Selbstlernprogramme

 

Methode: schülerorientiertes Verfahren – selbständiges Lernen durch Umgang mit elektronischen oder gedruckten Lernprogrammen

Ziel: Schülerinnen und Schüler werden verantwortlich für das eigene und gemeinsame Lernen.

Effekt: höhere Individualisierung der Lernprozesse; besseres Behalten, da besser „sitzt“, was selbst erarbeitet wurde

 

Problem: ungleiche Entwicklung der einzelnen Schülerinnen und Schüler in heterogenen Gruppen, so dass Phasen notwendig werden, in denen wieder ein gemeinsames Plateau hergestellt wird, von dem aus neue Aufgabenstellungen für alle ihren Ausgangspunkt nehmen können.

 

Selbständiges Lernen beginnt schon bei den Hausaufgaben, bei eigenständigen Arbeitsphasen im Unterricht auf unteren Jahrgangsstufen (Partner- und Gruppenarbeit, Lernen an Stationen…) sowie bei projektartigem Unterricht oder bei Bibliotheks- und Mediotheksaufgaben und führt zu selbständigem Umgang mit langfristigen Aufgaben (s. Wochenplan) oder mit der Facharbeit in Jg. 12 (und ihrem kürzeren Vorläufer in Jg. 11).

Selbstständig lernen bedeutet:

- unabhängig von anderen (Lehrerpersonen, Eltern)

- aus eigenem Antrieb (klassisch: mit intrinsischer Motivation)

- mit einem deutlichen Maß an Anstrengungsbereitschaft

- vielleicht mit neuer Lust durch neue Medien und Methoden

 

Vor allem Selbstlernprogramme auf CD, in Verknüpfung mit dem Internet, und in Druckfassung geben Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich die Lernstoffe selbst zu erarbeiten, selbständig Produkte zu entwickeln etc. – Entscheidend für den unterrichtlichen Zusammenhang von Selbstlernvorgängen ist, dass die Ziele und die vergleichbaren Ergebnisse sowie Produkte - unter Orientierung an den Vorgaben der Lehrpläne und an einem Zeitrahmen - aus dem Unterricht erwachsen, mit dem Fachlehrer verabredet sind und wieder in den Unterricht eingebracht werden. Hinzu kommen müssen Formen der Selbstevaluation. – Die Rolle der Lehrperson verändert sich: anregen, beraten, beurteilen… – weniger unterrichten und vermitteln.

Auf einer Lernplattform (im Internet oder Intranet) ist es Lehrerinnen und Lehrern möglich, „bestimmte Aufgaben (z.B. Hausaufgabe, Materialaufgabe, u.s.w.) nicht nur einem gesamten Kurs, sondern einzelnen Kursteilnehmern/Kursteilnehmerinnen zuzuweisen.
Die Lernplattform ermöglicht damit differenziertes Unterrichten und gezieltes Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse einzelner Schüler/-innen. Für die Schüler/-innen bedeutet diese Erweiterung eine systematische Förderung und die Möglichkeit zur spezifischen Vor- oder Nachbereitung des Unterrichts.
Schüler/-innen ermöglicht die Erweiterung der SelGO-Plattform des Weiteren das Einstellen eigener Aufgaben in den individuellen Lernplan. Sie haben dadurch die Möglichkeit, sich anhand selbst erstellter Aufgaben eigenverantwortlich auf Klausuren vorzubereiten und den vom Lehrer/von der Lehrerin erstellten Lernplan selbstständig zu ergänzen. Dabei kann u.a. Material aus den unterschiedlichen Bibliotheksbereichen angehängt sowie ein Bild, ein Dokument oder eine URL eingefügt werden.“ (selgo) –

Diese Individualisierung bedeutet für die Lehrperson zunächst einen immens höheren Arbeitsaufwand durch individuelle Betreuung, Begutachtung von Zwischen- und Endprodukten und weitere Lernberatung. Im Zeitmanagement muss man also dazu kommen, dass Produkte – wie bisher – auch stichprobenartig oder auf einzelne gezielt aufgenommen werden, dass andererseits auch die Mitschüler in die gegenseitige Auswertung und Beratung eingespannt werden, dass also auf der Lernplattform auch Teamarbeit entsteht. – Die Kostenseite von Lernplattformen (häusliche PC- und Internet-Kosten) bleibt ungeklärt.

Formen der Arbeit mit Selbstlernprogrammen stehen in der Oberstufe in Konkurrenz mit Formen des erarbeitenden Unterrichts und des kommunikativen Lernens.

 

Die Idee der Selbstlernprogramme ist so neu nicht: In den 70er Jahren gab es eine Fülle an Lernprogrammen, in linearen und verzweigten Formen, die auch den Lernfortschritt immanent überprüften. Sie wurden als ergänzendes Mittel bei mangelnden Kenntnissen individuell eingesetzt. Es krankte aber sehr an der motivierenden Kraft! - Dies hat sich leicht geändert, da inzwischen die elektronischen Selbstlernprogramme multimedial gefüllt sind und vielfältige Methoden nutzen. Die Formen der Diagnostik und Selbstkontrolle sind für die Gegenstände im Deutschunterricht jedoch immer noch nicht sehr viel weiter entwickelt, da sie kostenintensiv wären: Es herrschen Lückenaufgaben, multiple choice-Aufgaben, Kurzantwortaufgaben, Checklisten und Musterlösungen für den Vergleich vor. Dies hat nach dem PISA-Ergebnis andererseits jedoch auch Sinn, da die deutschen Schüler auf diese Aufgabentypen kaum eingestellt waren. - Die Produktion komplexer Texte, die eigentliche, aber zeitintensive Domäne des Deutschunterrichts, wird weiterhin im gemeinsamen Unterricht begleitet und zwischen Schülern untereinander sowie mit der Lehrperson verarbeitet und optimiert werden müssen.

