Sieben Arbeitsformen selbstständigen Lernens in der Oberstufe       (G. Einecke)  

Impulsreferat - Expertenpuzzle - Arbeitsteilige Gruppenarbeit - Projektarbeit mit Arbeitsjournal

KugellagermethodeStationenlernenWandzeitung als Hypertext

 


 

Impulsreferat

 Methode: Lernen durch Lehren - schülerorientiertes Verfahren

Ziel: intensive selbstständige Erarbeitung – Formen der Reduktion, Komprimierung und Visualisierung entwickeln - anderen die Arbeitsergebnisse vermitteln – durch eine Abschlussimpuls die Verarbeitung der Informationen im Plenum initiieren

Effekt: stärkere Praxis der Verbalisierung, des Kurzvortrags - Festigung des eigenen Wissens

 

-     als langfristige Hausaufgabe

-     auf der Basis von Text(en) und Materialien

-     mit einer eingrenzenden Aufgabe zu einem literarischen oder sprachlichen Thema

-     für einen festen Termin

▪  10 Minuten Kurzvortrag -  die Zeit ist einzuhalten

▪  relativ frei gehalten – allerdings mit Hilfe eines Stichwortzettels/einer Mindmap/einer Gliederungsübersicht - mit einzelnen zentralen Zitaten - abgeleitet aus einem eigenen Text von 3 - max. 5 Seiten 

▪  Visualisierung – auch zur Führung durch die Gliederung: Folie, Tafelbild, Poster …

▪  Ergebnisse und Impuls als Türöffner für die Diskussion: Thesenpapier / Handout – max. 1 Seite

 

Aufbau:

1) advance organizer: Hörerführung durch Hinweise zum Thema, zur Aufgabe – Text-/Materialhinweise – Fragestellungen, Problemstellung – Zugangsweisen und Methoden der Arbeit

2) inhaltliche, sachliche Ausführungen (Kurzvortrag): Information über zentrale Inhalte und Ergebnisse – eigene (ggf. kritische) Erläuterung der Ergebnisse – ggf. Kurzreflexion der Arbeit; keine chronologische Inhaltswiedergabe einer Text-/Materialvorlage!

3) Impuls für die Weiterführung im Plenum: Herausstellung einer Fragestellung, mit der sich das Plenum weiter befassen sollte – Anwendung für den Unterrichtszusammenhang - Stellenwert der Ergebnisse im Kontext eines größeren Themas – Nutzung in der Unterrichtssequenz – strittige Punkte – offene Fragen – stehen gebliebene Schwierigkeiten

 

Der freie Kurzvortrag, der Diskussionseinstieg über den Impuls und die eigene Materialvorlage werden zur Beurteilung herangezogen.

 

Beispiel: Thema

Die Interpretation von Kafkas Parabel "Gibs auf" in den drei Fachtexten von Heinz Politzer (Auszüge, 1977), Thomas Kielinger (Auszüge, 1971) und Helmut Richter (Auszüge, DDR 1982) –   (In: http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/kaf/kaf_gib_0.htm )

> Impuls: Worin bestehen die Unterschiede zwischen den drei Interpretationsansätzen?

> Impuls: Welcher Ansatz, welche Sicht, welche Gedanken kommen unserer eigenen Interpretation des Textes im Unterricht nahe?


 

Expertenpuzzle  

Methode: schülerorientiertes Verfahren – „Lernen durch Lehren“

Ziel: zu einem gemeinsamen Sachverhalt/Problem an einem Text aus unterschiedlichen Perspektiven Wissen einholen und dann als Experten Wissen vermitteln, austauschen und miteinander (aus)wertend verhandeln

Effekt: divergentes Denken fördern - Positionen differenzieren - Wissen selbstständig aneignen

 

 

 

z.B. für 16  Schülerinnen und Schüler in einem Kurs  4 Vierer-Gruppen 4 Texte

-           i.d.R. quadratische Zahl - bei mehr Schülerinnen und Schülern: Themen doppelt besetzen oder Beobachter einsetzen - viele Varianten denkbar –

-           Textumfang in der Einzelstunde je nach Schwierigkeitsgrad ca. 1 DIN A4-Seite; in einer Doppelstunde ggf. möglich: ein längerer, schwierigerer Text (2 DIN  A4-Seiten) mit Methoden der Arbeit am Text; bei schwierigem Text für eine Einzelstunde: ggf. Lektüre des Textes in der vorbereitenden Hausaufgabe

 

Ablauf:

 

