Unterrichtsstörungen und Disziplinproblemen begegnen

Lehramtsanwärter/innen und junge Lehrer/innen werden - je nach Ausbildungsordnung eines Bundeslandes oder der Schulsituation - nach dem Studium (dem Referendariat) oft direkt ins kalte Wasser gestürzt und müssen mit Beginn eines Schul-(Halb-)Jahres sofort und teilweise unvorbereitet neue Klassen oder Kurse übernehmen. Dabei geben oftmals ältere Kollegien auch gerade die schwierigen Klassen (Jg. 8-10) an die neuen Lehrer/innen ab, sogar mitten im Schuljahr. Andererseits tappt man als junge Lehrkraft oft in typische Fallen des Deutschunterrichts, unterfordert auch die Schülerinnen und Schüler, zerdehnt die Zeit etc. Und schon gibt es die heftigsten Disziplinprobleme und Unterrichtsstörungen - vor allem in der Sekundarstufe I .....

Das Fach Deutsch hat u. a. die Aufgabe, 

Dies alles macht den Unterricht in Deutsch sehr störanfällig.

Wenn erst einmal chaotische Strukturen, Widerstand der Schülerinnen und Schüler, Ablehnung des Unterrichts und Fehlverhalten überhand nehmen, ist Hilfe gefragt. Sein Heil in Sanktionen zu suchen, will wohl überlegt sein. Zumeist gibt es auch nur wenig praktikable Möglichkeiten im Schulrecht der Bundesländer; vorrangig sind es warnende pädagogische Maßnahmen, die sich schnell verbrauchen, wie Ansprache, Gespräch, Warnung, Mahnung, Tadel, Klassenkonferenz etc., je nach Schweregrad unter Einbeziehung der Eltern, auch an einzelnen Schulen unter Moderation von Mediatoren. Notendruck hilft i.d.R. auch nicht weiter. 

So ist eine neue Lehrkraft zuerst einmal auf sich allein gestellt, und sie sucht dann auch leicht den Fehler nur bei sich; sie müsste allerdings über die schon länger aufgebaute Karriere einzelner Störer oder ganzer schwieriger Klassen informiert werden, wie auch über die in einer Schule abgesprochenen, gar beschlossenen Regelungen in der Schulordnung, in der Klassenordnung oder über einen tradierten Verhaltenskodex einer Schule, über einen Konsens im Kollegium etc.; und sie muss eigentlich mit den Lehrkräften in Kontakt gebracht werden, die zuvor in Auseinandersetzung mit einer schwierigen Klasse standen.


Bei sehr stark entwickelten Unterrichtsstörungen empfehle ich:

1. Glaubwürdigkeit und Authentizität herstellen, indem Sie von Ihrem persönlichen Interesse an Lehrstoffen ausgehen und dabei den Lehrplan etwas nach hinten stellen; so können Sie überzeugen und Motivation herstellen, indem Sie sich als Person einfließen lassen. 

2. Interesse an den SuSn zeigen, an ihren Problemen, Zukunftssorgen und -phantasien, sie nicht als Gegner erleben; d.h. einen problemorientierten Unterricht machen und entsprechende Textangebote in den DU ziehen; dabei sich in offenen Gesprächen für die SuS interessiert zeigen und sich dafür Zeit nehmen. 

3. Bewussten und funktionalen Methodenwechsel in dynamischem Rhythmus zu planen: einerseits lehrergeführte, vermittelnde, aufgabengebundene  und kontrollierende Unterrichtsformen - andererseits schülerorientierte und lösungsoffene Unterrichtsformen (s. erarbeitender Unterricht / offene Unterrichtsformen / Lernformen)

4. In einer völlig verkorksten Situation aber zuerst: ehrlich den SuSn Ihre eigene Situation in der Klasse beschreiben (nicht lamentierend, sondern nur realistisch) - Ihre Abhängigkeit als Referendar/in - Ihre Vorstellungen von einem störungsfreien Unterricht und Ihre Ziele als Lehrer/in - dazu das fachliche Programm für einen erfolgreichen Jahres-/Schulabschluss der SuS im Fach D knapp skizzieren; dann auf gemeinsame Regeln für Verhalten im Unterricht und gegen Störungen pochen, diese auflisten (aushängen; s. Anlagen) und eine Vereinbarung mit den SuSn aushandeln. - Übrigens: für die von den SuSn regelmäßig als Argument vorgetragene "Langeweile" sind nicht nur Sie verantwortlich, sondern evtl. das Desinteresse der SuS am eigenen Fortkommen, vor allem aber i.d.R. eine geringe Bereitschaft zur eigenen Anstrengung, sich selbst den Unterricht interessant zu machen; andererseits müssen Sie aber auch die SuS schon bei der Reihenplanung mit einbeziehen, um ihren Interessen entgegenzukommen! 

5. Begleitend: mit der/dem Klassenlehrer/in sprechen und bei ihr/ihm Rat suchen; mit anderen Lehrkräften, die auch in der Klasse unterrichten, sprechen, Ihre Lage schildern und ein gemeinsames Vorgehen aushandeln.

6. eine "gestandene" D-Lehrkraft als Vertrauensperson im Kollegium suchen und länger einbeziehen: auch bitten, dass sie Sie 'mal im Unterricht besucht und beobachtet und dass Sie sie besuchen dürfen (gegenseitige Hospitation); über die Erfahrungen sprechen;

7. wenn sich nach 4-6 Wochen bei den SuSn gar nichts tut, dann Ihre Ausbilder und/oder den Stufenleiter/Schulleiter einschalten, um Maßnahmen "von oben" anzustreben.

Maximen: 

Anhang:

1_Zum Umgang mit Unterrichtsstörungen (Dagmar Wilde 2000)

2_Fragebogen zu Unterrichtsstörungen (axel-dumschat, Gesamtschule Bockmühle 2007)

3_S-Fragebogen-Verhaltensregeln im Klassenraum (www.unterrichtsstoerungen.de 2007)

4_Thesen zur Lehrerbelastung (www.weg-vom-stress.de)

5_Trainingsraum-Konzept (Kugel 2006)

6_Checkliste Maßnahmen (2006)

7_Konstruktiver Umgang mit Unterrichtsstörungen (Josef Leisen 2003)

8_Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen (Anwender, Studienseminar Koblenz 2005)

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