Berichtigung von Klausuren - Sek. II

                                                                                                                                                   

       generell als Hausaufgabe nach der Rückgabe

       Auswertung nach Vorlage oder bei der nächsten Klausur

       die Berichtigung geht in die Note zur „Sonstigen  Mitarbeit“ (Hausaufgabe) ein.

       Form:                                     

 

Klausurberichtigung:

 

Fehler- und Mängelmarkierungen: R(echtschreibung),  Z(eichensetzung), G(rammatik), A(usdruck/Wortwahl), L(exikalischer Fehler/falsches Wort), Bz(Beziehungsfehler: falscher logischer Bezug, falscher  syntaktischer Bezug,  falsche grammatische Verknüpfung),  T(empus),  S(atzbau), St(Wortstellung), Zit(falsche Zi­tierform), Wh(stilistisch  unangebrachte Wiederholung)

außerdem Hinweise:

┌ = fehlendes Wort, fehlender Gedanke etc.

| = etwas stimmt so nicht

f = falsch

? = unklar

ü = überflüssig 

+ = guter Gedanke, gute Beobachtung oder Formulierung

√ = so in Ordnung

 = Absatz machen! Text grafisch gliedern  (auch  Zwischenüberschriften sind möglich)           

Zur Durchführung der Berichtigung:

R: korrigiertes Wort 1x neu schreiben (evtl. zur Übung: Wortableitungen, verwandte Wörter, Wortfamilie, flektierte  Formen)         

A/L/Wh: 1x neu gewählter Ausdruck (als Einzelwort oder in sinnvoller Wortgruppe)    

G/Bz/S/St:  korrigierte Fassung im ganzen Satz oder in  sinnvoller Wortgruppe   

Zit: korrekte gesamte Form    

Z:  durch Begründung für korrekte Interpunktion: Regel-Nr. der Regelübersicht (s. Anlage) oder Duden-Nr.

       von jedem Fehlertyp sind i.d.R. je bis zu 5  Fehler  zu  korrigieren (soweit sie vorkommen)  

       Fehlerstelle  am Rand des eigenen Textes  mit  Bleistift durchnummerieren und die Nummer in der Berichtigung    zuordnend  wiederaufnehmen, z.B.  R1, R2, A1, G1, G2, G3, G4,   

 

  Die Alternative zur Fehlerberichtigung ist die gezielte Überarbeitung einer selbst gewählten längeren Textpassage nach der

 

ESAU-Methode: Ergänzen - Streichen - Austauschen - Umstellen

                               von Wörtern, Sätzen, Gedanken, Abschnitten

                                  

sowie mit Fehlerkorrektur (Normfehler, Zitierfehler, Sachfehler und Stilmängel)

 

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konkretisierte Nachbereitung - Beispiel:

GK 11.1 - 1. Klausur / Bichsel/ Ein  

 

Nachbereitung der Klausur / Berichtigung:

1) → Trage ein:

a) Womit sollte dein Text beginnen? .......................................................................................

b) Womit sollte er enden? ..............................................................................................................

 

2) Oft wurde im Mittelteil, der Textanalyse, nur eine Reihe von Beobachtungen notiert; es fehlt die Auswertung der Beobachtungen. Dann steht am Rand „erkläre“; d.h.

erkläre, warum etwas auffällig ist - was da mit sprachlichen Mitteln gemacht ist - welche Bedeutung eine Stelle oder Formulierung hat - wie die eine Stelle mit anderen Stellen zusammenhängt - welche Funktion die eine Stelle für das Problem des ganzen Textes hat (s. Hypothese) - etc.

z.B.

a) „Im Text gibt es eine Wiederholung der Uhrzeiten.“ → erkläre ...

b) „Paul zeigt im Text drei verschiedene Schreibabsichten.“ erkläre...

c) „Paul stellt sich sehr widersprüchliche Reaktionen von Hildgard vor: „Sie würde lächeln und verzweifeln und sich damit abfinden [...].“ (Z26) erkläre ...

 

3)  Zitierweise falsch  korrigiere!!

a) Der Erzähler macht unwichtige Aussagen (Zitat. Z. 5 ff.: [...] er schraubte die Kappe auf die Feder [...]), um darauf hinzuweisen, dass die Gedanken wichtiger sind.

b) Er wiederholt in Zeile 21, dass Hildegard wiederkommt.

c) Der Mann hat Kinder (Z. 35: „Schlafen die Kinder?“)

d) In Z. 11-14 räumt der Mann seinen Tisch auf.

e) Eine weitere Schlüsselstelle ist Z. 35, als Hildegard nach Hause kommt.

f) Zuletzt fragt die Frau ihn, ob die Kinder schlafen. „Schlafen die Kinder?“(Z. 35)

g) All dies geschieht an einem Mittwochabend, wie aus den Zeilen 24 und 25 hervorgeht.

