauspiel, Moderator, Regisseur, Dramaturg. Die Sender haben für die Auswahl jeweils erprobte Aufnahmeverfahren, die jeder Bewerber durchlaufen muss. Bei der Kandidatenauswahl müssen Caster vor allem fähig sein, die Einsetzbarkeit der Bewerber mittels Tiefeninterviews, Probeaufnahmen oder Simulationsproduktionen auszutesten.

Einkommen: Festangestellte Caster verdienen zwischen 2000 und 4000 Euro monatlich.

Was war der Auslöser für CREEPS? - Lutz Hübner:

Anlass 1:

Plakate mit bügelnden, saufenden, dösenden, vor dem TV rumhängenden Jugendlichen.
Pickelig, verschlafen, mit entgleisten Gesichtern.
Kein Glamour, sondern Leben live, authentisch, und zwar so authentisch, dass es bestimmt eine Menge Arbeit gekostet hat, diese Authentizität herzustellen. Björn sieht XXX. Wir sind Teil des wirklichen Lebens.
So verlogen hatte ich Realität noch nie gesehen.
Channelhopping, ein VJ bei XXX: er ist von seiner Aufgabe offensichtlich so überfordert, dass sich massiv die Frage aufdrängt, warum gerade er diesen Job hat. Er lispelt sich durch ein Interview, vermasselt drittklassige Pointen und hat Probleme mit der Aussprache.
Wo sind denn die öligen Moderatoren von früher, Barbie und Ken, die gutaussehenden Entertainment-Roboter, die alles im Griff hatten?
Niemand hat mehr was im Griff. Street credibility ist gefragt, irgendwie muss es auf einmal echt sein.
Das ist nicht unsympathisch - das Problem ist nur: TV ist doch nie echt, oder? Was wollen die denn? These: Barbie und Ken waren weit weg, die hat man bewundert, aber so sah einfach niemand aus. Jetzt sind das Leute wie du und ich, jeder kann ein Star sein (Andy Warhols fifteen minutes).
Der da mit dem Haltungsschaden auf dem Screen, das könnte ich auch sein. Der Job beim TV ist nicht weiter weg als der Gig auf der Klassenparty, und plötzlich ist TV ganz nah. Einfach anrufen, bewerben... und da hat es wieder den alten Glam, da ist TV wieder die alte Sehnsuchtsverarbeitungsmaschine. Ich sage nicht, dass das schlecht ist, man muss es nur wissen: es gibt keine Realität im Fernsehen.

Anlass 2:

Ein Casting für eine Moderatorenstelle (irgendein TV-Beitrag / Blick hinter die Kulissen). Ein Mädchen wird gefragt, warum sie für diesen Job gut ist. Was wollen die denn wissen? Was wollen die denn hören?
Nach dem Motto: Jetzt sag doch mal, warum du so klasse und unwiderstehlich bist. Schlimmer kann man jemanden ja nicht fertig machen.
So war es dann auch, sie sagte nichts, löste sich quasi einfach auf, versank im Erdboden und cut.

Anlass 3:

Der Moment der Präsentation. Wann hat man sein Leben, gepackt wie einen Koffer, in der Hand (Kleist). Wann wird man in Frage gestellt, oder bestätigt, oder in die Enge getrieben und was bleibt da von einem übrig?
These: Wie weit hat das, was man zu sein glaubt, etwas mit einem selbst zu tun? Victor Hugo war ein Idiot, der glaubte, Victor Hugo zu sein (Cocteau). X ist ein Jugendlicher, der glaubt, ein Jugendlicher zu sein. Das ist ein harter Job. Vor allem mit Arno in der Regie.

Anlass 4:

"Creeps" von Radiohead mal ganz laut auf einer Bühne zu hören.

Inhalt

Drei junge Mädchen treffen zu einem Casting im Studio ein, aus hunderten von Bewerbungen wurden sie ausgewählt, weil sie Lebensgefühl, Trends, Lifestyle ihrer Altersgenossen repräsentieren. Doch nur eine wird als Moderatorin gesucht - so entwickelt sich zwischen den drei Bewerberinnen schnell eine Konkurrenz, die in Rivalität mündet und zu erbitterter Feindseligkeit führt.
Wird die coole, toughe Lilly, schick und trendy, den Job bekommen, die erfolgsverwöhnt und siegessicher auftritt. Oder entscheidet man sich für Petra aus Chemnitz, unkompliziert, ungeschminkt, ehrlich und fast schon aufdringlich verständnisvoll, die mit ihren 16 Jahren schon einen so genauen, so durchschnittlich wirkenden Lebensplan entwirft. Vielleicht aber ist es auch Maren, naturverbunden, umweltbewußt, zurückhaltend, die sich, ihrer Mutter, der Welt beweisen muß, daß sie erreichen kann, was sie sich vorgenommen hat und dafür bereit ist, alle Brücken hinter sich abzubrechen....
Als die Entscheidung schon greifbar nah erscheint, nimmt die Geschichte plötzlich eine unerwartete Wendung, welche die drei Mädchen zu schonungsloser Ehrlichkeit sich selbst und den "Konkurrentinnen" gegenüber zwingt.