0. Plenum: eine Ausgangsfrage aus den Vorstunden als Rahmenthema für alle Schülerinnen und Schüler

 

1. Runde: 4 Expertengruppen mit je 4 Teilnehmern bilden: A - D

-           die Expertengruppen setzen sich nach freier Wahl oder nach Zuordnung durch die Lehrperson;

-           jede Expertengruppe erhält einen anderen Text als Arbeitsgrundlage / in der Gruppe aber jeder denselben

1) sorgfältige Textlektüre in Einzelarbeit / still / mit dem Stift – je nach Text ca. 5’- 10’

2) kurze Verständnissicherung im Gespräch in der Gruppe  ggf. knapper Stichwortzettel / Karte über die zentralen Informationen für die folgende Vermittlung: max. 10-12 Wörter als Stichworte für einen mündlichen Vortrag! – ca. 5’

-           ein Fixieren der Leseergebnisse auf Folie bietet sich nicht an, da eine Präsentation im Plenum nicht vorgesehen ist

-           ggf. wenige Kontrollfragen zum Gruppentext für die spätere Plenumsauswertung formulieren

     Kontrolle der eigenen Arbeitsergebnisse an einem zunächst verdeckt liegenden „Abgleichbogen“, auf dem die Lehrkraft zu jedem Text die erwarteten Ergebnisse festgehalten hat.

2. Runde: Mischung neuer 4 Gruppen: I – IV (Puzzeln), in jeder Gruppe sitzt je ein Experte aus A – D; 

3) 4 kurze Lehrvorträge der 4 Experten über die Informationen aus ihrem jeweiligen Text für die 3 Zuhörer; es ist zu entscheiden, ob sich die Zuhörer Notizen machen – je ca. 2 – 3’

4) kurze Erörterung der verschiedenen Positionen oder Informationen zum selben Rahmenthema: Gleiches und Verschiedenes, das Neue, Beziehungen zwischen den 4 verschiedenen Teilperspektiven, Konsequenzen… – 5’ - 10’

 

3. Plenumsgespräch:

● in einer Doppelstunde: die Expertengruppe wendet sich zunächst mit ihren Kontrollfragen (s.o.) an das Plenum zur Überprüfung, ob die Vermittlung in den gemischten Gruppen gelungen ist

5) Zusammenschau und Verarbeitung im Plenum zum Rahmenthema: unter einer übergeordneten Fragestellung, einem weiterführenden Thema auf der Basis der neuen Kenntnisse – i.d.R. aber keine erneute Präsentation der Textinformationen, also keine überflüssige Wiederholung! – allenfalls Einbringen der Erörterungsaspekte aus dem 4. Schritt – Vertiefung / Vernetzung / Konsequenzen für den weiteren Unterricht – ca. 10’

 

Beispiel: das Problem „Die literarische Wertung des gelesenen neuen Romans XY“ - Gruppen A – D:

A) Rezension „Süddeutsche Zeitung“

B) Rezension „Die Zeit“

C) Rezension im Zeitungssammelarchiv: http://www.uibk.ac.at/iza/

D) Rezension www.dradio.de/literatur/buechermarkt/index.html


 

Arbeitsteilige Gruppenarbeit

 

Methode: schülerorientiertes Verfahren

Ziel: Arbeitsergebnisse in Kleingruppen erstellen und sich gegenseitig vermitteln zur Integration der Teile / Zusammenschau im Plenum

Effekt: stärkere Praxis eines individuell bevorzugten Verfahrens - oder kontrollierte Einübung eines ungewohnten Verfahrens - selbständiges Arbeiten - adressatenbezogenes Präsentieren - kriterienbezogenes Auswerten

 

 

z.B. für 20  Schülerinnen und Schüler in einem Kurs

             z.B.: 1 Text als Gegenstand für alle Schülerinnen und Schüler

             4 Arbeitsgruppen (je 5 Teilnehmer) - für z.B. 3 verschiedene Zugriffe auf einen Text - oder auch nur für 2 Zugriffe, so dass dann doppelt besetzt wäre: zu…

 

z.B. politische Rede / argumentativer Sachtext:

A) Konspekt zum gedanklichen Aufbau des Textes

B) Argumentationsanalyse: Argumentationsziel, einzelne zentrale Argumente, Arten der Argumente

C) Kommunikationsanalyse: Redesituation, Sprecher, Adressaten, Kommunikationsbedingungen,

