A) Verschiedene Arten der Argumente

 

Beim Argumentieren stellt Sprecher A eine These auf: "Raketen zu Neujahr sind gefährlich."

Sprecher B stellt die Gegenthese auf: "Raketen sind nicht gefährlich."

Sprecher A muß nun Begründungen und Beweise für seine Behauptung vorbringen: z.B. "Sie sind gefähr­lich, weil sie unmittelbar vor den Augen explodieren können."

Sprecher B kann die Voraussetzungen seiner Behauptung präzisieren: "Nur wenn sie unsachgemäß benutzt werden, können sie gefährlich sein."

A kann mit Erfahrungen begründen: "Wenn sie am Boden in Menschennähe bleiben und da explodieren, dann sind sie gefährlich. Das hab ich schon erlebt." usw.

A stellt die Forderung auf: "Ihr solltet auf den Kauf von Raketen verzichten!"

B spricht eine Zurückweisung aus: "Das lassen wir uns Neujahr nicht nehmen. Wie kommst du nur dar­auf?"

A kann nun mit seiner Einstellung begründen: "Ich finde, mit dem Geld könnte man anderen helfen."

A begründet z.B mit dem Hinweis auf soziale Normen: "Also, Hilfe geht doch wohl vor Vergnügen!" usw.

 

Beim Argumentieren werden verschiedene Sprachhandlungen benutzt:

Ablehnung, Angabe von Merkmalen, Aufforderung, Bedingung, Begründung, Behauptung, Beispiel, Beja­hung, Beschreibung, Beweis, Bild, Definition, Einschränkung, Erfahrungsbericht, Ergänzung, Folgerung, Frage, Gefühlsausdruck, Gegensatz, Gegenthese, Hinweis auf Normen (Gesetze, Gebote), Hypothese, Meta­pher, Resümee, Rhetorische Frage, Statistische Angabe, Tatsachenbehauptung, These, Unterstellung, Ursa­chenangabe, Vergleich, Vermutung, Verneinung, Voraussetzung, Vorschlag, Vorwurf, Widerspruch, Zitat einer Autorität (z.B. Wissenschaftler), Zurückweisung, Zweifel, Zustimmung...

 

B) Allgemeine Regeln für die Argumentation

 

Je konkreter man wird, desto eher wird ein Argument akzeptiert. - Je allgemeiner man argumentiert, desto größer ist der Anspruch.

„1. Grundlage jeder Begründung sollten feststehende Tatsachen, überprüfte Beobachtungen und Berichte sowie Forschungsergebnisse sein oder Feststellungen, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Erfah­rung anderer Fälle auf den vorliegenden Fall übertragen lassen.

2. Behauptungen, die erst wieder begründet werden müssen, sind eher schwache Argumente; sie werden allerdings häufig akzeptiert, wenn sie als leicht überprüfbar angesehen werden.

3. Ein Einzelfall ist kein Beweis, da er durch jeden anderen Einzelfall widerlegt werden könnte; ein Beispiel muß also repräsentativ sein und allgemein gelten können.

4. Argumente sollen streng auf die Hauptthese (Positionsangabe) bezogen sein, damit kein allgemeines Gerede entsteht.

5. Akzeptiert wird ein Argument vor allem, wenn es sich aus Grundforderungen, die in der Gesellschaft anerkannt sind (z.B. Grundrechte), herleitet. Bei dieser Argumentation ist allerdings zu prüfen, inwieweit diese Normen zeitabhängig sind oder als überzeitlich und weltweit gültig angesehen werden. In diese Nor­men gehen also ideologische Urteile ein.

6. Als Argument gilt auch der Hinweis auf Folgen und Auswirkungen, wenn diese aufgrund von Detail­kenntnissen als sehr wahrscheinlich angesehen werden können.

7. Zitate sind nur als Argument sinnvoll, wenn sie von anerkannten Fachleuten in dem betreffenden Gebiet stammen.

8. Aussagen, die auf Erfahrungen beruhen, müssen sich immer wieder neuer Überprüfung stellen, ehe sie als Argument gelten können (s. Sprichwörter!).        

(nach Uta Wernicke: Sprachwissen. Hamburg: Handwerk und Technik [1974]  1978, 67)

 

C) Sprachliche Signale für die Verknüpfung der Argumente

 

Konjunktionen:  Gliedsatz: wenn, weil, obwohl, - Haupsatz: denn, trotzdem, aber, doch, sondern, also...

Adverbien und andere Partikel:  außerdem, zudem, nämlich, ja, deshalb, besonders, vielleicht, dazu, ...

Phrasen: daraus folgt, am wichtigsten ist, allgemein anerkannt ist, im Gegensatz dazu, ...

 

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