Redestrategien in politische Reden             

 

Strategien sind über die einzelnen Sätze, Argumente und rhetorischen Mittel hinausgreifende, weit reichende und absichtsvolle Maßnahmen, mit denen in einer konkreten Situation eine Beeinflussung anderer erreicht werden soll; dabei werden in Reden besonders psychologische Methoden der Einflussnahme eingesetzt. Eine Strategie ist erst wählbar, wenn der Redner sein Ziel, seine Intention und Absicht, festgelegt hat. - Man muss also zunächst das Ziel der Rede bestimmen, um dann für die eingesetzten Strategien erklären zu können, wie mit ihnen das Ziel angestrebt wird.

 

Redestrategien:

 

     Aufwertung der Wir-Gruppe

     Abwertung der Gegner

     Beschwichtigung

     Desinformation

     Verharmlosung

     Emotionalisierung

     Polarisierung durch Freund- und Feindbilder

     Diffamierung

     Umdeutung

     Ideologisierung

     Tabubruch

     Angstverbreitung

     Drohung

     Parzellierung der Gegner

     Verzerrung anderer Positionen

     Sündenbock-Methode

     Anklage

     Schuldzuweisung

     Überredung

     Suggestion

     Information

     Kritik

     Offenlegung der Ziele

     rationale Begründung

     transparente Erklärung

     Beruhigung

     Bestätigung

     Unterstützung

     Lob

     Ermutigung

     Rat

     Dank

     Brückenbauen

     Angebote

     Vermittlung

     Entschuldigung

     Gedenken

     Mahnung

     Übernahme von Verantwortung

     explizites Nachdenken

     Offenlegung von Maßstäben

 

 

Entsprechende Strategien finden sich als Gesprächsstrategien auch in vor allem öffentlichen und medienvermittelten Gesprächsrunden, an denen die Gesprächspartner mit interessengebundenen Absichten teilnehmen: Podiumsdiskussionen, Talkshows, Chats… (Lit. s.u.)

(G. Einecke)

 

 

Merkmale der Propagandasprache

(z.T. nach Uta Wernicke: Sprachwissen. Hamburg: Handwerk und Technik [1974]  1978, 168)

 

    hohe Emotionalität der Sprache (Pathos, Steigerungen durch Superlative, Wiederholungen und häufige Reihung von Einzelwörtern und Sätzen, rhetorische Figuren)

    starke Wertungen (zahlreiche Wertbegriffe und wertende Adjektive), besonders zur Diffamierung des Gegners

    Vorliebe für religiöse, kämpferische und militärische Begriffe

    Imperativischer Stil (Vorliebe für das Modalverb „müssen“, imperativische Anweisungen)

    Unbestimmtheit und Mehrdeutigkeit der Begriffe (Polysemie: „Freiheit“) und allgemeine Verschwommenheit des Ausdrucks, asso­ziationsreiche Begriffe (Konnotationen: das zum Wort Hinzugedachte)

    formalisierte Sprache (Schlagwörter, Slogans, stereotype Wendungen, feste Adjektiv-Nomen‑Koppelungen)

    niedrige Stilebene

    Scheinlogik (scheinlogische Satzverflechtung)

    Meinungssätze als Tatsachensätze ausgegeben

    mit Killer-Phrasen Gegner als Unterlegene behandeln: Sie werden zugeben, dass ...; Ihre Worte zeigen...; Sie werden nicht darum herumkommen... ; Bekanntlich ist es so, dass...; Dazu fehlt Ihnen die Erfahrung...; Sie können sich doch nicht der Logik verschließen...; Wissenschaftliche Ergebnisse haben gezeigt, dass...; Das ist grundsätzlich richtig, aber...;     

 

 

- Brinker, Klaus / Sager, Sven F.: Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung. Berlin: Erich Schmidt 2001

- Cetin, Emel: Eine linguistische Analyse des Verhaltens Gerhard Schröders in der Berliner Runde vom 18. September 2005- Uni Essen. Linse

- Sprechen über Politik in den Medien. Linguistische Aspekte der Rezeption von politischer Kommunikation, in: Pohl, Inge (Hg.): Semantische Aspekte öffentlicher Kommunikation, Frankfurt/Main 2002, 304-328

- Unterhaltung contra Information? Zur Nutzung politischer Fernsehdiskussionen, in: Tenscher, Jens/Schicha, Christian (Hgg.): Talk auf allen Kanälen. Angebote, Akteure und Nutzer von Fernsehgesprächssendungen, Wiesbaden 2002, 387-

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