     Sprachhandlungen, Redestrategien

D) Rhetorik der Rede: rhetorische Mittel - stilistische Mittel - Effekte - Wirkungen

 

●    Arbeitsablauf – z.B. bei 45’:

  0.        Textlektüre in Einzelarbeit / still / mit dem Stift - je nach Text, ca. 5-7’ - wenn nicht schon als vorbereitende Hausaufgabe erledigt; in diesem Falle nur Kurzreaktion auf den Text

1.        Entwicklung von Arbeitsaufträgen , 3’

2.        arbeitsteilige Erarbeitung/Analyse in der Kleingruppe, 15’ / Ergebnisse z.T. auf Folien

3.        Kurzvortrag zur Präsentation der Ergebnisse, je ca. 5’; (drei Vorträge sind das Maximum! – besser 2; die 3., 4. Gruppe könnte in der Integrationsphase mit eingebaut werden; oder ein Thema wird doppelt besetzt) - ggf. mit Folieneinsatz:

a)        Vortrag der Einzelergebnisse;

b)        Hinweise für die anderen Gruppen zu Bezügen, die für das Verständnis auf den anderen Analyseebenen besonders wichtig sind; Plenum beobachtet die Bezüge

4.        Plenumsgespräch zur Integration, ca. 10’: Verknüpfung der Analyseergebnisse in einer Interpretation / Zusammenschau / Vernetzung / Vertiefung (Aspekte müssen von der Lehrperson vorgeplant sein!)

 

            Einsatz von Funktionskarten  Rollenübernahme

          –   zu verschiedenen Zeiten auch im Rollenwechsel

  Moderator: ein Gruppenmitglied regelt die Gesprächsabläufe, achtet auf gleichberechtigte Beteiligung, fordert auf etc.

Zeitnehmer: ein Gruppenmitglied achtet auf baldigen Beginn, die Arbeitszeit, ggf. Pausen, Endtermin, Zeitpunkt der Fixierung von Ergebnissen etc.

Protokollant: ein Gruppenmitglied hält Arbeitsschritte, Probleme, Teilergebnisse, ggf. das Gesamtergebnis fest

Optimierer: ein Gruppenmitglied achtet auf den Fortschritt, die Nutzung von Mitteln, die Störungen etc. und macht Optimierungsvorschläge

 

            In der Präsentations- und Auswertungsphase kommt es darauf an, jeweils die anderen Gruppen, deren Thema gerade nicht präsentiert und behandelt wird, einzuspannen, z.B.:

a)        durch Vergleichsaufgaben

b)        durch Festhalten von Aspekten oder Argumenten, die die eigenen Ergebnisse ausbauen, verändern, präzisieren

c)        durch Beobachtung von Kriterien: z.B. Anwendung eingeführter Verfahren, Form der Präsentation, Nutzen der Ergebnisse etc.

d)        durch Auftrag, aus den ca. 4 Teilprodukten ein Gesamtprodukt zu erstellen

e)        durch Vorlage eines Lückentextes, der nach Befunden aus allen 4 Teilgebieten fragt

f)          durch Auftrag, die Teilergebnisse in einer verknüpfenden Grafik zusammenzufügen.

 

Weiter zur Gruppenarbeit: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/greenline/lernen/unt/cl_aelteresch.html


 

Projektarbeit mit Arbeitsjournal  

 

Methode: schülerorientiertes Verfahren – handlungsorientiert auf ein Projektziel, auf ein Produkt, auf eine Präsentation, auf einen Termin hin arbeiten

Ziel: auf der Basis eigener Entscheidungen – aber im Lehrplan-Rahmen - selbständig einen Arbeits- und Lernprozess steuern

Effekt: selbstverantwortlich lernen – kooperieren – evaluieren – Nutzen für andere im Auge behalten

 

Projektschritte

 

1. die Idee

2. die Planung

3. die Erarbeitung

4. die Präsentation

·  das Problem

·  Fragestellungen

·  Suchrichtungen

·  mein Interesse

·  die Mitarbeiter

·  die Zielgruppe

·  der Zeitrahmen

·  Sichtung des vorhandenen Materials

·  weitere Quellen

·  Aspekte der Behandlung

·  Teilthemen

·  Produktionsziele

·  Kooperationsformen

·  Zeitablauf

·  Arbeitsverteilung

·  zusätzliche Recherche

·  Lektüre / Aneignung des Materials

·  Stoffgliederung

·  Hausaufgaben

·  Formulieren, Zeichnen, Ton-/Video-Aufnahmen

·  das Produkt erstellen

·  Veröffentlichung schriftlicher und audiovisueller Produkte: Wandzeitung, CD-Rom, Hörkassette...

