Moderationsmethode

 

Moderationsmethode: Interaktives Arbeiten mit Visualisierung, Moderatoren und Gruppengespräch

Ziel: Diese  anschauliche Form der Gruppenarbeit ist besonders für Prozesse der Planung, Problemlösung, Meinungsbil­dung und Entscheidungsfindung geeignet, weniger für die Erarbeitung und Verarbeitung von Fachinhalten und Kenntnissen.

Effekt: Sie ermöglicht den Beteiligten, ihr Wissen und ihre Zielvorstellungen in die Zusammenarbeit einzubrin­gen. Übliche Diskussionsformen zeigen oft Schwächen: Während einer redet, sind die anderen zum passiven Zuhören verurteilt, das Gedächtnis wird überfordert, Redelöwen dominieren den Austausch, der rote Faden geht verloren.

 

 

 

Beispiel Sek. II: „Planung unserer Studienfahrt“

 

Studienfahrt - ein Beispiel zur Moderation: Im Leistungskurs 12 soll die Studienfahrt geplant werden. Eine Schülerin und ein Schüler werden als Moderatoren zur Regelung der Abläufe und der Gespräche bestimmt. Im Raum gibt es 2 Pinnwände (Tapetenrollen, Packpapierflächen), Din-A 5-Karteikarten, Klebestreifen, Filzstifte, farbige Klebepunkte aus Papier.

Die Diskussion beginnt in einer ersten Runde mit der Kartenabfrage: „Welchen Sinn und Zweck soll die Studienreise im 13. Schuljahr für uns haben?“ - Alle Beteiligten schreiben in Einzelarbeit ihre Antwort auf ein kleines Kärtchen und geben sie den Moderatoren, die es an der Pinnwand befestigen. - Dabei können sofort durch die Moderatoren oder später bei der Betrachtung der Kartensammlung durch den Kurs die Karten umgesteckt werden: zu thematischen Gruppen oder nach Gewicht. - Die Moderatoren klären dies im Ge­spräch mit dem Kurs. - Aus dem entstandenen Bild wird für alle Beteiligten sichtbar, welche Rolle die Kurs­fahrt spielen soll. - Nun können ein oder mehrere farbige Wertungspunkte auf Karten mit sehr zentralen Angaben geklebt werden. Kommentare können mit Filzstift unmittelbar neben die Karten, z.B. als Sprech­blasen, eingetragen werden. - Im moderierten Gespräch mit Rückverweisen auf die Karten wird in Ple­numsarbeit geklärt, welchen Sinn die Kursfahrt für alle haben soll. -

In einer zweiten Runde geht es um Vorschläge für Reiseziele. Auf  Zuruf werden die Vorschläge zu be­stimmten Orten in einzelnen Spalten an einer zweiten  Pinnwand notiert. In Kleingruppenarbeit, eingeteilt nach den gewünschten (und auf z.B. 3 - 5 Ziele beschränkten) Orten, erörtern die Kursmitglieder die Vor- und Nachteile ihres Zielvorschlags. Sie tragen ihre Ergebnisse als kurze Stichwortliste auf Informations- und Argumentations-Karten, die dann in den entsprechenden Spalten angebracht werden. -

In einer dritten Runde versammeln sich alle vor der zweiten Pinnwand und nehmen in stiller Lektüre die Ergebnisse für alle Ziele zur Kenntnis. - Dann ist wieder ein Wertungsdurchgang zu herausragenden Argu­menten für ein bestimmtes Reiseziel nötig (ggf. auch anonym mit Wertungspunkten).

In einer vierten Runde erfolgt in einem moderierten Gespräch in Plenumsarbeit eine Diskussion zu den ver­schiedenen Zielen unter Nutzung der ausgehängten Argumente. Das Gespräch mündet in einen Konsens über das Ziel. -

 

Es wird so möglich, Schritte in der Meinungsbildung klar zu trennen. Zielsetzungen werden erst vorgenommen, nach­dem viele Informationen und Argumente gesammelt und geordnet sind. Es ist teilweise schwierig, Gedanken in wenige Worte zu fassen, um sie auf Kärtchen zu schreiben. Auch der vorläufige Verzicht auf Diskussionen, das Stehenlassen von Widersprüchen, muss geübt werden. Jeder Beteiligte hat gleichen Einfluss auf die Festlegung dessen, was als wichtig gilt.

