Plagiatsuche in Facharbeiten, Hausarbeiten, Referaten – Kriterium „Selbständigkeit“  (G. Einecke)

Zur Selbständigkeit:

Schon das Thema einer Facharbeit ist auf „selbständige Arbeit“ hin anzulegen.

Eine Vergleichsaufgabe zu zwei Texten kann insbesondere die eigene Arbeit der Schülerinnen und Schüler an Texten bewirken, da im Internet vorrangig Arbeiten zu einem einzelnen Werk oder einer Epoche oder einem Autor vertreten sind.

Denkbare Alternativprinzipien: „lokale Bezüge“ z.B. zu Produkten der „Autorengruppe Erftkreis“;

oder „aktuelle Entwicklungen“ z.B. über aktuelle Büchermarktsendungen in den Medien oder ganz einfach zu einem Text der neuesten Literatur;

oder „Anbindung an den laufenden Unterricht“.

 

In den Vorinformationen sind die Schülerinnen und Schüler gezielt auf das Beurteilungskriterium "Selbständigkeit", auf die Urheberschaft von Fremdtexten, auf exaktes Zitieren und Konsequenzen bei Verstößen, also bei Täuschungshandlungen (s.u.) hinzuweisen.

 

In Beratungsgesprächen sollen die Schülerinnen und Schüler ihre Themenidee entwickeln und anhand der Gliederung der Arbeit vor allem die Zielsetzung besprechen, dass die Erarbeitung vom Origi­naltext ausgehen sollte, damit nicht die Sekundärliteratur ein Übergewicht erhält und damit die konkrete Arbeit der Schülerinnen und Schüler am Text im Vor­dergrund stünde. - Es empfiehlt sich, dass die Schülerinnen und Schüler zu den Beratungsterminen bereits auch die von ihnen recherchierte Hintergrundliteratur und vor allem Exzerpte, Kopien und downloads mitbringen. Die Kontrolle der Vorarbeiten wäre durch einen Blick auf die konkreten Eintragungen der Schülerinnen und Schüler ins Arbeitstagebuch, das mit der Facharbeit abzugeben ist, im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit den Beratungsgesprächen zu verstärken.

 

Der Aspekt „Selbständigkeit der Leistung“ ist in der Begutachtung der Arbeiten insgesamt explizit auszuführen:

·         Zum einen positiv bei Arbeiten, die ein sehr selbständiges Ausformulieren des gesamten Gedankengangs zeigten. Das flache Gegenstück dazu ist die Montage von kurzen eigenen Ausführungen und (immerhin explizit gekennzeichneten) Großzitaten, Bildern und Kommentaren, was einen manchmal optisch aufgeputzten Effekt erzielt. - Diese montageartigen „eigenen Texte“ stellen z.Zt. ein großes Problem auch an den Hochschulen dar: „Prinzip ctrl-c – ctrl-v“.

·         Zum andern negativ bei Arbeiten, in denen die vollendete Täuschung „Übernahme fremden geistigen Eigentums ohne explizite Kennzeichnung“ vorlag.

Arbeiten mit vollendeter Täuschung gab es in einem Kurs 2001 zwei unter fünf Arbeiten: In einer Arbeit waren ganze Passagen aus verschiedenen Web-Sites und auch aus Fachbüchern ohne Zitierform einbezogen und so eingebaut, als wären sie eigene Ausführungen. Wegen des großen Umfangs der „vollendeten Täuschung“ wurde diese Arbeit mit der Note 6 bedacht. - In einer anderen Arbeit gab es nur kleine Übernahmen, fast als Zitiermangel (ggf. nach unbedachten Exzerpten). Hier wurde die Note um eine ganze Note gesenkt.

Die Täuschungen lassen sich vor allem an Stilbrüchen und überraschenden Kenntnissen erkennen. Der Nachweis allerdings ist recht aufwendig: Suche im Internet und Sichtung der Bücher. - Wenn man die betroffenen Schülerinnen und Schüler mit der Konsequenz von Täuschungen konfrontiert, sind sie ggf. bereit, ihre Quellen offen zu legen, so dass der Nachweis erleichtert wird; dies sollte aber m.E. nicht zu einer Begnadigung führen. Denn die Schülerinnen und Schüler werden bei der Einführung in die Facharbeit mehrfach auf die Konsequenzen von ungekennzeichneten Fremdübernahmen hingewiesen!

 

Zur Bewertung von Täuschungen:  

NRW - Ausbildungs- und Prüfungsordnung Sekundarstufe I APO-S I - April 2005

§ 6

Leistungsbewertung, Klassenarbeiten

 (6) Bei einem Täuschungsversuch

a) kann der Schülerin oder dem Schüler aufgegeben werden, den Leistungsnachweis zu wiederholen,

b) können einzelne Leistungen, auf die sich der Täuschungsversuch bezieht, für ungenügend erklärt werden,

c) kann bei einem umfangreichen Täuschungsversuch die gesamte Leistung für ungenügend erklärt werden.

 

Zur Plagiatsuche:

In einer Facharbeit begegnet mir eine Formulierung, die ich für untypisch bei diesem Schüler ansehe. Ich kontrolliere, ob es sich um eine Übernahme aus dem Internet handelt.

Dazu nutze ich z.B. in der Suchmaschine „Google“ die erweiterte Suchfunktion und gebe eine  Wortgruppe, die mir auffällig erscheint, wörtlich als „genaue Wortgruppe“ ein. Sie sollte nur kurz sein, da evtl. nur eine fremde Phrase in einen eigenen Satz eingebaut wurde.

 

z.B.:  an humanistischen Idealen orientierter Lehrer

 

 

Ergebnis der Suche:

 

 

 

Die Formulierung stammt also aus einer Arbeit von B. Burkarth:

 

„Benjamin Burkarth

Ödön von Horvath: Jugend ohne Gott

Jahrgangsstufe 13 Leistungskurs Deutsch Schuljahr 1998 / 99 Janusz-Korczak-Gesamtschule, Neuss

 

1. Inhalte

 

1.1 Inhalt:

Ein junger, idealistischer, an humanistischen Idealen orientierter Lehrer übernimmt im faschistischen Vorkriegsdeutschland eine neue Schulklasse. Er steht einer faschistisch eingestellten Klasse gegenüber, die ihn als Lehrer ablehnt. Als die Schulklasse in den Osterferien in ein militärisches Ausbildungslager fährt, kommt es unter den Schülern zu einem Diebstahl. Der Lehrer, der sich bemüht das Verbrechen aufzuklären, kommt im Verlauf seiner heimlichen Nachforschungen in den Besitz des Tagebuches eines Schülers, verschweigt aber aus Feigheit seine Tat und macht sich so am Streit zweier Schüler und dem folgenden Mord mitschuldig. Nachdem noch das Verhältnis einer der Jungen, der für den Diebstahl mitverantwortlich ist, mit einem fremden Mädchen ans Licht kommt, sieht sich der Lehrer ...“


 

Weitere Hinweise zu Plagiaten und ihrer Suche:

 

eine ganze Lerneinheit zu "Plagiaten" von Debora Weber-Wulff (FHTW Berlin, 2004): http://plagiat.fhtw-berlin.de/ff/

und

http://www.informationsbroker.at/plagiat.html