·  Darbietung mit Stimuli: Handouts / Paper / Grafik / Leser-, Hörerführung

·  Bewertung und Kritik durch Zuschauer, Hörer, Plenum

                                                     5. die Evaluation:                                                        

·  von Produkt und Prozess

·  der Progression, Arbeitsverteilung, Eigenaktivitäten einzelner

·  der Störungen, Umorientierungen

·  der Qualität der Ergebnisse

 

 

Ziele der Projektarbeit

            an einem überschaubaren, aber hinreichend komplexen Thema selbständiges Arbeiten erproben

            individuell für ein gemeinsames Produkt verantwortlich sein (d.h. Arbeit auch bei Abwesenheit eines einzelnen Gruppenmitglieds absichern)

            in Gruppenarbeit Arbeitsteilung erproben und ein gemeinsames Ergebnis herstellen

            die verschiedenen Arbeitstechniken einsetzen

            fachübergreifende Perspektiven verfolgen

            den Arbeitsprozess reflektieren und bewerten

            die Arbeitsprodukte verarbeiten und bewerten

            ein Arbeitsjournal zur Dokumentation des Arbeitsprozesses führen:

 

   Muster:

Arbeitsjournal - (A) Gruppenmitglieder:                                    - Gruppensprecher/in:

Datum /

Journalführer/in

Arbeitsschritte/-verteilung / Aufgaben / Tätigkeiten / Inhalte

daran Beteiligte / Verantwortliche/r

Materialien / Recherchen

Hausaufgaben

Verteilung

Kommentar zu Fortschritt und Störungen

Mo, 8.3.

  …

 …

 …

 …

 …

 …

Di, 9.3.

...

 

 ...

 

   ...

 

   ...

 

   ...

 …

 

Projektbeispiele

fachspezifisch z.B.:

            Hör-Feature  z.B. zu Schlink „Der Vorleser“, zur „Gruppe 47“ etc.

            Filmwerbung für z.B. „Titanic - Literatur, Medien und Vermarktung“

            „Autorengruppen und literarische Veranstaltungen in der Region“ - eine simulierte Autorenlesung

             „Literatur im Netz“ - eine eigene CD mit Rezensionen, Präsentationen und Links herstellen

 

fachübergreifend oder fächerverbindend, z.B.:

            Das Phänomen „Rhythmus“ in Literatur, Musik, Kunst, Physik und Biologie

            „Expressionismus“ als Epochenstil (Literatur, Kunst, Musik)


 

Kugellagermethode  

Methode: Lernen durch Lehren - schülerorientiertes Verfahren

Ziel: sich gegenseitig Kenntnisse, Beobachtungen, Leseergebnisse etc. vermitteln

Effekt: stärkere Praxis der Verbalisierung, des Kurzvortrags - Festigung des eigenen Wissens  

 

  z.B.  3 Kugellager  I - III  für 18 Schülerinnen und Schüler in einem Kurs:

 

Die Schülerinnen und Schüler sollen sich gegenseitig Inhalte und Intentionen von 3 Sachtexten vermitteln:

z.B. 3 Positionen zu einem Problem von verschiedenen Interessenvertretern als Vorbereitung auf eine Erörterung,

z.B. 3 literaturtheoretische Texte zu einer Gattung,

z.B. historische, biografische und soziologische Hintergrundinformationen zu einem Werk etc.

 

 

Ablauf:

3 Texte:      A       B       C   

je Text         6       6       6       Schülerinnen / Schüler

 

     Vorbereitung der Texte in je drei Tandems zu Text A, B und C

●  ca. 15’  - je nach Text, ggf. max. 12 Stichwörter zu 1 Seite notieren erlaubt

     Kontrolle der eigenen Arbeitsergebnisse an einem zunächst verdeckt liegenden „Abgleichbogen“, auf dem die Lehrkraft jeweils zu einem Text die erwarteten Ergebnisse festgehalten hat.

 

     3 Kugellager I - III einrichten (Geräuschpegel regeln!!):

 1. Außenkreis vermittelt an Innenkreis, ca. 5’

 2. Innenkreis vermittelt an Außenkreis, ca. 5’

 3. Innenkreis wandert 1 Sitz weiter im Uhrzeigersinn, Innenkreis vermittelt an Außenkreis, ca. 5’

 4. Außenkreis vermittelt an Innenkreis, ca. 5’

 

Summe: max. 35’ Dauer des Kugellagers - jede/r hat zweimal einen Kurzvortrag gehalten und etwas aus zwei fremden Texten vermittelt bekommen;  anschließend ggf. Vertiefung im Plenum. 