 

Beispiel Sek. I: Literaturunterricht „Parzival“ Jg. 7

http://rzserv2.fh-lueneburg.de/u1/gym03/homepage/faecher/deutsch/parzival.htm#oben

 

 

Die Moderationsmethode - auch Metaplan®-Methode - wurde Anfang der 70er Jahre im Quickborner Team entwickelt, der heutigen Metaplan® GmbH.

Der erste Baustein der Moderationsmethode ist die weitgehende Visualisierung der Inhalte der Auseinander­setzung. Pinnwände, Kärtchen in verschiedenen Formen und Farben, Filzstifte und Klebepunkte ermöglichen das schnelle Zusammentragen, Strukturieren und Bearbeiten von Informationen. Da sowohl der Gesamtzu­sammenhang als auch Details jederzeit sichtbar sind, wird konzentriertes, sachliches und systematisches Ar­beiten möglich.

Der zweite Baustein ist die Leitung der Auseinandersetzung durch einen Moderator, der inhaltlich keinen Ein­fluss nimmt. Er kümmert sich um das organisatorische Umfeld der Moderation, er fördert ein angenehmes Arbeitsklima und strukturiert den Prozess der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung.

Die Prozessplanung führt zum dritten Baustein der Moderationsmethode, zu den Frage- und Antworttechni­ken. Dies sind Verfahren, mit denen bestimmte Schritte im Prozess der Meinungsbildung bewältigt werden können: Kartenabfrage, Wertungspunkte, Argumentationskarten, Informationskarten, Entscheidungskarten, Strichlisten, Sprech- und Denkblasen...

Der gezielte Wechsel von Einzel-, Kleingruppen- und Plenumsarbeit je nach den sachlichen und sozialen An­forderungen einer Situation ist eines der wichtigsten Arbeitsmittel in der Moderation. Auch der Ortswechsel im Arbeitsraum gehört dazu: Arbeit am Tisch, Versammlung um die Pinnwände, Gruppierung in Raumecken, Auslagerung in andere Räume...

Konsensorientierung ist ein weiteres Prinzip der Moderation. Wenn alle ihr Wissen und Können einbringen sollen, dürfen nicht einzelne zurückgesetzt werden. Genau dies geschieht aber, wenn Entscheidungen nur in Abstimmungen getroffen würden...

Ein weiterer Faktor ist Transparenz in der gemeinsamen Arbeit. Ist die Situation für alle durchschaubar, so werden unnötige Unsicherheiten vermieden. Auf methodischer Ebene sollte daher immer deutlich sein, an wel­cher Stelle des Arbeitsprozesses sich die Gruppe befindet und was warum getan wird. Inhaltlich gesehen wird durch die Visualisierung ein einheitlicher Informationsstand gefördert.

Die Moderation muss in ihren Abläufen vorweg geplant, Material muss bereit gestellt werden.

[z.T.  nach: http://www.fen.baynet.de/~na1791/gdwz.htm  -1996]

 

Wichtige Moderationstechniken:

 

Technik

Zweck

Blitzlicht

Abfrage der momentanen Stimmungen

Klärung der Ausgangsbasis, Feedback

Ergebnis muss in das Folgende miteinbezogen werden

Moderator sollte teilnehmen

Jeder spricht nur über sich selbst

Anregung z.B. auch durch Störungen oder Spannungen

Ein-Punkt-Abfrage

Abfrage von Stimmungen, Meinungen, Tendenzen

Erste Themen- oder Problemorientierung

Linear oder skaliert

Gut ist eine anonyme Nennung (z.B. Pinnwand umdrehen)

Eindimensional oder zweidimensional

Kartenabfrage

Zum breiten und unbewerteten Sammeln von Anliegen, Kenntnissen, Erfahrungen, Ideen, Meinungen

