Argumentationstechniken

 

Als Spielart der Rhetorik gehört die Eristik zu den sprachlichen Beeinflus­sungshandlungen. Ein Blick in den „rhetorischen Giftschrank“ zeigt, dass es beson­ders vier Situationen sind, die zur Anwendung von „faulen Tricks“ verleiten:

    wenn man jemanden beeindrucken will („Imponiergehabe“);

    wenn man jemanden mani­pulieren will;

    wenn man sich in Bedrängnis um jeden Preis verteidigen will;

    wenn man die Konfrontation im Angriff sucht.

 

1. Bestreite-Technik

Sie greifen die Fundamente der Beweisführung ganz und/oder teilweise an, indem Sie die Richtigkeit des angeführten Sachverhalts bestreiten, nämlich die vorgebrachten Tatsachen daraufhin untersuchen, wieweit sie auf Fantasie, Erfindung, Gerüchten, Behauptungen be­ruhen und wieweit angegebene Zahlen und Statistiken begründet sind.

 

2. Kausalitäts-Technik

Der Zusammenhang von Ursache und Wirkung wird bezweifelt, denn davon hängt die Qualität und Unanfechtbarkeit der Beweise ab. Man greift mit der Kausalfrage an, wenn ein Debattierer simplifiziert, aus einer Ursache eine Summe von Wirkungen hervorgehen lässt, ohne dass dies einsichtig ist, oder wenn er kausale Zusammenhänge aufgrund äußeren Anscheins behauptet bzw. Ursache und Wirkung entgegengesetzt oder abweichend beurteilt.

 

3. Scheinlogik-Technik

Hier gilt es, Fehlschlüsse aufzudecken, die erstens falsche Analogien oder Vorurteile zur Prä­misse haben, die zweitens einen Einzelfall ungerechtfertigt zum Regelfall erheben und drittens Einzelverhältnisse unzureichend nach allgemeinen Sammelbegriffen aburteilen.

 

4. Widerspruchs-Technik

Sie hören den Debattierern aufmerksam zu und achten darauf, ob die Redner Gedanken ent­falten, die sich direkt widersprechen, Vorstellungen entwickeln, die sich gegenseitig aufheben, Tatsachen bringen, die diametral sind im ganzen oder in Details. Es ist auch darauf zu achten, ob sie früher das Gegenteil von dem vertreten haben, was sie heute verteidigen. Sie bringen die erkannten Widersprüche in die Diskussion ein bzw. konfrontieren die Betreffenden direkt damit.

 

5. Kehrseiten-Technik

Die Kehrseiten- oder „Ja-aber“-Technik geht von der Doppelnatur des Lebens und der Dinge aus. Sie wenden diese Technik an und fragen nach dem Gegenteil, wenn ein Redner nur eine Seite vorbringt, z.B. bestimmte Vorteile oder Leistungen herausstreicht, aber negative Wahr­heiten verschweigt, verschleiert, beschönigt. Man schützt sich selbst vor dieser Technik, indem man bereits von sich aus das Für und Wider erwägt (vgl. dialektische Methode).

 

6. Vergleichs-Technik

Weil bis zu einem gewissen Grade alle Vergleiche „hinken“, lassen sich zu einem Beispiel in der Regel überzeugende Gegenbeispiele angeben, die den Vergleich erschüttern. Außerdem müssen Sie prüfen, ob Sie für den angestellten Vergleich nachweisen können, dass er kaum relevante Vergleichsmomente enthält.

 

7. Salami-Technik

Wie man eine harte Salami-Dauerwurst Scheibe für Scheibe zerschneidet, bis nichts mehr übrig ist, so zerlegt man in der Diskussion Pauschalurteile und summarische Aussagen in Halb­wahrheiten. Sie fragen nach genauen Begriffsdefinitionen, dem Gültigkeitsumfang, nach Ein­schränkungen, weltanschaulichen Grundlagen, der persönlichen Interessenlage, psycholo­gischen Eigenheiten.

 

8. Bumerang-Technik

Die Bumerang-Technik wird auch als Retour-Kutsche bezeichnet. Hierbei lässt man die Argu­mente, Behauptungen und Bewertungen des Redners auf diesen zurückschnellen. Der Beweis­wert ist meistens gering, auf die psychologische Wirkung kommt es an. Sie ist um so größer, je schlagfertiger man ist und je wahrheitsgetreuer man kontert. Beispiel: Virchow hielt Bismarck vor: „Ich vermisse bei dem Herrn preußischen Ministerpräsidenten auch das leiseste Verständ­nis für nationale Politik.“ Bismarck erwiderte: Ich muss dem Herrn Abgeordneten diesen Vor­wurf zurückgeben unter Weglassung des Eigenschaftswortes national!“ (zitiert nach Gehrken)

 

9. Vorfrage-Technik

Mit dieser Strategie des Fragestellens sollen Redner, die sich nicht festlegen und sich eine Rückzugstür offen lassen, zur klaren Aussage gezwungen werden. Man muss seine Fragen aller­dings vorbereiten und so knapp und präzise stellen, dass es kein Schwafeln und Ausweichen gibt.    

[aus: Dietrich Pukas: Verbale Kommunikation. Rinteln: Merkur 1979, 204]

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Zu den - nach Graden unterschiedlichen - unredlichen Techniken lassen sich zählen:

 

a) Übertreibungstechnik

unzulässige Verallgemeinerung und Erweiterung der Behauptung eines Gegners, überspannte Folgerungen daraus

 

b) Ad-personam-Technik

anstatt „ad rem“, zur Sache, zu argumentieren, greift man die Person an .

 

c) Isolier-Technik

den Gegner isolieren, Worte isolierend aus dem Zusammenhang reißen

 

d) Ausweich-Technik

auf Gebiete ausweichen, die mit der Sache nichts zu tun haben; den Streitpunkt verdrehen, verdrängen

 

e) Verwirrungs-Technik

mit großem Wortschwall Konfusion erzeugen; vernebeln; wahre Prämissen nicht zugeben, weil man die Folgerungen nicht wahr haben will

 

f) Hinhalte-Technik

Debatte verzögern; kann nützlich sein, um Zeit zu gewinnen

 

g) Gefühlsappell-Technik

nicht mehr sachlich; Appell an Gefühl, Mobilisierung von Vorurteilen usw.

 

h) Entstellungs-Technik

demagogisches Mittel, Entstellung der Aussage oder Akzentverschiebung

 

i) Fangfragen-Technik

Suggestivfragen; Alternativfragen suggerieren, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt

 

Beobachten Sie öffentliche Diskussionen; suchen Sie Beispiele für diese Techniken.

[aus: Wort und Sinn, Sek. II: Texte verstehen und verfassen. Paderborn: Schöningh 1980]

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G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de