Leseverständnis und Resümee-Test für fortgeschrittene Lerner (DAF)

 

Thema: „Datenschutz“

Neue Methoden gentechnischer Untersuchung erlauben es, einem jungen Menschen mit einer gewissen Sicherheit vorherzusagen, ob er im Laufe seines Lebens an Krebs oder einer der vielen anderen erblich bedingten Krankheiten erkranken wird. Eine solche Vorhersage kann dazu führen, dass etwa bei Krebs die Krankheit sehr frühzeitig erkannt wird, so dass die Heilungschancen sehr hoch sind. Aber die neuen gentechnischen Möglichkeiten können auch andere Folgen haben. So ist nicht auszuschließen, dass Arbeitgeber auf die Idee kommen, zusätzlich zu den üblichen Bewerbungsunterlagen einen gentechnischen Befund zu verlangen. In einem solchen Fall – wenn also der Arbeitgeber offen nach der medizinischen Auskunft verlangt – könnte der Bewerber die Untersuchung verweigern oder, wenn sie schon erfolgt ist, die Herausgabe der Daten ablehnen. Der einzige, allerdings erhebliche Nachteil für ihn wäre dann, dass er möglicherweise die gewünschte Stelle nicht bekäme.
Viel gefährlicher wäre es, wenn der Arbeitgeber in der Lage wäre, sich die medizinischen Daten zu besorgen, ohne dass der Bewerber dem zustimmte, ja sogar ohne dass er davon wüsste. Auch eine solche Möglichkeit ist theoretisch vorhanden. Bei vielen ärztlichen Untersuchungen wird ja eine Blutprobe genommen, und es wäre leicht, mit diesem Blut ohne das Wissen des Betroffenen eine gentechnische Analyse herzustellen. Ebenso leicht wäre es, die gewonnenen Daten etwa gegen Bezahlung an Interessenten weiterzugeben.
Zum Glück kann man sicher sein, dass Ärzte und medizinische Labors die Daten der Patienten geheim halten. Auch Institutionen wie Krankenkassen oder Gesundheitsämter dürfen solche Daten auf keinen Fall weitergeben. Diese Verpflichtung, die in Datenschutzgesetzen festgelegt ist, bezieht sich aber nicht nur auf medizinische Informationen, sondern auf persönliche Daten aller Art. So darf zum Beispiel das Amt, bei dem Autos angemeldet werden, ohne Zustimmung des Anmeldenden nicht einmal dessen Namen und Adresse weitergeben (woran z.B. Autofirmen und Versicherungen ein gewisses Interesse hätten).
Um zu garantieren, dass die Bestimmungen der Datenschutzgesetze auch eingehalten werden, gibt es in öffentlichen Einrichtungen und großen Betrieben Datenschutzbeauftragte. Sie haben das Recht und die Pflicht, zu kontrollieren, ob Datensammlungen korrekt angelegt und verwaltet werden.
Zum Datenschutz gehört natürlich auch, dass niemand fremde Briefe lesen oder Telefongespräche mithören darf – außer der Polizei in bestimmten, von Gesetzen streng begrenzten Fällen. Dieses Verbot gilt auch für neue Formen der Telekommunikation wie die Computernetze. Aber beim Gebrauch dieser elektronischen Netze entstehen neue Datenschutzprobleme, die in den existierenden Gesetzen noch nicht berücksichtigt sind.
Deshalb haben die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder bei ihrer Konferenz im Oktober 1996 einen Beschluss gefasst, in dem sie unter anderem folgendes erklären:
„Die Entwicklung moderner Informations- und Telekommunikationstechniken führt zu einem grundlegend veränderten Kommunikationsverhalten der Bürger.
Die Privatisierung der Netze und die weite Verbreitung des Mobilfunks geht einher mit einer weitreichenden Digitalisierung der Kommunikation. Mailboxen und das Internet prägen die Informationsgewinnung und -verbreitung von Privatleuten, von Unternehmen und öffentlichen Institutionen gleichermaßen.
Neue Dienste wie Tele-Working, Tele-Banking, Tele-Shopping sind einfach überwachbar, weil personenbezogene Daten der Nutzer in digitaler Form vorliegen. Die herkömmlichen Befugnisse zur Überwachung des Fernmeldeverkehrs erhalten eine neue Dimension; weil immer mehr personenbezogene Daten elektronisch übertragen und gespeichert werden, können sie mit geringem Aufwand kontrolliert und ausgewertet werden. Demgegenüber stehen jedoch auch Gefahren durch die Nutzung der neuen Technik zu kriminellen Zwecken. Die Datenschutzbeauftragten erkennen an, dass die Strafverfolgungsbehörden in die Lage versetzt werden müssen, solchen missbräuchlichen Nutzungen der neuen Techniken zu kriminellen Zwecken wirksam zu begegnen.
Sie betonen jedoch, dass die herkömmlichen weitreichenden Eingriffsbefugnisse nicht einfach auf die neuen Formen der Individual- und Massenkommunikation übertragen werden können. Die zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des einzelnen gezogenen Grenzen müssen aufrechterhalten und gewährleistet werden. Die Konferenz der Datenschutzbeauftragten hat daher Thesen zur Bewältigung dieses Spannungsverhältnisses entwickelt.
Kommunikationssysteme müssen mit personenbezogenen Daten möglichst sparsam umgehen. Daher verdienen solche Systeme und Technologien Vorrang, die keine oder möglichst wenige Daten zum Betrieb benötigen. Ein positives Beispiel ist die Telefonkarte, deren Nutzung keine personenbezogenen Daten hinterlässt und die deshalb für andere Bereiche als Vorbild angesehen werden kann.
Bei digitalen Kommunikationsformen lässt sich nachvollziehen, wer wann mit wem kommuniziert hat, wer welches Medium genutzt hat und damit wer welchen weltanschaulichen, religiösen und sonstigen persönlichen Interessen und Neigungen nachgeht.
Eine staatliche Überwachung dieser Vorgänge greift tief in das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen ein und berührt auf empfindliche Weise die Informationsfreiheit. Die Datenschutzbeauftragten fordern daher, dass der Gesetzgeber diesen Gesichtspunkten Rechnung trägt.
Die Datenschutzbeauftragten wenden sich dagegen, dass den Nutzern die Verschlüsselung des Inhalts ihrer Nachrichten verboten wird. Die Möglichkeit für den Bürger, seine Kommunikation durch geeignete Maßnahmen vor unberechtigten Zugriffen zu schützen, ist ein traditionelles verfassungsrechtlich verbürgtes Recht.

