Widmung

Diese Website "Kunst am Bau" des Gutenberg-Gymnasiums Bergheim (Rhein-Erftkreis) erscheint 

zur Feier der Neugestaltung des Haupteingangs im November 2006.

 

Die Einweihungsfeier erlaubt mir einen Blick nach hinten und einen nach vorne. Da ich 2007 mein 40-jähriges Lehrerdasein mit der Pensionierung am GuGy beende, verstehe ich den Eingang zugleich auch als Ausgang und als Bezugspunkt für Erinnerungen:

Ich bin so alt, dass ich noch die Zeiten selbst erlebt habe, als…

-  ein Bombenflugzeug brennend auf einen Bauernhof stürzte

-  die einrückenden Amerikaner uns Kindern, die wir im Garten spielten, Kaugummi und Schokolade über den Zaun  warfen

-  wir jahrelang in der Stadt einen sagenhaften Abenteuerspielplatz in den Trümmern zerbombter Häuser hatten und es keinerlei Fernsehen in den Familien gab

-  die Kugel Eis 5 Pfennig kostete (umgerechnet 2,5 Cent)

-  im Tante-Emma-Laden an der Ecke ein Hering 10 Pfennig (= 5 Cent) kostete und in Zeitungspaper eingewickelt wurde

-  es nur 1 einziges Auto in der großen Großstadtstraße vor der Tür gab: das "Tempo"-Dreiradauto des Gemüsehändlers

-  die Ampel über der Mitte einer großen Kreuzung einen laufenden Zeiger hatte

-  die Zahnärzte noch keine Turbinenbohrer hatten

-  in der Grundschule noch mit dem Stock auf die Lederhose oder in die Hand bestraft wurde

-  mit dem Griffel auf Schiefer eine saubere Handschrift geübt wurde

-  für den Zugang zum Gymnasium drei Tage lang eine Aufnahmeprüfung durchgeführt wurde und dann 54 Schülerinnen und Schüler in der 5. Klasse saßen, von denen 12 auf direktem Weg bis zum Abitur durchkamen

-  während des Studiums Tausende Seiten mit der dann ausleiernden Handschrift geschrieben, mitgeschrieben oder exzerpiert wurden, weil es keine Kopierer gab

-  der Lohn für uns Werkstudenten wie für alle Arbeiter und Angestellten noch in einer verklebten Tüte am Monatsende ausbezahlt wurde  

-  zur Vervielfältigung von Unterrichtsmaterialien für eine Klasse ein Text 7x als eine Seite + 4 Durchschläge mit Kohlepapier in die Schreibmaschine gehämmert wurde

-  die 68er-Studentenrevolte in meiner Referendarzeit auch unter den Schülern wirkte und in meine ersten Geschichtsstunden zur "außerparlamentarischen Opposition" einschlug

-  1969 Willi Brandts Slogan "Mehr Demokratie wagen" fast alle auch im Schulleben in den Bann zog, die Schüler mehr Mitverantwortung forderten und wir Lehrer uns gewerkschaftlich organisierten

-  1976 die alleinige eheliche "Schlüsselgewalt" des Mannes im BGB § 1357 beendet wurde und die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein wichtiges Thema auch im Unterricht war

-  man nach Georg Pichts These von der "deutschen Bildungskatastrophe ... für das katholische Mädchen vom Lande mit Eltern aus der Arbeiterschicht" (1964) und einem riesigen Lehrermangel dann in den 70er Jahren mit großer Euphorie versuchte, über die Gesamtschule (1968) und die sogen. Oberstufenreform (1972) mehr Kindern aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Familien zu höheren Schulabschlüssen zu verhelfen; dies alles, obwohl damals schon Christopher Jencks ("Chancengleichheit", 1973) nachgewiesen hatte, dass sich mehr Chancengleichheit nicht durch schulische Maßnahmen herstellen lässt: "Schools don't make a difference" (Averch, Harvey A. u. a., 1974)

-  man dann nach den PISA-Studien 2001/2003 feststellen musste: Der Bildungserfolg ist gefährdet bei Jungen mit Migrationshintergrund und bei deutschen Schülern aus schwachen sozialen Verhältnissen sowie mit geringer  Leistungsorientierung und in schlechtem Schul-Umfeld.

-  wir in den 80er Jahren als Fachleiter an Studienseminaren Junglehrer an der Schule vorbei ausbilden mussten: Sie wurden schlicht nicht eingestellt, auch nicht die mit der Note 1, ...es gab kein Geld!

-  Lehrer und Schüler auf der großen Friedensdemo 1981 in Bonn gegen die Aufrüstung mit SS20- und Pershing2-Raketen protestierten

-  1986 mein erster IBM-kompatibler PC mit DOS-Betriebssystem, 256 KB-RAM und 5 1/4-Zoll Diskettenlaufwerk, mit Monitor und Nadel-Drucker insgesamt 5415 Mark (DM = ca. 2750 €) kostete; zuzüglich Textprogramm von Wordstar, das keinerlei Formatierungen zeigte, die man also alle zusätzlich mit Befehlsketten eingeben musste

-  konkrete Entwicklungshilfe ein zentrales gesellschaftliches Thema war und z.B. 1993 durch Lehrerinnen und Lehrer sowie Oberstufenschülerinnen und -schüler des GuGy (Spanisch-LK) für die Landschule Cosmito in Concepción/CHILE  vor Ort geleistet werden konnte: Bau eines Holzhauses mit der "Werkstatt Gutenberg"

-  die Erlebnis- und Eventgesellschaft bei Oberstufenfeten in den 90er Jahren im Gymnastikkeller des GuGy unter höllenlauter Techno-Musik und blendenden Blitzlichtkanonen fröhliche Urstände feierte

  der Schuleingang meiner ersten Schule als Referendar 1967 in Essen-Kettwig am Theodor-Heuss-Gymnasium aber aussah wie die Pforte zu einem preußischen Karzer:


Euer neuer Schuleingang

Die Zukunft geht täglich durch das Schultor  ( www.ganztagsschulen.org/2048.php)

Die Bildung und Erziehung junger Menschen endet nicht am Schultor! (www.jugendserver.de)

Freundliche Fassade hellt am Schultor die Stimmung auf (www.baublatt.de/archiv/2003_4/25.pdf)

Doch Bildung von Kindern und Jugendlichen fängt nicht am Schultor an - und sie hört auch nicht dort auf. (http://presse.aktion-mensch.de)

Völliges Rauchverbot auf dem gesamten Schulgelände für Schüler, Lehrer und das Personal. Ist das der Anfang für ein rauchfreies Leben oder eher der Startschuss für die Völkerwanderung kurz vor das Schultor? (www.hr-online.de)

Forum--Re: gequatsche von mopslbacke und der tussi

ja, bis morgen!
ild auch, schlaf auch schön.
wir sehn uns am schultor!
knuddl
knuddl
  (www.iphpbb.com/foren-archiv/)


© Günther Einecke November 2006 - www.fachdidaktik-einecke.de   

(Recherche und alle Fotos von mir, außer in "Stilrichtung")

(Vgl. zum Thema das am GuGy eingeführte Lehrwerk: Deutschbuch Neu, Bd. 9, Kap. 15.3. Berlin: Cornelsen 2007)

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