Stationenlernen  

Methode: schülerorientiertes Verfahren - längere Phase des selbständigen individuellen Lernens

Ziel: einen Lerngegenstand aus verschiedenen Perspektiven, auf verschiedenen „Kanälen“ und mit verschiedenen Methoden erarbeiten

Effekt: verschiedene Sinne einsetzen - Stationen und Arbeitsweg selbstverantwortlich angehen

   

 

 Diese Form des selbständigen Arbeitens berücksichtigt unterschiedliche Lernvoraussetzungen, unterschiedliche Zugänge und Betrachtungsweisen sowie unterschiedliches Lern- und Arbeitstempo. Ideal ist diese Unterrichtsform, wenn es möglich ist, einen Unterrichtsgegenstand so aufzubereiten, dass er auf vielen verschiedenen Wegen erschlossen werden kann, sodass man möglichst allen unterschiedlichen Lerntypen (haptisch, visuell, audiovisuell, intellektuell u.a.), die in einer Lerngruppe vorhanden sind, gerecht werden kann. - Den Schülerinnen und Schülern werden umfangreichere Materialien und Aufgaben angeboten, an dem sie eigenverantwortlich arbeiten. Ergebnisse müssen fixiert werden. - Wichtig ist die Sicherung der Zwischenergebnisse: Kontrolle und (Selbst-)Korrektur erfolgen durch Lösungsblätter / informelle Tests, die die Lehrkraft erarbeitet hat und verdeckt ans Ende jeder Station legt. – Auf die Stationen wird durch die Entwicklung von Perspektiven und Teilthemen vorbereitet. Die Ergebnisse der Stationen werden - i.d.R. ohne einfache Wiedergabe oder Präsentation - im Plenum mit integrieren­den Verfahren eingebracht: z.B. Verknüpfungen zwischen Teilaspekten - Einbringen der neuen Kenntnisse in ein Gespräch auf höherer Abstraktionsebene zu einem übergreifenden Thema etc.

 

            Einsatz von Pflichtstationen und freien Wahlstationen

            motivierendes Material bei jeder Station

            klare Aufgabenstellung bei jeder Station

            Einsatz von Übersichtsbögen je Schüler zum Abhaken oder Eintragen der geleisteten Arbeit

            Kontrollbögen am Ende der Stationen

            Vorbereitung eines integrierenden, übergreifenden Themas für das verarbeitende Plenumsgespräch

 

z.B. „Umbruch um 1900 in Kunst und Literatur“ in Jg. 13 (mehrstündig): z.B.

 

Station A) Zeitzeichen-Sendung (WDR) als Hörtext und Geschichtsbuch: Wilhelminische Epoche  Informationen zum historisch-politischen Hintergrund aufbereiten

Station B) DVD-Video auf Laptop: Berlin – Sinfonie einer Großstadt, Ausschnitt  Stadtbild und Montagetechnik erläutern

Station C) epischer Textvergleich: Auszüge aus Wilhelm Raabe: Die Chronik der Sperlingsgasse – Döblin: Berlin Alexanderplatz  Wahrnehmungsmuster und Schreibmuster vergleichen

Station D) Malerei um 1900: 3 Bilder im Kontrast (von z.B. Liebermann, Grosz, Bonnard, Delaunay, Die Brücke)  Wahrnehmungsmuster und Gestaltungsformen vergleichen – in Bildskizze nachgestalten

Station E) Theorietexte: Nachdenken über die Großstadt (Horvath, Krakauer, Sinclair, Brecht)  zeitgenössische Pro­blemstellun­gen als Thesen erarbeiten – eigene Thesen zur Großstadt mit den vorgelegten konfrontieren

Station F) Musik um 1900: Debussy, Mahler, Hindemith, Debussy neue Formen der Harmonik an 1 Beispiel nachvollziehen und Wirkungen beschreiben (erste Tonbeispiele z.B. in Wikipedia „Quartenharmonik“ etc. – ggf. durch Mitschüler/in am Instrument)

Integration im Plenum: über „Krisenbewusstsein“ - neue Ansätze in Philosophie, Psychologie und Literatur  (dazu Texte von Nietzsche, Freud, Schnitzler, Hofmannsthal)

  

