Schreibhinweise für textgebundene Aufgabenstellungen - Sek. II

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1. Aufgabenstellung: genau beachten

> Welcher Aufgabentyp? Textanalyse (zu einem Sachtext, einem fiktionalen Text) --- Erörterung (zu einem Aspekt oder einer These aus einem Text) --- Gestaltung (nach einer Vorgabe, zu einem Text)?

> Welche Aufgabenfolge? Welche Teilaufgaben, Schritte, Umsetzung von Vorarbeiten im Unterricht, welche Methoden, Epoche, Fachsprache etc. sind  wichtig? 

> analysieren = genau beobachten, beschreiben und erklären / interpretieren = erklären und deuten, Sinn und Bedeutung sowie Intention oder Absicht entschlüsseln / „analysiere“ = analysieren + interpretieren!

> die Aufgabe besteht zumeist aus 2 Teilaufgaben: in der 1. Teilaufgabe müssen Sie direkt auf den vorgelegten Text (Sachtext oder literarischer Text) eingehen, also textimmanent analysieren - in der 2. Teilaufgabe sollen Sie die Ergebnisse in einen größeren Zusammenhang einbauen und dabei Ihr  Vorwissen einsetzen, also textextern verknüpfen

> angestrebt wird ein aspektorientiertes Schreiben: aus der Lektüre eines Textes werden wichtige Aspekte abgeleitet, oder in der Aufgabenstellung ist ein Aspekt vorgegeben - Aspekte z.B. formal: die Perspektive im Text oder Zeitgestaltung; inhaltlich/thematisch z.B.: die Außenseiterrolle einer Figur ...

2. Arbeit am Text: mit dem Bleistift - Markierungen (z.B. der Schlüsselstellen, auffälliger Stellen), Unterstreichungen (nur der zentralen Leitbegriffe), Marginalien (Randhinweise, wenige Kurzkommentare, zum Inhalt), Gliederungsstriche, Zwischentitel, Pfeile für Querverbindungen im Text, gleiche Zeichen für Ähnliches (z.B. * über allen Wörtern eines semantischen Feldes, + über allen eines anderen, ...) etc.

3. Gedankenskizze: Stoffsammlung und Gliederung für den eigenen Aufsatz, auf einem anderen Blatt;  systematisch mit Nummerierung, als Cluster, als Mindmap, als Verlaufs-/Flussdiagramm

4. Textanfang: Formulierungsvarianten auf dem anderen Blatt erproben

5. Leserführung: explizit den Leser führen (Ich beginne mit meinem Leseeindruck... / Nun folgt die Analyse der Argumente...), ggf.: advance organizers: am Anfang des Textes einen kurzen Überblick geben, wie der eigene Aufsatz aufgebaut sein wird; ...

6. Lesersituation: Ihr Text richtet sich in der Regel an Leser, die „unkundig“ sind, d.h. Sie müssen sie in den Text, den Sachverhalt explizit einführen; Sie müssen konkret am Text erklären und können nicht nur andeuten („der Leser wird's schon verstehen“);

7. Grafische Gliederung: den eigenen Text in Abschnitte gliedern (mindestens eine halbe Zeile vor neuem Abschnitt frei lassen, besser eine ganze Leerzeile zwischen zwei Abschnitten); evtl. Zwischentitel

8. Verstehensleistung: in Ihrer Arbeit sollen Ihre Erkenntnisse und Einsichten zum vorliegenden Text wie auch die Methodenbeherrschung deutlich werden; Sie können aber auch noch Zusatzwissen einbringen, wenn es zu einem Aspekt passt und nicht einfach reproduziert wird, sondern vom Text her sinnvoll und funktional einbezogen werden kann; (im einzelnen s. zu den Aufgabenarten) - bei Erörterungen kommt Ihre Argumentationsleistung hinzu

9.  Darstellungsleistung: Ihr Text soll gegliedert, gut lesbar und normgerecht sein; die Sprache vermeidet Umgangssprachliches und Modewörter; der Stil ist typisch für sachliche Abhandlungen in der Standardsprache, also in der Regel nicht emotional (außer ggf. zur Wirkung des Textes) oder appellativ (außer: in einem Teil z.B. der Erörterung);  Fachbegriffe werden gezielt genutzt; (s. zu den Aufgabenarten)

10. argumentativer Dreischritt: beim Interpretieren und Deuten muss eine Beweisführung erfolgen:

> eine Behauptung über den Text aufstellen (z.B. wichtiges Handeln der Personen, Einsatz rhetorischer Mittel, Eindruck der Verschleierung etc.)

> mit einem Zitat oder/und einer Belegstelle stützen 

> dann das Zitat/die Stelle näher erklären (im Detail erklären, was nun an der Textstelle wichtig ist und dich zu der Ausgangsbehauptung brachte)

danach in der Analyse/Interpretation weiterschreiten; auch Bezüge zwischen Stellen und Einzelbeobachtungen herstellen

11. Zitieren: Anführungszeichen für die wörtliche (exakte!) Übernahme aus dem Original; halbe Anführungszeichen für wörtliche Rede im Zitat;  Angabe der Belegstelle  in  Klammern hinter das Zitat; grammatische Veränderungen (z.B. der Flexionsendung beim Einbau eines Zitats in den eigenen Satz) werden als Eingriffe in eckige Klammern gesetzt. - Unterscheidung  von „nachgestellten, eingebauten und vorangestellten Zitaten“. - Im  Unterschied zum Zitat die „Kurzbelege“: Anführung einzelner Wörter oder Wortgruppen als Einzelbelege zur Stützung einer interpretierenden Aussage werden mit Zeilenangabe dahinter in Klammern dem eigenen Satz angehängt. Vermeide Dopplungen (in eigenen Worten und noch einmal als Zitat); vermeide Fragmente, d.h. unverständliche Bruchstücke mit Pünktchen! 

12. Korrektur lesen: DUDEN mitbringen - unbedingt zeitlich so einrichten, dass Rechtschreibung, Zeichensetzung und Stil überprüft werden können: besonders

R: wiedergeben - widerspiegeln, rhetorisch, Rhythmus, authentisch...

Z: dass-Sätze !!!: ...bedeutet, dass es stimmt.  / erweiterter Infinitiv: Nie gelang es, das Tor zu öffnen.

S: keine zu langen Sätze, sondern früher einen Punkt machen: für jeweils neue Informationen, Gedanken und Aspekte einen neuen Satz bilden! / keine „..., dass,, wenn... -Verschränkung“ (Fehlerquelle)! / ...insofern, als ...  (nicht: insofern, als dass...!!)

G: am Anfang eines Textes Vorsicht bei bestimmtem Artikel oder Pronomen: ist der Sachverhalt schon für den Leser eingeführt?

 

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