 

Aufgaben zum Leseverständnis:

Bei den Aufgaben zum Leseverständnis gibt es drei Alternativen: 

  1. Fragen zum Text beantworten.
  2. Das Wichtigste vom Inhalt des Textes wiedergeben (Resümee).
  3. Fragen zum Text beantworten und ein Resümee schreiben.

 

 

u Beispiel für Alternative 1: Fragen zum Text (zusammen mit den Antworten):
 

Frage Nr.

Fragen

1

Warum ist die neue Art der Kommunikation über Computernetze besonders  leicht zu kontrollieren?

 

 

2

Man kann die Übertragung von Informationen dadurch schützen, dass man einen  Geheimcode verwendet. Was sagen die Datenschutzbeauftragten dazu?

 

 

3

Welche a) Vorteile und b) Nachteile hat die Prognose erblich bedingter Krankheiten?

 

 

Auf welche Weise könnte die Gefahr des Datenmissbrauchs bei der Nutzung der  neuen Kommunikationstechnologien verringert werden?

 

 

5

 Wer kontrolliert die Einhaltung von Datenschutzgesetzen?

 

 

Wieso kann man sicher sein, dass medizinische Daten geheimgehalten werden?

 

 

7

Neue Datenschutzgesetze sollen dafür sorgen, dass die Kontrollmöglichkeiten  der Polizei begrenzt werden. Welches Problem ergibt sich dabei?

 

 

8

Welche Informationen über die Benutzer eines Computernetzes sind zur Zeit leicht zugänglich?