Einstieg in vertiefte Themen- oder Problembearbeitung

Anonymität bewahren

Kartendoppeln ist bei schwieriger Clusterung möglich

Bei vielen Schreibern pro Teilnehmer 3 Karten auswählen lassen

Zuruf – Verfahren

Zum Sammeln von Anliegen, Kenntnissen, Erfahrungen, Ideen, Meinungen

Schneller Einstieg in die Themen- oder Problembearbeitung

Klar visualisierte Fragen / Probleme

Themenspeicher

Festhalten wichtiger Themen

Einstieg in vertiefte Themen- oder Problembearbeitung

Themen vor de Abstimmung erläutern

Gewichtungsverfahren

Gleichberechtigtes Festlegen von Themen, Reihenfolge; Alternativen auswählen

(Halb soviele Punkte wie Wahlmöglichkeiten) +1

Kleingruppenarbeit

Vertiefte Themenbearbeitung

Zusammentragen von Wissen

Fragenspeicher

Festhalten offener Punkte

Moderierte Diskussion

Intensive, zielgerichtete Diskussion

Bei 2 Moderatoren kann einer visualisieren

Zeitrahmen stecken und Spielregeln festlegen

Maßnahmenplan

Ergebnissicherung

Persönlich Verantwortung festlegen

Umsetzung von Maßnahmen fördern

Realisierbarkeit im Auge behalten

http://www.psychologie.uni-freiburg.de/einrichtungen/Paedagogische/lehre/ppbasis/ppbasisI/WichtigeMT.htm

 

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>>Kleine Metaplan®-Kritik: Bei der Unterwerfung der Schulen unter den bildungsfeindlichen Geist kommt seit längerem schon ein »Duo-infernale« aus Durchsetzungsinhalten und -methoden betrieblichen Managements zur Anwendung. Hier ist der eigentliche Grund für das scheinbar unvermittelte Auftauchen einerseits des Bildungs-Pidgins von ‘Kunde’ und ‘Produkt’ und andererseits der »Metaplan®«-Technik. Die Management-Inhalte sind zur Erarbeitung bildungspolitischer Zielsetzungen genauso ungeeignet wie die »Metaplan®«-Technik für den Erkenntnisgewinn.

Wenn es möglich wäre, die Verfahren, die die menschliche Gesellschaft in den letzten 20 000 Jahren ausgebildet hat, um das, was in der Welt vorzufinden ist, auf den erkennenden Begriff zu bringen, in die Ausdrucksweise des »Metaplan®«-Zettelwesens zu fassen, dann gäbe es keine Sprache, keine Sätze, keine Texte mehr sondern nur noch Listen und ‘Punkte’. Die Addition, das unterschiedslose, verblose (prädikationslose), zusammenhangslose, beziehungslose, ungeordnete, chaotische Dahinsagen, das ja nicht einmal mehr ein geordnetes Aufzählen ist, sondern sich dem Gebrabbel annähert, bliebe die einzige methodische Technik des Begreifens. Da war man schon in der Steinzeit um Dimensionen weiter. Jeder noch so verhetzte Alltagsmythos ist ein Wunderwerk der inhaltlichen Integration und der Erfassung von Komplexität in ihrem Funktionieren gegenüber dem von »Metaplan®« verordneten Gestammel. Damit muss endlich Schluss sein!<<  © 230598 - http://users.aol.com/g20hh/aktuell/gedanken.htm

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►Erproben Sie die Verfahren der Moderation an folgenden Fällen:

 

A) Planung der nächsten Seminarphase = Möglichkeiten - Wünsche/Bedarf - Ziele - Zeitumfang,... bis zur Entscheidung

B) Planung der Aneignung fachdidaktischer Positionen in einem bestimmten Lernbereich

C) Planung einer Unterrichtsreihe = Wünsche, Vorgaben, Ziele, Wege und Mit­teleinsatz

D) Planung eines fachübergreifenden oder fächerverbindenden Projekts

 

 

Moderation – Links

http://www.metaplan.de/download/Basiswissen.pdf

http://www.maas-training.de/DOKU_5.HTM

http://www.psychologie.uni-freiburg.de/einrichtungen/Paedagogische/lehre/ppbasis/ppbasisI/WichtigeMT.htm

http://www.laum.uni-hannover.de/ilr/lehre/Ptm/Ptm_KreaMetaPlan.htm

 

Metaplan®: eingetragene Marke der Metaplan – Thomas Schnelle Gesellschaft für Planung und Organisation mbH Quickborn (www.metaplan.com)

© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de