 

Die bei „selgo“ propagierte Progression selbsttätiges Lernen à selbstorganisiertes Lernen à selbstbestimmtes Lernen  klingt für den schulischen Rahmen sehr utopisch, da die Rahmenvorgaben der Lehrpläne und speziell die Klausuraufgaben und –termine wie auch die neuen Kontrollformen (Parallelarbeiten, Lernstandserhebungen, Abschlussprüfungen, Zentralabitur…) die verkündete Selbstbestimmung immer einschränken, und sie ist in sich paradox, da Selbstlernprogramme nicht in Fülle vorhanden sind und die wenigen vorhandenen für sich schon einschränkend wirken, ja, sich kanonisierend auswirken. Das sollte aber keinen Schüler davon abhalten, immer weiter in einem Medienmix dazu zu lernen.

Der Aspekt „von der Instruktion der Lehrstoffe im Unterricht zur Konstruktion der Lernstoffe durch die autonomen Lerner“, wie er gerne in der konstruktivistischen Diskussion auch den Selbstlernprogrammen zugeordnet wird, ist tatsächlich nur mit Vorsicht zu verwenden: Die vorhandenen Selbstlernprogramme sind hoch instruktiv und vermitteln – wie in den Deutschmodulen bei SelGo – klassisch, systematisch und normativ Wissen zu z.B.:  Gattungen, Methoden, Autoren, Epochen etc. Sie geben allerdings dem Auswahlverhalten und dem Produzieren der Schülerinnen und Schüler weiten Spielraum.

 

 

Selbstlernprogramme für Sek. II als Printmedien:

 

Reihen bei Klett:

„Training Deutsch“

„Abiturwissen“ – „Abi-Training“

„Grundwissen Deutsch“

„Schriftstücke“

 

Reihen bei Cornelsen:

„Trainingsprogramm Deutsch – Oberstufe“

„Abi-Profi Deutsch“

„Besser in Deutsch – Oberstufe“

„Pocket Teacher Abi“

 

Selbstlernprogramme für Sek. II als elektronische Medien:

 

·       CD-ROM und Internet-Plattform: http://www.selgo.de

 

·       Selbstlernmodule:

Lernmodul Mensch-Computer-Kommunikation (Teil 1)

Lernmodul Mensch-Computer-Kommunikation (Teil 2)

http://www.medieninformatik.uni-luebeck.de/Portal/studierzimmer/lernmodule/index.html

 

·       Beispiel für Selbstlernen im Netz: Leseverstehen „Sachtexte“ zum Film "Goodbye Lenin" mit der „Deutschen Welle“ und dem „Goethe-Institut“ (DaF): http://www.goethe.de/z/jetzt/dejart52/dejprv52.htm

 

·       CD-ROM: Trainingskurs Rechtschreibung – Interaktive Lernhilfe für Erwachsene (Cornelsen)

 

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Anforderungen an Selbstlernprogramme:

-  Problemorientierung

-  Grad der Authentizität

-  Grad des Einsatzes von multiplen Perspektiven

-  Grad der Integration von sozialen Lernarrangements

-  Grad der Möglichkeit zum selbstgesteuerten Lernen

-  Grad der angebotenen instruktionalen Unterstützung:

 

-  mediendidaktischen Gestaltungskriterien:

-  Bildschirmgestaltung

-  Farbgestaltung:

-  Navigation:

-  Bildschirmaufteilung:

-  Mediale Elemente: Text (Textlänge, Textlayout, Texthervorhebungen, Textformulierung) -  Bild  -  Ton - Video und 3-D-Animation

 

-  Lernprozess: kognitive, emotionale, motivationale sowie soziale Aspekte

 

s.: Birgitta Kopp, Susanne Dvorak und Heinz Mandl: Evaluation des Einsatzes von Neuen Medien im Projekt “Geoinformation – Neue Medien für die Einführung eines neuen Querschnittfachs“ - November 2003

http://infix.emp.paed.uni-muenchen.de/lsmandl/forschungsberichte/FB_161.pdf

 

 

weitere Materialien:

- Regula D. Schräder-Naef: SchülerInnen lernen Lernen. Vermittlung von Lern- und Arbeitstechniken in der Schule. 3. überarb. u. ergänz. Aufl. Weinheim / Basel: Beltz 1987. 214 S., 28,00 DM. ISBN 3 407 62101 9.

- Arbeitsgemeinschaft Lernmethodik: So macht Lernen Spaß. Praktische Lerntips für SchülerInnen. 5. Aufl. Weinheim / Basel: Beltz 1982. ISBN 3 407 83032 7.

 

Landesinstitut für Schule NRW (Hrsg. - Verlag für Schule und Weiterbildung Kettler, Bönen/Westf) - http://www.lfs.nrw.de/veroeff.htm

-  Förderung selbständigen Lernens in der gymnasialen Oberstufe. Erfahrungen und Vorschläge aus dem Oberstufenkolleg Bielefeld. 2000, Best.Nr.: 4177

-  Abitur-online.nrw. Selbstständiges Lernen mit digitalen Medien in der gymnasialen Oberstufe. 2003, 4511

-  Lernentwicklung von Kindern fördern. Selbstständiges und selbstverantwortliches Lernen im sozialen Zusammenhang. 2003, 4514

-  Evaluation der Qualität von Schule und Unterricht. EU - Pilotprojekt zur Selbstevaluation: Ergebnisse der deutschen Projektschulen. 1999, 4162

 

 

web-basiertes Lernen:

 

http://www.technik-und-leben.de/pdf/ELearn3.pdf

 

© http://www.fachdidaktik-einecke.de