© 2001 Landestheater Detmold   Redaktion: Juliane Wulfgramm  Gestaltung: Rainer Worms

http://www.landestheater-detmold.de/programm/main.cfm?highlight=263&goback=%2E%2E%2Ftermine%2Fmain%2Ecfm&anfang=1&spartenID=7

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7. Sandkorn-Theater Karlsruhe 2001

Presse:

"Creeps": - BNN, vom 07.05.01

Und immer schön trendy bleiben

Erstes Gebot der Götter der Fernsehwelt: Eine Show ist gut, wenn sie gut verkauft wird. Mit Kristiane Backer war Bravo TV sehenswert, dann folgte Heike Makatsch, die den "Girlie"-Kult aus der Taufe hob aber auf dem Gipfel des Erfolges abdankte. Abgelöst hat sie ein Küken namens Jasmin Gerat, die einen Schönheitswettbewerb - nebenbei bemerkt: bei Bravo - gewann und sich damit für die Moderation der Sendung qualifizierte. Wer sich zu verkaufen weiß, hat Chancen im Showbiz. Harte Bandagen und die Bereitschaft zur Selbstverleugnung sind der Preis des Erfolges, soweit die kurze Zusammenfassung von "Creeps", der neuen Produktion des Sandkorn-Theaters am Bluemix. Autor Lutz Hübner entwirft ein ironisches Porträt der TV-Glitzerwelt, deren Doppelgesicht sich bereits im Titel des Stückes verbirgt: "Creeps" meint übersetzt einerseits "Gänsehaut", bezeichnet aber auch einen unangenehmen, widerwärtigen Zeitgenossen. Frank Landua fertigt daraus eine brillant zweifarbige, realistische Inszenierung.

"Creeps" ist quasi das neue Bravo TV, eine Show für Teenager, die Trends nachspürt oder gar kreiert und die lebensnotwendigen Fakten liefert: Wer steht auf Platz eins der Charts, welche Disco (neudeutsch: "Location") passt zu welchen Klamotten und welches Sternbild zum eigenen. Und überhaupt. "Creeps" sucht eine Moderatorin, Profil: hübsch, selbstbewusst, aufgeschlossen. Drei Kandidatinnen stehen zur Wahl, Lilly, Petra und Maren. TV-Produzent Arno hat sie zum Casting eingeladen, stellt sich aber nicht persönlich vor, sondern bleibt unsichtbar. Seine Kommandos (mit der Stimme von Torsten Eikmann) kommen aus dem Off. "Creeps", uraufgeführt im April 2000, ist ein höchst aufmerksames Stück, Trends und gesellschaftliche Werte der jungen Generation hat Lutz Hübner minutiös eingearbeitet.

Maren, Lilly und Petra sind Konkurrentinnen im Rennen um den Moderationsjob, das Casting endet im Streit. Ausgerechnet die naive Petra wächst über sich hinaus und mahnt die anderen zur Vernunft, "Creeps" nimmt eine überraschende Wende: Die Mädchen wehren sich, sprechen vor laufender Kamera über Freundschaft, Familie und Zukunft. Das Showbiz hat verloren, doch Arno ignoriert den kecken Protest des Trios. Letztendlich triumphiert die inszenierte Welt: "Das ist die große Verarsche", sagt Lilly, das Individuum wird zum Objekt.

Kristin Naefe gibt die verrückt naive Petra mit sprühendem Charme und Natürlichkeit, die im Nu von der temperamentvollen "Zone" (Zitat Lilly) zur vernünftigen, bodenständig Zuhörerin wird. Juliane B. Zschau als Lilly trumpft brillant mit rotzfrecher, kokettiere der Fassade auf, deren weicher Kern sich erst nach und nach offenbart. Wirklich großartig meistert auch Daniela Rössl die Rolle der schwierigen Maren, von Ehrgeiz und Eigensinn getrieben, zerbricht sie fast am Streit der Konkurrentinnen, beherrscht sich jedoch mit eisernem Stolz - und Dickkopf. Frank Landua beweist ein Händchen für die Bravo-TV-Zielgruppe, "Creeps" wirkt bei allem Gekünstel echt, verzichtet aber auf den moralischen Zeigefinger. Eine gut gewählte Besetzung in einem auffallend kurzweiligen Stück vom Format eines kunterbunten Videoclips. -Tanja Kasischke-

 

http://www.sandkorn-theater.de/stuecke/creeps.html