 

4) Normfehler, Sachfehler und Ausdrucksmängel:

Unterstreiche die Fehlerstellen und schreibe ein passendes Fehlerkürzel dazu:                        

1.    Er überlegt, wie es wäre, wenn sie ihn hier und heute nicht mehr träfe.                                      

2.    Der Text ist gegliedert in drei Abschnitte.

3.    Der Autor schreibt dreimal, dass Paul da sitzt.

4.    Pauls Frau fragt am Schluss: „Schlafen die Kinder?“ (Z.35)

5.    Er wollte nur wissen wie seine Frau reagiert.

6.    Ich denke der Sinn des Textes ist, dass, wenn man Probleme hat, neigen manche dazu in

Traumwelten zu fliehen.

7.    Der Auktoriale Erzähler ist in Z. 33 zu finden.

8.    Paul zerreißt den Brief mit der Mitteilung an seine Frau.

9.    Ich glaube, das die Beziehung gestört ist.

10.In der Geschichte geht es um einen Mann, namens Paul, der an einem Tisch sitzt.

11.Paul dachte immer an seine Frau Hildegard.

 

5) Sprachregister und Sprachebenen unterscheiden:

Sprachregister = für einen Zweck, in einer sozialen Situation zutreffende Art der Sprache:

z.B. höfliche, freundliche, allgemein verständliche  Sprache gegenüber Fremden - vertraute, individuelle Sprache gegenüber Freunden;

z.B. sachliche, objektive, analytisch-genaue, fachgerechte Sprache in einer „wissenschaftlichen Arbeit“ oder einer schuli­schen Textanalyse - freiere, individuelle, lockere, aber doch normgerechte  Sprache in einem journalistischen Artikel; etc.

Sprachebenen = Umgangssprache (er ist so idiotisch, das zu tun) -  Standardsprache (er ist so unklug,...)

notiere eine Stelle aus deiner Klausur, die typisch für die Sprache einer Textanalyse ist

formuliere „Paul will nach Südamerika abhauen.“ in eine standardsprachliche Formulierung um

 

6) Erzähltechniken:

Suche die Textstelle und erkläre die Funktion und Wirkung der benutzten Erzählperspektive:

 auktorialer Erzähler:

 

        7) Eine Beobachtung in Dreischritt erklären:

Beispiele:

Pauls Frau hat wohl auch ihren Anteil an der gestörten Beziehung: „Hildegard [...] fragte ‘Schlafen die Kinder?’“ (Z. 35) Sie scheint nicht besonders an ihrem Mann interessiert zu sein, da es ihr zuerst um die Kinder und nicht um ihn geht.

 

markiere: 

Beobachtung/Behauptung

 Zitat 

 

Erklären des Zitats

 

        vollende folgenden Dreischritt:

Pauls Alltag ist von Langeweile bestimmt. ...                                               ...

 

8) Am Textblatt arbeiten: z.B. gleiches Zeichen oder gleiche Farbe einer Markierung bei allen Stellen zu einem Thema, einem Motiv, einem sich wiederholenden Wort machen:

a) z.B. gleiches Symbol zu allen Stellen, in denen es um Langeweile geht

b) z.B. gleiche Unterstreichung bei den Wiederholungen „Paul saß“ o.ä.

c) z.B. ein Häkchen an alle Stellen, in denen es um Schreiben und Mitteilen geht

Trage entsprechend in dein Textblatt ein!

 

9) Die sprachlichen Mittel als Wirkungsmittel erkennen und ihre Funktion erklären:

a) Stellen mit Konjunktiv II unterpunkten und die Bedeutung dieser Formulierungsform erklären

b) „dachte an Palmen, dachte an Hildegard“ (Z. 33) das rhetorische Mittel und die Bedeutung erklären

 

10) Bilder auflösen, d.h. ihre Bedeutung erklären, das damit Gemeinte ausführen:

a) „Mir ist es hier zu kalt.“ (Z. 4, 20) erkläre, warum man dies als metaphorisches Sprechen verstehen kann, und stütze dies mit anderen Textstellen

b) San Salvador, Südamerika was bedeutet dies, wenn man es metaphorisch versteht? - Erkläre

 

11) Leerstellen klären:

Es gibt zwei Stellen, in denen sich Hildegard die Haare aus dem Gesicht streicht (Z. 27, 36) erkläre den Unterschied und den Zusammenhang zwischen den Stellen

 

12) Fachliche Kenntnisse und korrekte Fachbegriffe bei der Analyse benutzen:

Anaphern - unterstreiche sie im Text und erkläre, was sie bewirken.

 

 

Grundmängel:

       Oft zu lange und verschachtelte Sätze! - Grundsatz: Neue Informationen in neue Sätze!

       Vermeide „... dass, wenn ..., ...“-Konstruktionen!!! Sätze gehen sonst daneben oder sind schwer lesbar.

       Viele R / G / Z - Fehler: Erarbeite im Buch TTS S. 124 - 131

       In der Textanalyse, auch bei der Textwiedergabe ist das Präsens zu verwenden!!!

       Bei späteren Nachträgen und längeren Ergänzungen die fortlaufenden hochgestellten Anmerkungsziffern verwenden und am Seiten- oder Textende 1) nachtragen.

       oder auf einem zugefügten Einzelblatt

       Bei Streichungen [noch] nur einmal streichen und eckig einklammern.

 

© G. Einecke - www.fachdidaktik-einecke.de