Bild: http://www.semrs.aa.bw.schule.de/statione.htm

http://www.wolfram-thom.de/lfb-material.htm

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Wandzeitung als Hypertext

 

Methode: schülerorientiertes Verfahren - Lernen durch Visualisieren

Ziel: „Gesamt-Text“ über alle erarbeiteten Ergebnisse zur Arbeit an einer Ganzschrift oder einem Dossier als Wandzeitung mit verschiedenen Textsorten - auf Poster, Tapetenrolle u.ä. -  Vernetzung von Teilergebnissen: Beziehungen zwischen den Teilen markieren (Querverweise/Links) - Wahrnehmung der Netzarchitektur - Springen zur individuellen Nutzung von Knoten zu Knoten

Aufgabe: Schülerinnen und Schüler erarbeiten komplexe Themen an einer Ganzschrift, zu einem Autor, zu einer Epoche

   

1. In einem Brainstorming zum Thema und Text Produktionsideen für eine Wandzeitung herstellen, die Außenstehende über das Thema sowie den Text informieren sowie die eigene Arbeit und die Ergebnisse optisch aufbereitet und verarbeitet vorstellen soll (s. Module nach dem Prinzip des „Textdesign“).

2. Produktion in Gruppen-, Partner- oder Einzelarbeit: Produkte zum Thema, zum Text, zu einem Teilthema, zu Hintergründen (Autor/Epoche etc.) herstellen - verschiedenen Textsorten nutzen - in verschiedenen Medien verfassen - Module:

- analytische Texte: z.B. Textanalyse - schriftliche Szenenanalyse - Kommuni­kationsana­lyse - Stil- und Sprachanalyse - Problemerörterung - Rezension - Textkommentar - Figurenkonstellation - Spannungsbogen - Analyse zeitgenössischer Rezensionen - Ana­lyse theoretischer Texte zur Literatur-/Kunsttheorie der Epoche - Analyse der „historischen Differenz“ zum Textverständnis - vergleichende Untersuchung von Stellen in ver­schiedenen Literaturgeschichten - etc.

- informierende Texte: z.B. allgemein-politischer Überblick für jene Zeit - biografische Informa­tion zum Autor - Lexikonartikel zur Epoche - Erläuterungen zur Gattung - Sachtexte zum Pro­blem im literarischen Text - literaturgeschichtlicher Textabschnitt - Informationen über andere Autoren der Epoche - Information über ausländische Literatur zur selben Epoche und zum Epochenstil - Vergleich mit anderen Epochen - etc.

- produktive und kreative Texte: z.B.  Erinnerungs-Cluster zum Leseeindruck - Szenisches Le­sen auf Au­diokassette - Standbilder auf Fotoposter (am besten Digitalkamera) - Videomitschnitt eines Szeneanspiels (ggf. mit „freezing“) - (hinzuerfundene) Briefe, Tagebuchnotizen, Testamente, Anfragen, Bitten, Beschwerden ver­schiedener Textfiguren - Interview mit einer Textfigur - Reportage, Denkschrift, Leitartikel, Zeitungsbe­richt über die sozialen Verhältnisse im Originaltext - Beratungsgesprä­che, Briefkasten-Texte zu den psycholo­gischen Problemen der Figuren - Gerichtsverhandlung über die Schuldfrage - hinzu­erfundene, den Handlungsverlauf verändernde Szene mit Linie der Konsequenzen - Co­vertext und Titelbild für die Buchausgabe - Entwurf  von Kulissen und Requisiten - Streichfassung von Sze­nen für eine Aufführung - Werbeplakat zu einer Aufführung - Fotowand zum histor. Umfeld - etc.

3.) Vernetzen - Verknüpfungen herstellen: Gesamtangebot der Produkte sichten und auf der Wand arrangieren (nach Ressorts, Teilthemen, Produktarten, Arbeitsgruppen, Texten zur Schnell­information oder zur Vertiefung o.ä.) - Rezeption der Produkte vor der Wand - Module mit Nummerierungsvarianten, Verbindungslinien o.ä. auf der Wandzeitung verknüpfen (von Schlüsselwort zu Schlüsselwort) - Verbindungen erklären und somit mündlich die Ergebnisse integrieren – einen integrierenden „Überblickstext“ schreiben (s. Aufgabentyp: auf der Basis von Materialien einen informierenden Text verfassen) - etc.

   

Beispiel - „Naturalismus - G. Hauptmann, Vor Sonnenaufgang“ (Wandzeitung - Hypertext)

 

© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de