 

 

 

 

Lösung:

Frage Nr.

 Antworten

Punkt Nr.

1

- Weil immer mehr personenbezogene Daten elektronisch übertragen und gespeichert werden. 

1

2

- Dass es nicht verboten werden darf. / Dass es ein Grundrecht ist. 

2

3 a

- Vorteile sind: Früherkennung, bessere Heilungschancen. 

3

3 b

- Nachteile sind: Nutzung durch Arbeitgeber, möglicherweise ohne Wissen des Betroffenen. 

4

4

- Durch den sparsamen Umgang mit Daten. / Man soll Systeme bevorzugen, die keine oder möglichst wenige Daten benötigen. 

5

5

- Die Datenschutzbeauftragten. 

6

6

- Wegen der Geheimhaltungspflicht von Ärzten und entsprechenden Institutionen. /  Wegen der Datenschutzgesetze. (Eine dieser Antworten.)

7

7

- Dass die neue Technik auch zu kriminellen Zwecken missbraucht werden kann und die  Polizei dagegen vorgehen können muss. 

8

8

- Wer die Partner waren, 

9

 

- wann sie in Kontakt hatten, 

10

 

- welche Art von Verbindung sie benutzt haben 

11

 

- und die persönlichen Einstellungen der Kommunikationspartner. 

12

 

Berechnung der Punkte: Je Item 1 Punkt - Gleichstellung von Inhalt und Sprache (je 15)

 

Inhalt - maximal 15 Punkte (die nach diesem Beispiel erreichte Punktzahl multipliziert mit 1,25 [da nur 12 Punkte zu vergeben und rechnerische Umsetzung auf 15 nötig]; z.B. 8 Punkte mal 1,25 gleich 10 Punkte für den Inhalt).

ggf. sprachliche Leistung - maximal 15 Punkte.

- Gesamt also maximal 30 Punkte. -

 

 

 

u Beispiel für Alternative 2: Resümee (das Wichtigste vom Inhalt des Textes wiedergeben):

Kurze Zusammenfassung des Textes (Resümee):


Persönliche Daten aller Art unterliegen dem Datenschutz, der gesetzlich geregelt ist. Dazu gehören auch alle Daten, die über herkömmliche oder neue Kommunikationswege übermittelt werden. Der elektronische Informationsaustausch ist besonders leicht zu kontrollieren. Deshalb haben die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder neue Maßnahmen gefordert. So soll einerseits die Möglichkeit der Polizei, auf die Daten zuzugreifen, durch neue Gesetze beschränkt werden; andererseits soll es den Behörden ermöglicht werden, die kriminelle Nutzung der neuen Techniken zu bekämpfen. Die Datenschutzbeauftragten fordern weiter, dass solche Kommunikationssysteme bevorzugt werden, die nur wenige Daten zum Betrieb benötigen. Sie wenden sich dagegen, dass die Verschlüsselung von Nachrichten verboten wird.

 

 

 

Punkt Nr.

Inhalt

Punktwert

Datenschutz: Neue Situation durch elektronische Medien

3

 

Forderungen der Datenschutzbeauftragten:

 

2

Gesetzliche Beschränkung polizeilicher Zugriffsmöglichkeiten

3

3

Gesetzliche Bestimmungen zum Schutz vor Kriminalität

3

4

Bevorzugung von Systemen, die mit wenigen Daten auskommen

3

5

Verbot der Verschlüsselung

3

Folgende Punkte müssen in diesem Resümee enthalten sein:
 

Nach diesem Schema wird die Punktzahl (inhaltliche Bewertung) mit maximal 15 Punkten vergeben. Ggf. textorganisierende und sprachliche Leistung mit Punkten unter entsprechender Gewichtung.

 

u Bei kombinierter Alternative = 1. + 2.: anschließend (ggf. gewichtete) Gesamtpunktzahl und Notenzuordnung

 

[nach: http://www.zems.tu-berlin.de/deu/daf/DSH_Vorbereitung/Info/LV_Beispiel.htm]

 

 

© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de